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Osteoporose

Überflüssiges Übel

15.02.2011
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Schätzungsweise acht Millionen Menschen in Deutschland haben Osteoporose. Das sind eigentlich acht Millionen zu viel. Niemand muss heute noch Osteoporose bekommen. Ein Osteoporose-Experte erklärte beim Pharmacon, wie er zu dieser Aussage kommt und was zu tun ist, wenn doch eine Therapie notwendig wird.

»In erster Linie gilt es, Frakturen zu vermeiden«, sagte Professor Dr. Reiner Bartl vom Osteoporose-Zentrum München. Bei Frauen steige das Risiko dafür ab dem 50. Lebensjahr massiv an, bei Männern ab dem 60. Lebensjahr. Am häufigsten träten Wirbelkörperfrakturen, Unterarmbrüche und Oberschenkelhalsfrakturen auf. Letztere bezeichnete Bartl als »Desaster für einen alten Menschen«, da sie in vielen Fällen zu Pflegebedürftigkeit führen.

Prinzipiell kann jeder Mensch an Osteo­porose erkranken. Neben nicht beein­fluss­baren Risikofaktoren wie Vererbung, Rasse und Alter nannte Bartl eine Reihe von gut beeinflussbaren Faktoren, etwa Rauchen, Bewegungsmangel, niedriges Körpergewicht und Fehlernährung. Die Grundlagen für gute Knochen werden in jungen Jahren gelegt. Vor allem viel Bewegung in der Kindheit sorge dafür, dass die maximale Knochendichte mit 30 Jahren so hoch ist, dass im weiteren Verlauf des Lebens ein Unterschreiten der Frakturschwelle sehr unwahrschein­lich wird.

 

»Osteoporose-Prävention ist aber eine lebenslange Aufgabe«, betonte Bartl. Heutzutage könne jede Osteoporose vermieden werden. Dazu sei auch eine frühe Diagnose wichtig. Dafür empfahl er einzig und allein die DXA-Messung und nicht die Ultraschall-Methode. Bei der DXA-Messung (dual energy X-ray absorptiometry, Doppelröntgen­absorptiometrie) wird die Schwächung eines äußerst schwachen Röntgenstrahls ausgenutzt, um die Knochendichte zu berechnen. Die Apotheker sieht Bartl als wichtige Partner des Patienten. Er nannte einige Beispiele für Ratschläge und Hinweise an die Patienten zum Thema Osteoporose (siehe Kasten unten).

 

In der Therapie der Osteoporose spielen Bartl zufolge neben Ernährung, Bewegung und Medikamenten auch psychische Aspekte eine Rolle (Mut fassen, Fröhlichkeit und Lockerheit gewinnen). Bei den Arzneistoffen unterschied Bartl zwei Klassen: antiresorptive Substanzen wie Bisphosphonate, Denosumab oder Raloxifen und osteoanabole Substanzen wie Strontium, Fluoride und Parathormon. Bei dem relativ neuen Denosumab wartet Bartl noch auf Langzeiterfahrungen. Immerhin wirke dieser Antikörper nicht nur am Knochen, sondern auch an anderen Organen. Während die Zeit von Denosumab womöglich noch kommen wird, ist die Zeit der selektiven Estrogenrezeptor-Modulatoren (SERM) für den Mediziner vorbei. Sie hätten nicht die gewünschte Wirkung gebracht.

»Niemand muss heute noch Osteoporose bekommen.«

Als Standardtherapeutika nannte Bartl die Bisphosphonate. Sie sollten als Jahres­infusion oder Vierteljahresspritze zum Einsatz kommen. Bartl nannte drei Vorteile einer intravenösen Gabe von Ibandronat und Zoledronat: 100-prozentige Bioverfügbarkeit, hohe Knochenaffinität und höchste Potenz. Zudem müsse man sich bei einer intravenösen Gabe über Therapietreue keine Gedanken machen. Von der oralen Einnahme von Bisphosphonaten hält der Referent wegen der schlechten Resorption, unerwünschter Nebenwirkungen in Magen und Speiseröhre sowie geringer Compliance dagegen nichts. Bereits nach einem halben Jahr nimmt ein Großteil der Patienten ein verordnetes Bisphosphonat nicht mehr ein. Bartl sprach von einer »Verschwendung von Geldern«.

 

Calcium und Vitamin D als Ergänzung der Therapie sind dagegen keine Perlen vor die Säue. 1000 mg Calcium und 1000 Internationale Einheiten Vitamin D pro Tag hält Bartl für eine unverzichtbare Begleit­therapie zu antiresorptiv oder osteoanabol wirkenden Medikamenten. Ab einem Alter von 50 Jahren sei es sinnvoll, jedem Vitamin D zu empfehlen. Der Calciumbedarf könne dagegen auch über die Nahrung gedeckt werden.

Osteoporose-Beratungstipps

Das können Apotheker tun:

über die Risikofaktoren der Osteoporose aufklären

auf die DXA-Messung als Standardmethode zur Diagnostik hinweisen

die Rolle von Calcium und Vitamin D erläutern

über effektive Medikamente informieren

auf wichtige Nebenwirkungen hinweisen

konsequente Einnahme von Medikamenten anmahnen

bei Patientenveranstaltungen und in den Medien mitwirken

 

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