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Schlecker startet Versandapotheke

08.04.2008
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Schlecker startet Versandapotheke

Von Daniel Rücker

 

Die Drogeriemarktkette Schlecker ist ins Arzneimittelgeschäft eingestiegen. Über die konzerneigene Versandapotheke Vitalsana verkauft das Unternehmen aus Ehingen apothekenpflichtige OTC-Arzneimittel.

 

Ursprünglich wollte Schlecker bereits am 11. Februar seine Versandapotheke eröffnen, musste den Termin jedoch kurzfristig wegen juristischer Probleme verschieben. Aus Branchenkreisen ist zu hören, dass eine andere Drogeriekette gegen Schlecker vorgegangen war. Umstritten ist aber auch, ob Vitalsana deutsche Verbraucher beliefern darf. Die Versandapotheke hat ihren Sitz zwar in den Niederlanden und wäre damit wohl lieferberechtigt. Sie gehört jedoch einer spanischen Schleckertochter. Spanien steht nicht auf der vom Bundesgesundheitsministerium erstellten Liste von Ländern, aus denen Arzneimittel nach Deutschland versendet werden dürfen. Zunächst bietet Schlecker über seine Versandapotheken nur OTC-Arzneimittel an.

 

Die als «Topknüller» angepriesenen Medikamente werden momentan erwartungsgemäß deutlich unter der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers verkauft. Nach Angaben von Schlecker liegt der Preis «bis zu 45 Prozent» niedriger. Wie bei anderen Versendern, die über Dumpingpreise in den Markt eingetreten sind, liegen die meisten Medikamente eher 10 bis 20 Prozent unter der Preisempfehlung. Bis zu einem Bestellwert von 15 Euro berechnet Vitalsana zudem 3,95 Euro Versandkosten. Auf seiner Website kündigt Vitalsana bereits an, dass in Zukunft auch rezeptpflichtige Arzneimittel verkauft werden sollen. Den Rezepteinlösern winkt dafür ein Einkaufsgutschein über 3 Euro, unabhängig davon, ob der Versicherte von der Zuzahlung befreit ist.

 

Unterdessen regt sich auch deutliche Kritik am Engagement der Drogeriemärkte im Arzneimittelhandel. »Eine solche Deprofessionalisierung der Arzneimittelabgabe halte ich für hoch problematisch«, zitiert die Ärztezeitung den Vorsitzende der KV Nordrhein, Dr. Leonhard Hansen. Und Martin Litsch, Vorsitzender der AOK Westfalen-Lippe, sagt in derselben Zeitung. „Ich lehne die fortschreitende Banalisierung der Arzneimittelabgabe ab.«

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