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Depression

Omega-3-Fettsäuren für Hirnfunktion

01.03.2011
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Von Christina Hohmann / Eine lebenslange Ernährung, die arm an Omega-3-Fettsäure ist, stört die synaptische Plastizität in Gehirnteilen, die für die emotionale Kontrolle verantwortlich sind. Depressives Verhalten ist, zumindest bei Mäusen, das Resultat.

In Industrieländern ist die Nahrung zwar häufig reich an Kalorien, aber arm an essenziellen Omega-3-Fettsäuren (o3F). Eine Dysbalance zwischen o3F und Omega-6-Fettsäuren (o6F) ist die Folge. Welchen Effekt ein lebenslanger o3F-Mangel auf das Gehirn hat, untersuchten nun Olivier Manzoni und Kollegen an Mäusen. Sie gaben trächtigen Tieren entweder ein o6F-reiches Futter (o3F-Mangel-Gruppe) oder ein o3F-reiches Futter (Kontrollgruppe). Nach der Geburt erhielten die Tiere weiterhin die gleiche Nahrung. Die Forscher stellten fest, dass der lebenslange o3F-Mangel zu niedrigen Spiegeln dieser essenziellen Fettsäuren im Gehirn führte, die in physiologischen Veränderungen resultierten: Die Endocannabinoid-CB1-Rezeptoren (CB1R) hatten ihre Funktion verloren. Diese CB1R-Funktionsstörung trat in zwei Gehirnarealen auf, die mit psychischen Erkrankungen wie Depression in Verbindung gebracht werden: dem Nucleus accumbens und dem prälimbischen Cortex. Die Tiere, die mit einem o3F-Mangel aufwuchsen, zeigten auch ein gestörtes Verhalten. Sie waren ängstlicher und antriebsärmer als die Kontrolltiere. Schon früher war eine o3F-Mangel mit depressivem Verhalten in Verbindung gebracht worden. Die Forscher glauben nun, den molekularen Zusammenhang entdeckt zu haben: den Funktionsverlust des CB1R. Gestützt wird diese These von der Tatsache, dass der als Appetitzügler zugelassene CB1R-Antagonist Rimonabant vom Markt genommen wurde – wegen psychischer Nebenwirkungen. Einige Patienten entwickelten Depressionen und Suizidalität. /

 

 

Quelle: Lafourcade, M., et al., Nutritional omega-3 deficiency abolishes endocannabinoid-mediated neuronal functions. Nature Neuroscience (2011), doi: 10.1038/nn.2736.

Kommentar

Omega-3-Fettsäuren sind nicht nur an Aufbau und Reifung neuronaler Strukturen beteiligt, sondern während des gesamten Lebens für die Aufrechterhaltung der normalen Hirnfunktion unentbehrlich. Sie regulieren unter anderem die Gentranskription und beeinflussen die Neurotransmitterausschüttung. Daher verwundert es nicht, dass ein relativer Mangel an Omega-3-Fettsäuren mit neurologischen Störungen assoziiert ist. Neben Beobachtungsstudien zum Zusammenhang zwischen der o3F-Aufnahme und neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Demenz, Depressionen, Autismus und ADHS liegen auch Interventionsstudien vor, die dies untermauern. Es ist notwendig, diese essenziellen Fettsäuren bereits während der Embryonal- und Neugeborenenphase in ausreichenden Mengen und ausgeglichenem Verhältnis bereitzustellen. Fachgesellschaften empfehlen daher Schwangeren und Stillenden ein- bis zweimal pro Woche o3F-reichen Fisch zu verzehren oder entsprechende Supplemente einzunehmen.

 

Dr. Jan Philipp Schuchardt

Abteilung Ernährungsphysiologie und Humanernährung

Universität Hannover

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