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Rx-Boni

Statt Verbot fordert vdek Preisnachlässe

15.02.2017
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Von Jennifer Evans, Berlin / Der Verband der Ersatzkassen (vdek) fordert eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Kassenbeiträge, wehrt sich gegen das Rx-Versandhandelsverbot sowie gegen das im sogenannten Arzneimittel-Versorgungsstärkungs- gesetz (AM-VSG) geplante Ende von Zytostatika-Ausschreibungen. Das machte der Verband bei einem Pressetermin vergangene Woche in Berlin deutlich.

Der vdek-Vorsitzende Uwe Klemens geht von einer erheblichen Kostensteigerung für Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aus. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag werde bis 2020 auf 1,8 Prozent ansteigen, derzeit liegt er bei 1,1 Prozent. Daher fordert Klemens kurzfristige Schritte, um die Beiträge zu stabilisieren. Dazu gehört etwa, das Finanzpolster des Gesundheitsfonds von derzeit mehr als 7 Millionen Euro einmalig um 1,5 Milliarden Euro abzuschmelzen.

Zudem sieht der Verband dringenden Handlungsbedarf beim Thema »moderne und bezahlbare Arzneimitteltherapie«, so die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner. An den Themen Hochpreiser, Rx-Versandhandelsverbot sowie dem Verbot von Exklusivverträgen für Zytostatika zeige sich »eine Politik zugunsten der Pharmaindustrie und der Apothekerschaft – und zulasten der Patienten und der Versichertengemeinschaft«, kritisierte sie.

 

Elsner zufolge geht ein Verbot des Rx-Versandhandels in Deutschland an der Versorgungsrealität vorbei, weil es »Versicherten eine Versorgungsalternative versperrt«. Eine Inländerdiskriminierung liegt ihrer Ansicht nach lediglich bei den deutschen Versandapotheken vor, nicht aber bei den Präsenz­apotheken. Der Europäische Gerichtshof hatte am 19. Oktober 2016 für ausländische Versandapotheken die Preisbindung bei Rx-Medikamenten gekippt. Um die nationale Arzneimittelversorgung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln nicht einem Preiswettbewerb auszuliefern und die etablierte Versorgungsstruktur zu erhalten, hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) einen Gesetzentwurf für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten vorgelegt.

 

Statt eines Verbots plädiert der vdek dafür, dass den Kassen künftig Preisnachlässe der Versender direkt zugutekommen. Dieses Geld soll dann dazu beitragen, die Zuzahlungen für Patienten zu reduzieren. Wie bislang sollen alle Apotheken (ausländische Versandapotheken inklusive) 16 Cent Notdienstpausale je Rx-Arzneimittelpackung in den Notdienstfonds einzahlen, um damit die wohnortnahe Akutversorgung zu unterstützen.

 

Die ABDA sieht das anders

 

Die ABDA hält nichts von dem vdek-Vorschlag. »Er räumt Patienten keinerlei Anspruch auf Entlastung ein und zielt nur auf weitere Einsparungen der Kassen ab, während die wohnortnahe Arzneimittelversorgung für Patienten zwischen Usedom und Bodensee entscheidend geschwächt wird«, erklärte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. »Gerade chronisch kranke Patienten brauchen die Apotheke vor Ort und deren Botendienst.« Auch beim Thema Zytostatika-Ausschreibungen positionierten sich die Ersatzkassen als »Sparkassen« zulasten ihrer Versicherten und deren Versorgungssicherheit, betonte Schmidt.

 

Der vdek hat darüber hinaus das im AM-VSG geplante Verbot von Exklusivverträgen zwischen Kassen und einzelnen Apothekern über Zytostatika-Zubereitungen kritisiert. Damit werde eine Chance vertan, Versicherten eine qualitativ bessere Versorgung zu gewähren und zugleich mehr Transparenz in einen undurchsichtigen Markt zu bringen. Außerdem entfielen Reserven in Höhe von 600 bis 700 Millionen Euro jährlich, die sich aus diesen Ausschreibungen ergeben. Laut vdek kritisieren die Apotheker zu Unrecht, dass als Folge die freie Apothekenwahl für die Patienten verloren ginge. Ein solches Patientenwahlrecht habe es in diesem Segment nie gegeben, erklärte Elsner. /

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