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Fertigarzneimittelseminar

Adipositas - ein gewichtiges Problem

08.04.2008  17:29 Uhr

Fertigarzneimittelseminar

Adipositas - ein gewichtiges Problem

Von Boris Schomber

 

Anfang Februar fand sich wieder ein großes Fachauditorium am Biozentrum der Uni Frankfurt ein, um beim Fertigarzneimittelseminar des Pharmazie-Abschlusssemesters dabei zu sein. Zum Thema »Adipositas und andere Störungen der Appetitregulation beziehungsweise des Essverhaltens«  wurde eine Vortragsreihe der Studenten unter wissenschaftlicher Betreuung der Professoren geboten.

 

Adipositas ist ein ernstes Thema und in den westlichen Industrienationen von besonderer Bedeutung, was sich in der Nationalen Verzehrstudie II, welche dieses Jahr veröffentlicht wurde, mehr als deutlich widerspiegelt. Mit geschätzten 20 Milliarden Euro zusätzlichen Kosten pro Jahr  stellt sie eine erhebliche Belastung für das Gesundheitswesen dar.

 

In insgesamt 13 Vorträgen wurden die Zuhörer an das Thema »Adipositas und andere Störungen der Appetitregulation beziehungsweise des Essverhaltens« herangeführt und unter verschiedensten Gesichtspunkten umfassend informiert. Angefangen mit der Physiologie und Pathophysiologie der Esskontrolle und des Appetitverhaltens, über ökonomische Gesichtspunkte und soziale Folgen bis hin zu inhaltlichen Schwerpunkten der Pharmakotherapie, Klinik und Therapie von Anorexia Nervosa, Binge Eating Disorder und Bulimie wurde jeder Aspekt der Erkrankungen beleuchtet. Des Weiteren setzten sich die Vorträge mit verschiedenen Diäten, Nahrungsergänzungsmitteln und (par-)enteraler Ernährung auseinander.

 

Neue Ansätze zur medikamentösen Adipositastherapie gibt es viele. In einige gewährte uns die Gruppe um Andrea Engel während Ihres Vortrages Einblicke. b3-selektive Agonisten und Leptin-Analoga seien nur einige wenige, der sich im Moment in der Pipeline befindlichen Pharmaka. Allerdings ist es nach wie vor ein schwieriges Unterfangen in die komplexe Energiehomöostase unseres Organismus einzugreifen, was sich auch bei bereits auf dem Markt befindlichen Pharmaka, wie Orlistat oder Rimonabant zeigt. Die zum Teil starken Nebenwirkungen und die daraus folgende Non-Compliance sind Limitationen der Pharmakotherapie, welche auch die Zulassung neuer Substanzen erheblich erschweren.

 

Nahrungsergänzungsmitteln, einem mit großen Missverständnissen und Unsicherheiten besetztem Thema, widmeten sich in Ihren Vorträgen die Gruppen um Astrid Schneider und Emilia Kastreva. Wie sooft erwiesen sich nahezu alle, als »ultimative Lösung« dargebotenen Konzepte, als nicht haltbar, was sich in mangelhaften Studiendesigns und nicht reproduzierbaren Ergebnissen widerspiegelt.

 

Dass übermäßige Gewichtszunahme auch die Folge einer medikamentösen Behandlung sein kann, wurde im Vortrag der Gruppe um Christoph Heynemann deutlich. Besonders in der Langzeitherapie der Schizophrenie oder Depressivität geht diese Nebenwirkung oft mit Compliance-Problemen einher und ist nicht selten ein Grund für den ausbleibenden Therapieerfolg.

 

Die Veranstaltung kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bis 1995 war Professor Dr. Ernst Mutschler Moderator der Veranstaltung. Ihm ist es zu verdanken, dass sich diese für den gesamten Fachbereich Pharmazie öffnete. Auf Anregung von Professor Dr. Christian Noe findet sie seit 1995 vor Fachpublikum statt. Seit dem Wintersemester 2001/2002 ist sie als Fortbildungsveranstaltung von den Landesapotheker- und Ärztekammern anerkannt.

Der »große« Tag und wie er ablief

Mittwochmorgen: Der Wecker klingelt. Heute ist er da, unser großer Tag. Auf dem Weg zum Hörsaal ein ungewohntes Bild der Kommilitonen, Anzug? Krawatte? So hat man sie noch nie gesehen.

 

Allen steht die Anspannung mehr als deutlich ins Gesicht geschrieben. Wann hat man schon die Ehre, vor einem Fachpublikum aus 500 Teilnehmern, Apothekern, Ärzten und natürlich den lieben Professoren; zu zeigen, dass man es inzwischen wirklich kann?

 

9 Uhr: Der Hörsaal ist voll. Die letzten Powerpoint-Korrekturen werden im Verkehr des sich füllenden Hörsaals vorgenommen, die Mikros mit frischen Batterien bestückt, das Kostüm glatt gestrichen. Jetzt darf nichts mehr schiefgehen. Die Generalproben liefen gut, aber der Durchschnittsstudent stand bisher nie in solch einem Rahmen auf der anderen Seite, alle Augen auf ihn gerichtet. Der erste Vortrag beginnt, alles läuft nach Plan ­ wir atmen zum ersten Mal auf! Nach einer Reihe interessierter Fragen aus dem Plenum verlässt die erste Gruppe erleichtert die Bühne. Die  nächsten Gruppen sitzen schon bereit oder üben noch einmal ihre Vorträge im Hinterstübchen. Wir können die Nervosität unserer Kommilitonen nachfühlen, sprechen bei ihren Vorträgen mit, freuen uns,  wenn auch mal ein Lacher aus dem Plenum zu uns nach vorne dringt und spätestens nach der ersten Kaffeepause, dem ersten positiven Feedback werden wir lockerer.

 

17 Uhr: Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu. Wir alle sind erschöpft. Auch unser Publikum ist etwas müde geworden, doch wir geben noch nicht auf. Ein kritischer Kurzvortrag, der etwas fragwürdigere Gründe für die Ausbreitung der Adipositas beleuchtet, rüttelt das Plenum noch einmal wach und stößt, zu unserer großen Freude, rege Diskussionen an.

 

18 Uhr: Nach Frankfurter Tradition laden wir die Professoren in unsere Stammkneipe ein und schalten nun endlich alle ab. Wir essen und trinken in geselliger Runde, fühlen uns wohl und sind uns alle einig: Es war anstrengend, hat aber auch Spaß gemacht.

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