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Lungenkrebs

»Wir haben viel erreicht«

08.04.2008
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Pharmacon Davos 2008

Lungenkrebs: »Wir haben viel erreicht«

 

Bronchialkarzinome zählen zu den häufigsten und aggressivsten Tumoren. An einer Chemotherapie führt meist kein Weg vorbei. Die Überlebensraten haben sich in den vergangenen Jahren zum Teil stark verbessert.

 

»Lungenkarzinome sind eine der weltweit häufigsten malignen Erkrankungen mit 1,35 Millionen Neuerkrankungen und etwa 1,2 Millionen Todesfällen pro Jahr«, sagte Professor Dr. Georg Maschmeyer, Potsdam. 40.000 Todesfälle gebe es jährlich allein in Deutschland. Bei den Lungenkarzinomen steht das Rauchen von Zigaretten mit einer Steigerung des Entstehungspotenzials um den Faktor 15 weit an der Spitze der Risikofaktoren. Das Lungenkrebsrisiko erhöht sich durch Zigarren und Zigarillos um das Neun-, durch Pfeiferauchen um das Acht-, durch Passivrauchen um das circa Zweifache.

 

In circa 80 Prozent der Fälle handelt es sich um nicht kleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC); bei etwa 20 Prozent um kleinzellige Lungenkarzinome (SCLC). Dabei unterscheiden sich die Metastasierungsmuster beider Karzinome deutlich. Zuerst treten Infektsymptome, Schmerzen im Brustkorb, Husten, Atemnot, Heiserkeit, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust auf. Diese relativ unspezifischen Krankheitszeichen sind Grund für die meist zu späte Diagnose. Das kleinzellige Lungenkarzinom ist extrem invasiv, bildet sehr früh Metastasen und ist meist inoperabel. Dagegen wächst das nicht kleinzellige Lungenkarzinom langsamer und metastasiert später.

 

Bei SCLC erfolgt primär eine Chemotherapie, die gegebenenfalls mit einer Bestrahlung des Schädels kombiniert wird. »Es ist mit einer medianen Lebenserwartung von 16 Monaten zu rechnen«, sagte der Onkologe. Nur in sehr seltenen Fällen lässt sich bei Patienten mit SCLC durch frühzeitige individuelle Therapie ein Langzeitüberleben erreichen. Während das SCLC primär sensibel auf Chemo- und Radiotherapie reagiert und eine Lungenoperation in kurativer Absicht primär nur in seltensten Fällen erfolgt, richtet sich die Therapie des NSCLC nach dem Krankheitsstadium. In den Stadien I bis IIb und IIIa, die etwa 30 Prozent aller NSCLC-Fälle darstellen, kann primär operiert werden. In den Tumorstadien II bis IIIa wird anschließend eine adjuvante Chemotherapie angestrebt. Die Fünfjahres-Überlebensraten liegen in diesen frühen Stadien bei 40 bis 80 Prozent. Werden zu Beginn Lymphknotenmetastasen im mittlerem Gebiet des Brustraums, dem Mediastinum, nachgewiesen, kann eine Chemotherapie vor der Operation die langfristige Ansprechrate verbessern. Auch eine primäre kombinierte Radio-Chemotherapie wird hier empfohlen. Diese wird ebenso eingesetzt bei einer Infiltration des Mediastinums oder bei Tumoren in der Lungenspitze (Pancoast-Tumoren).

 

Im Fall von Fernmetastasen, also Stadium IV, ist lediglich eine palliative Chemotherapie mit einer medianen Lebenserwartung von knapp zwölf Monaten möglich. Trotzdem: »Wir haben viel erreicht«, so Maschmeyer, der auf die Möglichkeit des Wechsels auf eine Zweit-, gegebenenfalls auch Drittlinientherapie verwies. Durch sequenzielle Chemotherapie, bei der monoklonale Antikörper zur Angiogenesehemmung wie Bevacizumab und Wirkstoffe zur Hemmung definierter Rezeptorstrukturen oder Signaltransduktionswege wie Erlotinib zum Einsatz kommen, ist die Überlebenserwartung von Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC in den vergangenen 10 bis 15 Jahren verdoppelt worden.

 

Auch wenn die Reduktion des Nicotinkonsums in westlichen Industrieländern langfristig zum Rückgang des Lungenkarzinoms führt, so wird die Bedeutung dieses Karzinoms als Todesursache weltweit deutlich zunehmen. Allein in China gibt es derzeit 350 Millionen Raucher. Die Tendenz ist steigend. Zudem breitet sich der Nikotinkonsum in vielen Ländern auch unter den Frauen immer weiter aus.

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