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COPD

Weniger Krisen dank Inhalation

12.03.2007  11:05 Uhr

COPD

Weniger Krisen dank Inhalation

Von Brigitte M. Gensthaler, München

 

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung wird oft vernachlässigt: Nur bei einem Viertel der Betroffenen wird die Erkrankung überhaupt erkannt und nur die Hälfte von ihnen wird behandelt. Dabei kann eine stadiengerechte Therapie Verschlechterungen verhindern und die Lebensqualität deutlich verbessern.

 

Die COPD (chronic obstructive pulmonary disease) ist eine chronisch progrediente Erkrankung mit einer schlechten Prognose. Es kommt zu einem unaufhaltsamen Verlust der Lungenfunktion, vor allem wenn die Patienten weiter rauchen. Denn Rauchen ist die Hauptnoxe. Doch die COPD betrifft nicht nur die Lunge. Viele Patienten leiden an Gewichtsverlust und Kachexie, koronarer Herzkrankheit, Muskelschwäche und -atrophie, Osteoporose, Depression sowie Diabetes mellitus, erklärte Professor Dr. Claus Vogelmeier auf einer von GlaxoSmithKline ausgerichteten Pressekonferenz. Haupttodesursache ist nicht das Bronchialkarzinom, sondern kardiovaskuläre Erkrankungen.

 

Pathophysiologisches Bindeglied aller Beschwerden ist vermutlich eine systemische Entzündung, sagte der Marburger Pneumologe. So seien Entzündungsmediatoren wie TNF-α, Interleukin-6 und C-reaktives Protein, oxidativer Stress und Apoptose erhöht. Die Insulinresistenz steigt, Muskelprotein wird vermehrt abgebaut.

 

Besonders ungünstig für die Prognose sind häufige Exazerbationen, also akute Verschlechterungen, da sie den Allgemeinzustand massiv beeinträchtigen und zur respiratorischen Insuffizienz führen. Mehr als drei Viertel aller Exazerbationen werden durch bakterielle und virale Infektionen ausgelöst. Wenn die Patienten häufiger Exazerbationen erleiden, steigt die Sterblichkeit deutlich an, warnte Vogelmeier.

 

Die Exazerbationsrate lässt sich mit einer stadiengerechten inhalativen Therapie senken. Dies wurde in mehreren Studien für Glucocorticoide, die lang wirksamen Bronchodilatatoren Salmeterol und Tiotropium sowie für die Kombination von Corticoiden und lang wirksamen β2-Sympathomimentika nachgewiesen, berichtete Dr. Peter Kardos, Frankfurt.

 

Welchen Nutzen die fixe Kombination von Fluticason und Salmeterol gegenüber der alleinigen Gabe des Betamimetikums hat, wurde jetzt in einer Multicenterstudie geprüft (1). Eingeschlossen waren knapp 1000 Patienten mit schwerer COPD. Das forcierte Ein-Sekunden-Ausatemvolumen (FEV1) der Probanden betrug weniger als 50 Prozent vom Sollwert. Zudem traten bei ihnen im vergangenen Jahr mindestens zwei Exazerbationen auf.

Ziele des COPD-Managements

In der COPD-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und der Deutschen Atemwegsliga (2005) sind folgende Ziele formuliert:

 

Verminderung der Progression der Erkrankung

Symptomlinderung

Steigerung der körperlichen Belastbarkeit

Verbesserung des Gesundheitsstatus und der Lebensqualität

Vorbeugung und Behandlung von Exazerbationen und Komplikationen

Reduktion der Mortalität

 

Kombis zeigen Vorteile

 

Die Patienten bekamen 44 Wochen lang entweder Salmeterol/Fluticason 50/500 µg oder Salmeterol 50 µg jeweils zweimal täglich. In der Kombigruppe erlitten die Patienten deutlich weniger akute Verschlechterungen, berichtete Studienleiter Kardos. »Auf ein Jahr hochgerechnet waren es 35 Prozent weniger Exazerbationen.« Zudem verging deutlich mehr Zeit bis zur ersten Episode, die Symptome waren besser unter Kontrolle und die Lebensqualität höher. Die Abbruchquote von 20 Prozent in beiden Therapiegruppen sei geringer als in anderen Untersuchungen, berichtete der Allergologe.

 

Dass die Therapie auch die Sterblichkeit beeinflusst, zeigte die Torch-Studie, die Privatdozent Dr. Matthias John, Prerow, vorstellte (2). Mit mehr als 6100 Patienten, die an mittelschwerer bis schwerer COPD litten, sei dies die weltweit größte COPD-Mortalitätsstudie, sagte der Pneumologe. Die Teilnehmer erhielten drei Jahre lang entweder zweimal täglich Fluticason, Salmeterol, eine Fixkombination beider Stoffe oder Placebo. In den Verumgruppen sank die Mortalitätsrate, stieg jedoch unter Fluticason nach dem zweiten Jahr wieder an. Im Vergleich zu Placebo reduzierte die Kombitherapie das Sterberisiko um 17,5 Prozent. Dies war nicht signifikant. Auffällig ist, dass die Patienten häufiger eine Lungenentzündung hatten, wenn sie Corticoide einnahmen. Dies beeinflusste die Sterblichkeit aber nicht, sagte John.

Literatur

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Kardos, P., et al., Impact of Salmeterol/Fluticasone Propionate versus Salmeterol on exacerbations in severe chronic obstructive pulmonary disease. Am. J. Respir. Crit. Care Med. 175 (2007) 144-149.

Peter, M. A., Calverley, M. D., et al., Salmeterol and fluticasone propionate and survival in Chronic Obstructive Pulmonary Disease. N. Engl. J. Med. 356 (2007) 775-789.

 

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