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Nasenschleimhaut

Sensible Grenzfläche

23.02.2015  12:18 Uhr

Von Verena Ruß / Unser Körper steht in ständigem Kontakt mit der Umwelt und ist von außen stets potenziellen Gefahren ausgesetzt. Grenzflächen wie die Nasenschleimhaut bilden eine erste Barriere zum Schutz vor Eindringlingen und Umwelt­einflüssen. Ihre Schädigung oder Erkrankung führt häufig und meist sehr schnell zu unangenehmen Krankheitsbildern.

Schleimhaut (Tunica mucosa, lateinisch: tunica, Haut, und mucus, Schleim) oder kurz Mukosa ist eine Schutzschicht, die die Wände von Hohlorganen nach innen auskleidet. So grenzt sie beispielsweise das Innere der Nase, der Mundhöhle, des Magens, der Speiseröhre und des Darms zum Lumen hin ab und überzieht die Geschlechtsorgane. Ebenso zählt die Bindehaut der Augen zu den Schleimhäuten. Im Gegensatz zur Haut hat die Schleimhaut keine Haare und keine Hornschicht.

 

Schleimhäute bilden Sekrete, sogenannte Mucine, oder haben Drüsen, die die Hohlorgane feucht halten und schützen. Die meisten Schleimhäute sind zudem in der Lage, Partikel mit­hilfe von Transportmechanismen in eine bestimmte Richtung weiterzu­leiten. Dadurch werden Resorptions- und Sekretionsprozesse in den Organen, vor allem im Magen-Darm-Trakt, ermöglicht. Durch das Schleimhaut-assoziierte lymphatische Gewebe (MALT: mucosa associated lymphoid tissue) vermitteln die Schleimhäute eine spezifische Immunabwehr, die durch Antikörper, insbesondere IgA, realisiert wird.

 

Schleimhaut besteht aus einem Deckgewebe und einer Muskelschicht. Dazwischen befindet sich eine Bindegewebsschicht, die aus nur einer Schicht, zum Beispiel im Darm, oder aus mehreren Schichten, wie in der Mundhöhle, bestehen kann. Auf den Epithelzellen des Deckgewebes sind oftmals Oberflächenvergrößerungen durch Mikrovilli zu finden. In der Bindegewebsschicht befinden sich, falls vorhanden, die Drüsen.

 

Schleimhäute können leicht durch äußere Einflüsse gereizt oder geschädigt werden. So kann es zu akuten Störungen kommen, die meist schnell und auch oft von alleine wieder vergehen, jedoch im ungünstigen Fall chronisch werden können.

 

Erste Schutzbarriere in der Nase

 

Die Nasenschleimhaut bildet eine erste Schutzschicht vor »Eindringlingen« beim Atmen. Man teilt sie in zwei Regionen ein: die Regio respiratoria, die sich fast über die ganze Nasenhöhle erstreckt und aus einem respiratorischen Flimmerepithel besteht, sowie die Regio olfactoria, die sich aus einem speziellen Sinnesepithel, der Riechschleimhaut, zusammensetzt und im oberen Nasengang zu finden ist.

 

Das Besondere der Nasenschleimhaut: Ihre Epithelzellen verfügen über bis zu 300 feine Flimmerhärchen, deren Aufgabe es ist, eingeatmete Krankheits­erreger oder Staub- und Schmutzpartikel zu entfernen. Pro Minute schlagen die Flimmerhärchen bis zu 900 Mal, wodurch sie die Schleimschicht in den Rachen schieben und die Erreger ausgeniest oder ausgeschneuzt werden können. Zwischen den Epithelzellen befinden sich Becherzellen, die gemeinsam mit den Nasendrüsen das Nasen­sekret herstellen. Der Austausch der alten Schleimschicht in eine neue Schicht dauert nur 20 Minuten!

Mit Schniefnase zum Arzt, wenn . . .

  • Schnupfenbeschwerden länger als zwei Wochen anhalten,
  • grünlicher oder blutiger Ausfluss aus der Nase kommt, sich dazu plötzlich Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen einstellen,
  • Atembeschwerden auftreten,
  • bei häufigerem Auftreten einer akute Rhinitis im Lauf des Jahres (Allergie, Medikamenten­unverträglichkeit?),
  • bei starker Mundatmung, unangenehmem Schnarchen oder wenn der Eindruck entsteht, nicht mehr gut riechen und schmecken zu können,
  • bei Säuglingen und Kleinkindern: immer zum Arzt, wenn Atmen oder Trinken Probleme bereiten; vor allem auch bei Fieber oder wenn das Kind plötzlich sehr müde und krank wirkt.

Nase zu!

 

Alle Jahre wieder: Erkältungszeit! Die Nase juckt, man niest häufig, die Nasenschleimhäute schwellen an und das Atmen fällt schwer. Die akute Rhinitis ist eines der Hauptsymptome der typischen Erkältung, einer Virusinfektion, die gehäuft in der kalten Jahreszeit auftritt. Ein akuter Schnupfen vergeht in der Regel nach einer bis zwei Wochen von selbst. Schnupfen kann auch Folge und zum Teil Auslöser von anderen Erkrankungen sein, beispielsweise einer Entzündung von Rachen, Bronchien und Nasennebenhöhlen (Pharyngitis, Bronchitis, Sinusitis). Ebenso kann eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren die Nasenschleimhaut einbeziehen und eine akute Rhinitis vortäuschen. Nicht zu vergessen ist, dass auch ein Soor oft von Schnupfen begleitet wird.

 

Problematisch wird es, wenn aus einer akuten Rhinitis eine chronische Entzündung entsteht. Die Nasenatmung ist dann langfristig erschwert und ein gesunder Austausch der Schleimschicht nicht mehr möglich, denn die angeschwollene Nasenschleimhaut produziert ununterbrochen Sekret.

 

Trigger für diese Entzündung können unausgeheilte Erkältungskrank­heiten mit bakterieller Superinfektion, Umweltreize oder Allergene sein. Man denke hier besonders an den Heuschnupfen (Rhinitis allergica).

 

Hausmittel zur Pflege

 

Die Behandlung von Schnupfen richtet sich immer nach der Schnupfenart und der Ursache. In der Akutsituation ist es zunächst wichtig, die Beschwerden schnell und gezielt zu lindern, um Komplikationen zu vermeiden. In einigen Fällen ist eine Selbstmedikation jedoch nicht zu empfehlen (Kasten). Bei einer chronischen Rhinitis oder Allergie gilt es, ärztlichen Anweisungen und der Medikation zu folgen; jedoch sind Chroniker immer wieder gezwungen, im Schub schnell für Beschwerdefreiheit zu sorgen.

Einige Hausmittel helfen dabei sehr gut und schnell. Feuchte Wärme und Inhalation helfen beispielsweise, die Nase zu befreien und die Nasenschleimhaut zu befeuchten, und lassen die Reizung besser abheilen. Bei der Inhala­tion über einer Schüssel oder einem Topf sollte der Patient daran denken, dass das Gefäß mit dem heißen Wasser fest steht und nicht kippen kann; sonst drohen schwere Verbrühungen (cave: vor allem bei Kindern). Auch dringen die Dämpfe nicht nur in Mund und Nase, sondern auch ans Auge. Vor allem ätherische Öle können diese leicht reizen.

 

Alternativ kann das Apotheken­team Dampfinhalatoren empfehlen, bei denen die Schleimhäute der oberen Atemwege durch den Mund-Nase-Aufsatz gezielt befeuchtet werden. Der Zusatz von Salzen, Kamillenblüten oder ätherischen Ölen unterstützt die heilende Wirkung. Kochsalz oder Emser Salz verbessern die Befeuchtung der Nasenschleimhaut, Kamillenblüten (als Tee oder Konzentrat) unterstützen die Entzündungshemmung und ätherische Öle, zum Beispiel Eucalyptus-, Fichtennadel- oder Latschenkiefernöl, helfen, festsitzenden Schleim zu lösen.

 

Vorsicht bei Asthmatikern und Allergikern: Ätherische Öle können bei ihnen einen Asthmaanfall auslösen. Ähnliches gilt für Säuglinge und Kinder unter zwei Jahren. Menthol oder Campher – in den Bereichen von Nase, Mund oder Rachen sowie auf der Brust – kann beim Kind zu Atemnot führen. Daher für Säuglinge und Kleinkinder immer menthol- und campherfreie Produkte auswählen.

 

Inhalationen werden bei unkompliziertem Schnupfen zwei- bis dreimal täglich für fünf bis zehn Minuten empfohlen, bei Chronikern nach Bedarf. Wichtig ist, die Patienten auf langsames Atmen hinzuweisen: ruhig und tief einatmen und ebenso entspannt wieder ausatmen. Bei Schwindelgefühlen ruhig weiteratmen. Meist hat der Patient nur zu schnell eingeatmet. Entsteht Schwindel jedoch bei Anwendung von ätherischen Ölen, sollte die Inhalation abgebrochen werden.

Beratungstipps für eine gesunde Nase

  • Reizstoffe meiden, die die Nasenschleimhäute angreifen (Tabakrauch, Pollen, belastende Arbeitsstoffe, verschmutzte Luft)!
  • Für ausreichende Luftfeuchtigkeit in Räumen sorgen. Sie schützt die Schleimhaut vor dem Austrocknen.
  • Viel trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten.
  • Abschwellende Nasensprays nur anwenden, wenn unbedingt notwendig und nicht länger als sieben Tage hintereinander.
  • Befeuchtende Nasensprays auf Meersalzbasis oder mit Dexpanthenol wirken gut gegen trockene Nasenschleimhaut und erleichtern der Nase die Abwehrarbeit.
  • Viel Bewegung an frischer Luft, ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und regelmäßige Entspannung unterstützen das Immunsystem und helfen direkt bei der Infekt abwehr.

Spezialdusche für die Nase

 

Auch Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung helfen, die Schleimhäute gut zu befeuchten. Schnupfenpatienten und vor allem Heuschnupfen­geplagte empfinden diese Art der Reinigung der Schleimhaut als entspannend, auch wenn die Anwendung zunächst unangenehm und unappetitlich erscheint. Ist die Schleimhaut sehr angeschwollen, kann es passieren, dass die Spülflüssigkeit nicht richtig aus dem Nasenloch abfließt. Dann ist die Nasendusche nur bedingt zu empfehlen. Dies gilt auch, wenn die Schleimhaut so gereizt ist, dass sie leicht blutet.

 

Ob regelmäßiges Nasenduschen einem Infekt vorbeugen kann, wird unter­schiedlich beurteilt. Einige Hals-Nasen-Ohren-(HNO-)Ärzte raten von einem dauerhaften Gebrauch ab, da zu häufiges Spülen die Nasenschleimhaut schädige und wiederkehrende Infek­tionen begünstige; andere empfehlen gerade Heuschnupfenpatienten, während der akuten Phase täglich die Nase damit zu reinigen. Wichtig ist, dass der Patient eine physiologische Salzlösung zur Spülung verwendet. Befindet sich zu viel oder zu wenig Salz in der Lösung, reizt dies die Schleimhaut. Dasselbe passiert, wenn lediglich mit Wasser gespült wird. Neu auf dem Markt sind Sprays mit fertigen Spüllösungen, sodass das Anrühren der Mischung aus Salz und Wasser entfällt.

 

Die Bestrahlung mit Rotlicht hat sich bei akuter Rhinitis und Sinusitis ebenfalls bewährt. Lokale Wärme­anwendungen – in diesem Fall inten­sive Infrarot- und Wärmestrahlung – steigern die Durchblutung und unterstützen so den Abfluss der Nasen­sekrete. Die Bestrahlung mit Rotlicht sollte etwa zwei- bis dreimal täglich für etwa 10 bis 15 Minuten erfolgen, nicht aber bei Kindern unter sechs Jahren eingesetzt werden. Bei akuten starken Schmerzen kann das Apothekenteam für kleine Kinder beispielsweise Lein­samen-Kompressen empfehlen. Leinsamen sind ideale Wärmespeicher, und die Kompressen können direkt auf die erkrankten Nebenhöhlen aufgelegt werden. Hierzu kocht man drei Tassen Leinsamen mit vier Tassen Wasser zu einem dicken zähen Brei. Je ein Esslöffel Brei wird nun alle zehn Minuten in ein Päckchen gepackt und auf die schmerzende Stelle gelegt.

 

Akute Rhinitis: Auf die Symptome kommt es an

 

Die Behandlung des erkältungs- und damit meist viral bedingten Schnupfens richtet sich hauptsächlich nach den Symptomen. Die allzu häufig eingesetzten Antibiotika sind nur dann sinnvoll, wenn eine bakterielle Super­infektion der Nasenschleimhaut ärztlich, zum Beispiel beim HNO-Arzt, nachgewiesen wurde. Ansonsten sollte man die akuten Symptome therapieren, um eine komplikationslose Ausheilung der Erkältung zu garantieren.

Als schnelle Hilfe bei verstopfter Nase haben sich abschwellende, lokal angewandte Sympathomimetika wie Xylometazolin, Oxymetazolin, Tramazolin und Tetryzolin bewährt. Durch die Vasokonstriktion erleichtern sie das Durchatmen und tragen dazu bei, Begleit­erkrankungen wie eine Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder des Mittelohrs (Otitis media) zu verhindern. Zu den bewährten Arzneiformen zählen unter anderem Nasensprays, -tropfen, -gele und -salben.

 

Auch hypertone Meersalzlösungen können angewendet werden, um die Nasenschleimhaut abschwellen zu lassen, da sie über den osmotischen Effekt für einen Ausgleich der überschüssigen Flüssigkeit in der Nasenschleimhaut sorgen. Pflegende Zusatzstoffe wie Dexpanthenol oder ätherische Öle können beigesetzt sein, um unterstützend die Nasenschleimhaut zu regenerieren. Neu auf dem Markt sind Ectoin-haltige Nasensprays. Ectoin ist ein zellschützendes Biomolekül, das einen Hydrofilm auf der Nasenschleimhaut bildet und diese beruhigen und befeuchten soll.

 

Das geeignete Präparat kann das Apothekenteam ganz nach Bedarf und den Vorlieben der Betroffenen wählen: Wünscht der Patient eine tropfenweise Anwendung, weil ein Sprühstoß ihn leicht zum Niesen anregt? Ist eine gute Dosierbarkeit wichtig? Soll die Na­senschleimhaut besonders geschont werden und das Präparat ergänzend pflegende Stoffe enthalten? Sollen Tropfen/Spray bei einem Kind angewendet werden? All diese Fragen sollten bei der Wahl des richtigen Schnupfenmittels berücksichtigt werden.

 

Nicht zu vergessen in jedem Beratungsgespräch: Abschwellende Nasenlösungen ohne Rücksprache mit dem Arzt nicht länger als sieben Tage durchgehend anwenden, danach eine Pause einlegen. Der Patient sollte versuchen, die Schwellung mit pflegenden Salben oder Nasenölen zu lindern. Ectoin-haltige Nasensprays können ohne Gewöhnungs­effekt 30 Tage angewendet werden.

 

Sinnvoll ist es auch, die Entzündung der Nasenschleimhaut mit pflanzlichen Wirkstoffen systemisch anzugehen. Empfohlen wird häufig Cineol, ein Mono­terpen, das aus Eucalyptusblättern gewonnen wird und in Form von Weichkapseln eingenommen wird. Cine­ol wirkt vornehmlich antiphlogistisch; zudem wurde eine antivirale und antibakterielle Wirksamkeit nachgewiesen. Für Kinder ab zwei Jahren gibt es spezielle Kinderformulierungen mit vermindertem Wirkstoffgehalt oder besserem Geschmack. Kombinationen aus Schlüsselblume, Enzian, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut helfen, Schleim zu lösen, Entzündungen vorzubeugen und zu lindern sowie Viren und Bakterien abzutöten.

 

Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich wirken antiphlogistisch und hemmen die Vermehrung von Bakterien und Viren. Die Kombination wird nicht nur bei Entzündungen der Harnblase (Zystitis) angewendet, sondern auch bei akuter Rhinitis.

 

Zu den systemisch verwendeten Sympathomimetika gehören die Katecholamin-ähnlichen Stoffe Ephedrin und Pseudoephedrin. Sie stimulieren alpha-adrenerge Rezeptoren und führen so zu einer Vasokonstriktion im Bereich der Nasenschleimhaut. Man nimmt an, dass dies die beobachtete Abschwellung der Mukosa erklärt. Nachteilig ist, dass durch die adrenerge Wirkung das Herz-Kreislauf-System stark beeinträchtigt wird. Insbesondere sind hier die akute Blutdruckerhöhung und Tachykardien zu nennen. Auch zentralnervöse Effekte wie Gereiztheit, Unruhe und Schlaflosigkeit können auftreten. Die Einnahme zur missbräuchlichen Stimulation über längere Zeit kann zu Psychosen führen. Ein besonderes Risiko für unerwünschte Wirkungen haben Personen mit Hyperto­nie, Diabetes, Herzkrankheiten, Hyper­thyreose, Prostatahyperplasie, Epilepsie und Engwinkelglaukom. Alte reagieren empfindlicher auf die Stimulation des Zentralnervensystems.

 

Einreibungen mit Eucalyptusöl auf Brust und Rücken – quasi zur Inhalation auch ohne Dampfbad – können entspannend für den Patienten sein. Hierzu stehen unterschiedliche Salben zur Verfügung sowie Tropfen, die man schon bei Säuglingen auf die Kleidung träufeln kann.

Schwangerschaft: Was bei verstopfter Nase hilft

Viele Frauen haben gerade gegen Ende der Schwangerschaft das Problem einer verstopften Nase. Die Ursache der sogenannten Schwangerschafts-Rhinitis ist bis heute nicht ganz geklärt. Dieser Schnupfen lässt nach der Entbindung schlagartig nach und ist per se – außer für die Patientin – unkompliziert.

 

Bei der Schwangerschafts-Rhinitis können Nasenlösungen oder -spülungen auf Koch- oder Meersalzbasis Linderung verschaffen. Abschwellende Nasensprays sollte die Frau möglichst vermeiden. Kontraindiziert ist es, diese im ersten Trimenon anzuwenden. In den folgenden Monaten sollten sie nur bei besonderer Dringlichkeit und dann in Kinder- oder Säuglingsdosierung verwendet werden. Das Apothekenteam sollte werdenden Müttern auch einfache Mittel empfehlen, die insbesondere nachts helfen, wenn die Nase »zugeht«. So kann man den Kopfteil des Bettes höher stellen oder ein Nasenpflaster tragen.

 

Bei allergischer Rhinitis kommen außer der Allergenkarenz Cromone (Cromo­glicinsäure und Nedocromil) als Nasen­spray und Augentropfen infrage. Auch Budenosid-Nasensprays sind vertretbar. Diese müssen jedoch vom Arzt verschrieben werden. Außerdem können in extremen Fällen, wenn es die Patientin kaum mehr erträgt, eventuell H1-Antihistaminika wie Cetirizin und Loratadin verwendet werden.

Therapie bei chronischer Rhinitis

 

Ist die Nasenschleimhaut auf Dauer gereizt und entzündet, strahlt dies auch auf die angrenzenden Nasenneben­höhlen und Stirnhöhlen aus, die sich schmerzhaft entzünden können. Beschwerden wie Kopf- und Gesichtsschmerzen, Riechstörungen, Müdigkeit und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte sind dann keine Seltenheit. Häufige Erkältun­gen, Allergien und allergische Rhinitis (Heuschnupfen) können eine Chronifizierung fördern. Außerdem können eine anatomische Fehlstellung der Nasen­scheidewand oder Polypen eine dauerhaft verstopfte Nase bedingen.

 

Im Gegensatz zur akuten Rhinitis richtet sich die Therapie der chronischen Rhinitis gegen die Ursache; sie sollte stets unter ärztlicher Aufsicht angegangen werden. Häufig bekommen die Betroffenen zunächst Cortison-haltige Nasalia verschrieben, um die Entzündung zu dämpfen und primär die Schleimhaut abschwellen zu lassen. Mitunter sind zusätzlich systemische Antibiotika gegen eine bakterielle Infektion indiziert. Unterstützend sind Nasenduschen sowie pflegende Nasensalben mit Dexpanthenol, Jojoba- oder Avocadoöl immer empfehlenswert. Bei Patienten mit Allergien sollte unbedingt das Allergen, zum Beispiel Pollen, Hausstaub oder Milben, identifiziert und dann möglichst gemieden werden. Bei Bedarf können die Patienten Antihistaminika wie Cetirizin oder Loratadin einnehmen.

 

Um eine Chronifizierung der entzündeten Schleimhaut aufgrund von Allergien zu unterbinden, sollte man mit dem Arzt über eine mögliche Hyposensibilisierung und deren Vor- und Nachteile sprechen. Bei anatomischen Fehlstellungen ist ein operativer Eingriff unter Umständen sinnvoll.

 

Medikamente als Schnupfenursache

 

Trockene Nasenschleimhaut, dickflüssiger Schleim und erschwertes Atmen sind mitunter auch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente. Dazu gehören beispielsweise orale Kontrazeptiva oder einige Antihypertonika wie Betablocker oder ACE-Hemmer. Hat der Apotheker den Verdacht, dass die Schnupfenbeschwerden mit der Einnahme eines Medikaments zusammenhängen, sollte er den Patienten an den Arzt verweisen. Eventuell ist ein Präparatewechsel sinnvoll. Ist dies nicht möglich oder bleiben die Beschwerden bestehen, verordnet der Arzt oft Medikamente wie Corticoid-haltige Nasensprays. In der Apotheke sollte man den Patienten zusätzlich immer auf pflegende Maßnahmen hinweisen, um langfristig die Nasenschleimhaut zu schonen.

Manche Menschen vertragen auch Acetylsalicylsäure (ASS) oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAID) – und zwar schon in sehr geringen Dosen – nicht. Sie reagieren meist mit asthmatischen Beschwerden und/oder juckenden Quaddeln (Nesselsucht) sowie Hautausschlägen. Mitunter, wenn auch eher selten, kann es zum lebensbedrohlichen Blutdruckabfall, zu Schwellungen im Mund- und Rachenraum (Angioödem), Atemnot und Erbrechen kommen (anaphylaktischer Schock). Die Diagnose einer Analgetika-Intoleranz ist aufwendig und sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Für das Apothekenpersonal ist es wichtig, bei der Abgabe von Analgetika immer nach einer eventuellen Intoleranz auf Schmerzmittel zu fragen.

 

Wer an einer ASS-Intoleranz leidet, muss diese Substanzen meiden und kann bei Schmerzen oder Fieber andere Wirkstoffe, etwa Paracetamol, ein­nehmen. Zur Behandlung von starken akuten oder chronischen Schnupfensymptomen werden hier oft unver­züglich Corticoide eingesetzt, zunächst als Nasen­spray, manchmal kurzfristig auch peroral.

 

Zu einer medikamentös bedingten Rhinitis kommt es jedoch vor allem durch den langfristigen und häufigen Gebrauch von Sympathomimetika-haltigen Nasentropfen oder -sprays. Diese Substanzen wirken abschwellend und hemmen den Nasenausfluss. Auf Dauer trocknen die Schleimhäute immer mehr aus. Als Gegenreaktion schwellen diese verstärkt an, um mehr Nasensekret zu bilden, sobald die Wirkung der Arzneistoffe nachlässt. Die Betroffenen greifen erneut zum Nasenspray und geraten nicht selten in eine Abhängigkeit. Die Folgen sind oft chronischer Schnupfen mit einer dauerhaft trockenen Nase (atrophische Rhinitis, Rhinitis sicca). Die Patienten atmen verstärkt durch den Mund und entwickeln meist Mundgeruch. Halsentzündungen und chronische Atemwegsinfekte treten gehäuft auf, da die Nasenschleimhaut nicht mehr in der Lage ist, ihre Reinigungs- und Schutzfunktion zu erfüllen.

 

Daher ist es so wichtig, bei jeder Abgabe eines Schnupfensprays darauf hinzuweisen, dass der Patient dieses höchstens eine Woche lang anwenden darf! Wenn er immer wieder und über längere Zeit zu Sympathomimetika greift, sollte ihn das Apothekenteam aktiv ansprechen und beraten. Viele Abhängige wissen nicht, dass sie die Tropfen oder Sprays über eine Kinder- oder Säuglingsdosierung sukzessive absetzen und die Nasenschleimhaut so gut pflegen können, dass sie schließlich ohne Medikamente wieder frei atmen können.

 


Gefährliche Komplikationen

 

Eine trockene Nasenschleimhaut, die nicht gepflegt wird, neigt häufig zu Borkenbildung und Rissen in der Oberfläche. Dann kann die Nase leicht, vor allem beim Schnäuzen, anfangen zu bluten. Bei sehr stark gereizter Schleimhaut kann dies auch unvermittelt auftreten.

 

Obwohl Nasenbluten (Epistaxis) oft bedrohlich wirkt, ist es meist harmlos und kann recht einfach gestoppt werden. Der Patient sollte sich setzen und den Kopf nach vorne beugen, damit das Blut aus der Nase fließen kann. Legt man der Kopf nach hinten, kann man das Blut verschlucken; es besteht die Gefahr der Blutaspiration. Die Nasenflügel werden dann einige Minuten lang komprimiert, wodurch unkompliziertes Nasenbluten zum Stillstand kommen sollte. Dabei können auch nasse kalte Wickel im Nacken helfen. Führen diese Maßnahmen zu keiner Besserung, muss sofort ein Notarzt geru­fen werden.

 

Eine nicht seltene Komplikation, die sich aufgrund trockener Nasenschleimhäute entwickelt, ist das Nasenfurunkel. Es handelt sich um eine eitrige Infektion eines Haarbalgs durch Staphylococcus aureus. Ein Furunkel schmerzt bei Berührung. Die Nase ist an dieser Stelle meist gerötet und geschwollen. Manchmal tritt Fieber auf, mitunter ist auch die Oberlippe geschwollen. Das oberste Gebot bei einem Nasenfurunkel lautet: nicht berühren! Auf keinen Fall darf man versuchen, es aufzustechen oder auszudrücken. Man sollte die Nase möglichst nicht berühren, sondern zügig einen HNO-Arzt aufsuchen.

 

Ein Nasenfurunkel kann gefährliche Folgen haben. Die Ausbreitung der eitrigen Infektion kann tödlich enden. Gelangt Eiter in die Vene, die im inneren Augenwinkel verläuft und mit den Gefäßen der Augenhöhle in Verbindung steht, kann eine schwere Infektion des Augenhöhlengewebes entstehen. Da die Venen der Augenhöhlen zudem mit denen des Gehirns in direkter Verbindung stehen, ist auch die Gefahr einer Hirnhautentzündung gegeben. /

Die Autorin

Verena Ruß studierte von 2000 bis 2004 Pharmazie an der Julius-Maximi­lians-Universität Würzburg. Nach dem Praktischen Jahr in der pharmazeutischen Industrie und Offizin begann sie ihre Promotion 2005 an der LMU in München im Bereich Pharmazeutische Biolo­gie/Biotechnologie zum Thema nichtviraler Gentransfer zur Tumor­therapie. In ihrer Postdoktorandenzeit am City of Hope in Duarte, Kalifornien/USA, erweiterte sie die Therapieziele auf die HIV-Therapie und kehrte 2009 nach Deutschland zurück. Seit 2010 ist sie Inhaberin einer Apotheke und nebenbei als freiberufliche Fachjournalistin tätig.

 

Dr. Verena Ruß

Franz-Fihl-Straße 3

80992 München

E-Mail: verenaruss@gmail.com

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