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Apothekenzahlen

Ungleiche Verteilung

06.03.2012
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Von Brigitte M. Gensthaler / Franken ist etwas Besonderes in Bayern. Auch bei den Apotheken. Die Region ist von Schließungen besonders betroffen. Dr. Christian Machon, Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesapothekerkammer, erklärt, mit welchen Problemen Apotheker auf dem Land kämpfen.

PZ: Fast die Hälfte der Apothekenschließungen in Bayern 2011 fand in Franken statt. Ist das bedrohlich?

 

Machon: Am deutlichsten ist die Entwicklung in Oberfranken, der ländlichsten Region in Franken. Hier wurden neun Apotheken geschlossen und nur eine eröffnet. Franken insgesamt ist eine ländliche Region. Die Schließungszahlen hören sich nicht dramatisch an, aber die Verteilung ist ungleich. Auf dem Land trifft es die Menschen härter, wenn eine Apotheke dichtmacht. Dies ist der Anfang einer Entwicklung, die das AMNOG ausgelöst hat, und sich 2012 noch stärker auswirkt.

 

PZ: Gibt es Orte, in denen die Arzneimittelversorgung gefährdet ist?

 

Machon: Akute Versorgungsengpässe sehe ich derzeit nicht, ein akuter Mangel ist auch nicht zu erwarten. Problematisch könnte künftig die Notdienstversorgung werden. Aber: Apotheken gehören zum Lebensumfeld und -standard der Menschen. Wenn auf dem Land immer mehr Apotheken schließen, gibt es keine gleichwertigen Lebensverhältnisse mehr für Stadt und Land. Die Schere geht auseinander.

 

PZ: Die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des AMNOG treffen alle Apotheker. Womit haben die Kollegen im ländlichen Raum noch zu kämpfen?

 

Machon: Es ist ein großes Problem, qualifiziertes approbiertes Personal zu finden. Bei PTA gibt es keinen Mangel, aber Approbierte suchen wir wie die Stecknadel im Heuhaufen. Die häufigen Notdienste auf dem Land erhöhen den Personalbedarf zusätzlich. Zudem ist heute schon die Suche nach einem Nachfolger schwierig, wenn ein Apotheker in Rente geht. Ein Viertel der Schließungen 2011 war dadurch bedingt. Das Problem der Apothekennachfolge wird zunehmen.

 

PZ: Wo fanden 2011 die meisten Neueröffnungen statt?

 

Machon: In Oberbayern und vor allem in Städten über 100 000 Einwohnern. In großen Städten wachsen die Bevölkerungszahlen, das eröffnet Chancen.

 

PZ: Sie leben in Unsleben, einer 1000-Einwohner-Gemeinde in Unterfranken. Ihre Argumente für den länd­lichen Raum?

 

Machon: Ich lebe gerne hier. Das Leben ist ruhiger und auch billiger, und die Ausgangssituation für eine Apotheke eher besser als in der Großstadt mit ihrem enormen Wettbewerbsdruck. Ich sehe die mangelnde Attraktivität der ländlichen Regionen aber nicht als Apothekerproblem. Viele Akademiker wollen und können einfach nicht aufs Land ziehen. Die Landflucht ist ein globales Problem. /

 

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