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Parkinson

Hauttest zur frühen Diagnose

22.02.2017
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Von Daniela Hüttemann / Ablagerungen von phosphoryliertem α-Synuclein, einem Kennzeichen der Parkinson-Erkrankung, eignen sich in ­Nervenzellen der Haut als Biomarker für die Krankheit. ­Diese lassen sich durch einen einfachen Test an einer Hautbiopsie nachweisen, wie deutsche Neurologen berichten.

Bislang ist eine eindeutige Diagnose meist erst mit den typischen Symptomen wie Steife, Zittern und Bewegungsarmut möglich, die jedoch erst nach jahrelangem Nervenzellsterben auftreten. Der Nachweis von α-Synuclein im Gehirn ist erst nach dem Tod möglich. Frühzeichen wie eingeschränkter Geruchssinn, Depressionen und Verdauungsstörungen gelten als zu unspezifisch für eine Diagnose. 

 

Typisch ist, dass dem Krankheitsbeginn REM-Schlafverhaltensstörungen (RBD) mit aggressiven Träumen und auffälligen Bewegungen im Schlaf vorausgehen. Etwa 85 Prozent der RBD-Betroffenen entwickeln im Verlauf von 15 bis 20 Jahren eine Parkinson-Erkrankung. Für RBD-Patienten ist der neue Test gedacht, der bereits in Marburg zum Einsatz kommt.

 

2014 konnten erstmals Wissenschaftler um Dr. Kathrin Doppler aus Würzburg α-Synuclein in den kleinen Nervenfasern der Haut nachweisen. Jetzt untersuchten die Forscher Haut­biopsien von 18 Patienten mit RBD, 25 Patienten mit frühem Morbus Parkinson sowie 20 gesunden Kontrollprobanden. Die Sensitivität für phosphoryliertes α-Synuclein lag bei dem REM-Patienten bei 55,6 Prozent, bei den Parkinson-Patienten bei 80 Prozent. Bei den gesunden Probanden fanden sich keine Ablagerungen, was einer Spezifität von 100 Prozent entspricht, berichten die Forscher im Fachjournal »Acta Neuropathologica« (DOI: 10.1007/s00401-017-1684-z). In dem Test sehen die Forscher wegen der hohen Spezifität daher einiges Potenzial, um Parkinson-Patienten im prodromalen Stadium der Erkrankung identifizieren zu können.

 

»Damit sind wir dem Ziel, Parkinson in einem frühen Stadium zu erkennen und zu stoppen, einen wichtigen Schritt näher gekommen«, kommentiert Professor Dr. Günther Deuschl vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Denn es fehlen derzeit noch krankheitsmodifizierende Arzneistoffe, um den Untergang der Nervenzellen zu stoppen. Solche Wirkstoffe können ihr Potenzial nur bei Patienten im präklinischen Stadium voll entfalten. Bislang war es jedoch schwierig, entsprechende Probanden für klinische Studien ausfindig zu machen. Mit dem Test könnte es nun besser gelingen. Für Angehörige von Parkinson-Patienten, die eine erbliche Belastung fürchten, eigne sich der Test bislang nicht, teilte die DGN der Pharmazeutischen Zeitung mit. /

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