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Stationär plus online

Wie Apotheken punkten können

14.02.2018
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Von Brigitte M. Gensthaler und Daniel Rücker, München / Beim diesjährigen Kooperationsgipfel in München durfte natürlich auch das Thema Internet und Online-Services nicht fehlen. Einen Einblick in die Thematik und ihre Relevanz für Apotheken boten unter anderem ein Experte von Google und ein Experte für Gesundheitsmarketing.

Stationär sind die Apotheken ohne Frage die Nummer eins bei OTC-Arzneimitteln. Online sieht das vollkommen anders aus. Hier hinken viele Apotheken mit ihrem Angebot und ihrer Webpräsenz noch hinterher. Denn im Netz geht es neben Auffindbarkeit vor allem um Schnelligkeit und Übersichtlichkeit.

Maximal drei Sekunden bleibt ein Patient, der ein bestimmtes Arzneimittel kaufen möchte, auf einer Gesundheitswebsite, sagte Karl Pall, Direktor von Google Germany, beim Kooperations­gipfel des Bundesverbands Deutscher Apothekenkooperationen (BVDA­K) in München. Mehr als die Hälfte der Besucher sei dann schon wieder weg von der Website.

 

Rasante Entwicklung

 

Die Wachstumsraten lassen vermuten, dass die Geschwindigkeit im Netz weiter steigen wird. »Wir sind alle neugierig, anspruchsvoll und ungeduldig«, sagte Pall. Heutzutage wollten die Kunden das Beste und natürlich sofort. »Dies hat für Patienten und Apotheker erhebliche Konsequenzen.« Die Suchanfrage ›Schnupfen schnell loswerden‹ werde aktuell fast doppelt so häufig in die Suchmaske eingegeben wie im Vorjahr. Ähnlich erfolgreich sei die Anfrage ›Wo Nasen­spray kaufen?‹.

 

Pall erwartet, dass die Digitalisierung alle Märkte verändern wird. Dabei würden sich die Entwicklungsphasen noch deutlich beschleunigen. Vor allem im Gesundheitswesen sei die Entwicklung rasant. Diese Dynamik lasse sich auch nicht mehr stoppen. Offen blieb im Vortrag allerdings, welche Optionen die Offizin-Apotheker haben, sich in diesem Umfeld zu positionieren.

 

Die Möglichkeiten für Apothekeninhaber, sich neben der stationären Präsen­z auch online zu engagieren, waren wiederum Gegenstand eines Vortrags von Fabian Kaske, Geschäftsführer der Health-Care-Marketingagentur Dr. Kaske. »Brick and click«: So nennen Insider ein Modell des modernen Warenhandels. »Brick«, das englische Wort für Ziegelstein, steht für ein stationäres Geschäft, und »click« für den Online-Einkauf per Maus-Klick. Dies sei auch für Apotheken ein Zukunftsmodell, sagte Kaske auf dem BVDAK-Gipfel. Eine ultraschnelle Lieferung von Arzneimitteln, wie sie Amazon Prime Now in Kooperation mit einer Münchner Bienen-Apotheke als besondere Leistung anbietet, könne jede stationäre Apotheke leisten. Kaske empfahl den Apothekern zu kooperieren, um das System logistisch auf die Beine zu stellen.

 

Experten rechnen derzeit mit etwa 51 Millionen Online-Shoppern in Deutschland. 85 Prozent davon kaufen beim Branchen-Primus Amazon ein. 17 Millionen nutzen dessen Prime-Angebot. Dabei gäben sie richtig viel Geld aus, so Kaske. Während Käufer in Shop-Apotheken pro Jahr durchschnittlich 105 Euro umsetzten, seien es bei Amazon 504 und bei Prime schon 1231 Euro. Die günstigsten Preise für Medikamente biete meist Doc Morris, während Prime wesentlich höher liege. Da der Kunde die schnelle Lieferung nach Hause aber als echten Mehrwert erlebe, sei ihm der Preis nicht mehr so wichtig.

 

Versandapotheken sollten sehr umfangreiche Informationen sowie ein Bewertungssystem zu ihren Produkten anbieten, empfahl Kaske. Bei Amazon finde der Kunde Antworten auf jede mögliche Frage, die er stellen könnte. Dies müsse auch die Versandapotheke bieten, um ihre Kunden zu halten. Als Trend stellte der Referent sprachgesteuerte Systeme vor, die die Bestellungen immer einfacher machen: Einkaufen im »Zero-click-System«. /

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