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Apothekenketten

Alliance Boots lockt Käufer

12.03.2007
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Alliance Boots lockt Käufer

Von Patrick Hollstein

 

Die weltgrößte Beteiligungsfirma Kohlberg, Kravis, Roberts & Co. (KKR) will die britische Pharmahandelsgruppe Alliance Boots für umgerechnet 14,3 Milliarden Euro übernehmen. Mithilfe der US-Investoren will Großaktionär Stefano Pessina den erst vor wenigen Monaten fusionierten Konzern offensichtlich von der Börse nehmen.

 

Die Branche staunte nicht schlecht, als Alliance Boots Ende vergangener Woche über ein vorläufiges und an verschiedene Bedingungen geknüpftes Übernahmeangebot berichtete. Schnell war klar, dass das Private-Equity-Unternehmen KKR, das in Deutschland unter anderem Anteile an ProSiebenSat.1, Der Grüne Punkt und ATU hält, hinter dem Angebot steht. Erst im vergangenen Jahr hatte KKR 30 Milliarden Euro für die US-Klinikkette HCA auf den Tisch gelegt.

 

Ebenso schnell mehrten sich Gerüchte, denen zufolge Firmenmagnat Stefano Pessina hinter dem Übernahmeangebot stehen sollte. Der 65-Jährige hält als Hauptaktionär derzeit 15 Prozent der Anteile und hatte als ursprünglicher Eigner der italienischen Handelsgruppe Alleanza Salute immer wieder Großfusionen zulasten seiner Besitzanteile durchgeführt. So war das ursprüngliche Familienunternehmen, das der gelernte Nuklearingenieur ab 1977 zur europaweit aktiven Gruppe ausgebaut hatte, 1996 mit dem britischen Großhändler UniChem verschmolzen worden; erst im vergangenen Jahr folgte die Fusion mit der Drogeriekette Boots.

 

Monarchisches Vorgehen

 

Pessina agierte zuletzt in seiner Funktion als Vize des Verwaltungsrates als Stratege im Hintergrund und überließ den beiden ehemaligen Boots-Spitzen Richard Baker und Sir Nigel Rudd das Tagesgeschäft. Beide staunten nicht schlecht über das monarchische Vorgehen Pessinas - und untersagten dem Management prompt den Umgang mit dem Großaktionär und seiner langjährigen Vertrauten Ornella Barra, die derzeit als Großhandels- und Finanzchefin des Unternehmens agiert. Doch auch ohne die beiden kann mehr als die Hälfte des Vorstandes der Garde des italienischen Magnaten zugerechnet werden. Vermutlich wollen die beiden Firmenchefs ohnehin in erster Linie die Form wahren; Pessina soll ihnen bereits neue attraktive Arbeits- und Beteiligungsverträge in Aussicht gestellt haben.

 

Über die Motive Pessinas wird derzeit viel spekuliert: Möglicherweise war der Milliardär, der im Steuerparadies Monaco residiert, vom Börsenkurs des von ihm geschaffenen Giganten enttäuscht. Denn trotz der Ankündigung von Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe und den ehrgeizigen Expansionsplänen Pessinas entwickelte sich die Aktie bislang eher zurückhaltend. Dagegen legte der Kurs nach Bekanntwerden der Übernahmepläne um 14 Prozent zu.

 

Der Wert des drittgrößten paneuropäischen Pharmahändlers wird auf knapp 15 Milliarden Euro geschätzt. Bis 2010 will Pessina überall in der Welt zukaufen und die Hälfte des Gruppenumsatzes außerhalb von Großbritannien erwirtschaften.

 

Dem Konzern gehören derzeit rund 3000 Apotheken in Großbritannien, Norwegen, Italien, den Niederlanden, der Schweiz, Russland und Thailand an. Außerdem ist das Unternehmen in 14 Ländern als Großhändler aktiv. Erst vor Kurzem war Alliance Boots für 38 Millionen Pfund bei dem chinesischen Pharmagroßhändler Guangzhou Pharmaceutical Corporation eingestiegen (siehe PZ 05/07). Seit Anfang März sekundiert die britische Großhandelstochter UniChem außerdem die Exklusivvertriebspläne des Pharmariesen Pfizer.

 

Angebot abgelehnt

 

Vorerst hat der Vorstand die KKR-Offerte als zu niedrig abgelehnt. Ein Bietergefecht wird zumindest seitens der beiden Mitbewerber Celesio und Phoenix nicht erwartet - im Pharmahandelsoligopol würde ein solches Vorgehen schnell an wettbewerbsrechtliche Grenzen stoßen. Experten gehen vielmehr davon aus, dass die Amerikaner den ihnen zurückgespielten Ball nun wieder aufnehmen werden. Die scheinen es ohnehin zurzeit auf den britischen Einzelhandel abgesehen zu haben: Gemeinsam mit anderen Investorengruppen hatte KKR vor einem Monat Interesse an einer Übernahme der drittgrößten britischen Supermarktkette J Sainsbury angemeldet. Sainsbury betreibt in 120 seiner 500 Filialen eigene Instore-Apotheken. Auch in den Märkten des im vergangenen Jahr durch Sainsbury übernommenen Discounters ASDA werden zum Teil Arzneimittel verkauft. Das Konsortium muss bis Mitte April ein offizielles Angebot vorlegen; bis dahin bliebe genug Zeit, sich in Richtung Alliance Boots zu orientieren.

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