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Drogen

Nasenspray mit Weichspüler

01.03.2011
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PZ / Ein neues Drogenproblem breitet sich in Gefängnissen aus: Häftlinge schnupfen eine milchige Flüssigkeit aus Nasensprayflaschen. Eine Analyse ergab nun, dass es sich beim Inhalt der Flaschen um handelsüblichen Weichspüler und die drogenähnliche Substanz GBL handelt.

Im Gefängnis von Remscheid war der deutlich gestiegene Bedarf an Nasenspray aufgefallen. Außerdem hatte ein Spürhund bei einer Kontrolle bei einem der Sprayfläschchen einen Rauschgiftfund angezeigt. Der Inhalt war merkwürdig milchig statt klar. Im Labor zeigte sich, dass nicht, wie vermutet, Cocain oder Speed darin enthalten war, sondern handelsüblicher Weichspüler.

Den Weichspüler konnten die Gefangenen im Gefängnis legal kaufen, um damit in den Zellen ihre Sportsachen von Hand zu waschen. »Jetzt gibt es hier keinen Weichspüler mehr. Unser Wasser ist ohnehin sehr weich«, sagte Anstaltsleiterin Katja Grafweg. Auch in anderen Gefängnissen, wie etwa in Köln, wurde Weichspüler in Nasensprayflaschen entdeckt. Das nordrhein-westfälische Justizministerium hat jetzt alle Gefängnisse des Landes aufgefordert, zu prüfen, ob Weichspüler aus den Anstalten zu verbannen ist.

 

In den Weichspüler-Proben wurde außerdem Gamma-Butyrolacton (GBL) entdeckt. Es ist verwandt mit der Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) und wird im Blut in diese umgewandelt.

 

GHB ist auch als Liquid Ecstacy, K.-o.-Tropfen oder Vergewaltigungsdroge bekannt. Während GHB dem Betäubungsmittelrecht unterliegt, ist GBL weitgehend frei handelbar. Beim Waschmittel-Marktführer, der Düsseldorfer Firma Henkel, betonte eine Sprecherin, dass im hauseigenen Weichspüler kein GBL enthalten ist. Auch beim Industrieverband für Waschmittel in Frankfurt am Main herrscht Verwunderung vor: »GBL ist uns als Bestandteil in Weichspülern nicht bekannt«, sagte ein Sprecher. Wie das drogenähnliche GBL in den Weichspüler gelangt ist, bleibt damit unklar.

 

Der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm ist der Weichspüler-Konsum als Phänomen erst seit wenigen Tagen bekannt. Nach Angaben des Pharmakologen Professor Dr. Gerd Glaeske, Universittät Bremen, wird GBL als Lösungsmittel etwa gegen Graffiti eingesetzt. Es sei vor allem eine Gefahr für das zentrale Nervensystem.

 

Laut Informationen der Drogenhilfe Köln kann der Konsum Krämpfe bis hin zur Bewegungsunfähigkeit, Muskelverspannungen, Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen, Schwindelgefühle und Erbrechen verursachen. Der Mono-Konsum von GHB oder GBL kann (nur bei starker Überdosierung) Atemlähmungen mit eventueller Todesfolge hervorrufen. Der Mischkonsum von GHB oder GBL mit Alkohol verstärkt die Gefahr einer Atemlähmung mit Todesfolge um ein Vielfaches, so die Drogenberatungsstelle auf der Website www.partypack.de.

 

Ebenfalls zu einer lebensgefährlichen Verstärkung der Atemdepression kommt es bei Mischkonsum von GHB und antiretroviralen Medikamenten (Proteasehemmern), Opiaten oder Benzodiazepinen. Über Langzeitschäden bei regelmäßigem Konsum von GHB oder GBL könne bislang keine eindeutige Aussage gemacht werden, heißt es auf der Website weiter. Fest steht jedoch, dass die Substanzen zu psychischer und körperlicher Abhängigkeit führen. /

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