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Anzag

Gewinn, aber keine Dividende

15.02.2011  18:17 Uhr

Von Maria Pues, Frankfurt am Main / Die Andrea-Noris-Zahn AG (Anzag) schüttet trotz positiver Geschäftsentwicklung keine Dividende aus und folgt der Empfehlung des Vorstands des Pharmagroßhändlers auf seiner Jahreshauptversammlung, die am Dienstag stattfand.

Wer mit Turbulenzen gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Zwar kritisierten die Aktionärsvertreter erwartungsgemäß den Vorschlag des Anzag-Vorstandes, für das vergangene Geschäftsjahr trotz positiver Entwicklung keine Dividenden auszuschütten. Doch es geschah in ruhigem, sachlichem Ton und unter Anerkennung der Vorstandsarbeit.

Rund die Hälfte des Jahresüberschusses von 20,7 Millionen Euro geht in Rückstellungen. Ziel sei es, die Finanzkraft der Anzag zu stärken, betonte Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas Trümper mehrfach. Welche Belastungen durch das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) noch zu erwarten sind, sei kaum abzuschätzen, lautete eine Begründung. Für das kommende Geschäftjahr erwartet er eine Verschlechterung der Ertragssituation in Deutschland, die durch die verschiedenen Aktivitäten der Anzag im Ausland nicht vollständig kompensiert werden könne.

 

Sparbeitrag übersteigt Ertrag

 

Das AMNOG verlange den Großhandlungen einen Sparbeitrag von 200 Millionen Euro ab. Der liege höher als deren Ertrag, erklärte Trümper. Dieser beläuft sich nach seinen Angaben auf 172 Millionen Euro. Die Großhandlungen könnten die Belastungen daher nicht allein tragen, sagte er, und im Hinblick auf die öffentliche Diskussion darüber: Die Vertretung der Apotheker »ist gut beraten, deutlich leisere Töne anzuschlagen«. Schließlich erzielten die Apotheken durch die Steigerung des Kassenabschlags von zuletzt 1,75 Euro auf 2,05 Euro, der nach seinen Worten allerdings eine Senkung von anfänglich 2,30 Euro darstellt, einen zusätzlichen Gewinn von rund 150 Millionen Euro. Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände habe sich von ihrer Basis entfernt, wenn sie von der Politik fordert, in die freie Preisgestaltung zwischen Apotheken und Großhandel einzugreifen, kritisierte Trümper. Im Gegensatz zur ihrer Standesvertretung wüssten die Apotheken sehr wohl, welche Leistungen der pharmazeutische Großhandel für sie erbringe.

 

Trümper gegen Apothekenketten

 

Wie sich die Zukunft mit dem neuen Hauptaktionär Alliance Boots gestalten wird, vermochte der Anzag-Vorstandsvorsitzende nicht zu prognostizieren. Schließlich dauere die Geschäftsbeziehung gerade einmal drei Monate. Konkrete Pläne gebe es derzeit nicht. Trümper sprach sich ausdrücklich gegen Apothekenketten in Deutschland aus. Anders im Ausland: Dort gebe es andere Strukturen, die dortige Beteiligungen an Apothekenketten nicht von vornherein ausschlössen. Für Deutschland setzt er auf den Ausbau von Serviceleistungen für die Apotheken, zum Beispiel durch die Unterstützung bei einer optimierten und damit Kosten sparenden Lagerhaltung.  /

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