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Mehr Transparenz bei Sonnenschutz

13.02.2007
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Pharmacon Davos 2007

Mehr Transparenz bei Sonnenschutz

 

Der Lichtschutzfaktor eines Sonnenschutzmittels bezieht sich nur auf den Schutz vor UV-B-Strahlen. Wie zuverlässig es vor den ebenfalls gefährlichen UV-A-Strahlen schützt, ist oft nicht erkennbar. Die neuen EU-Empfehlungen schaffen hier Klarheit, eine kompetente Beratung ersetzen sie jedoch nicht.

 

Manche haben ihn nach einer halben Stunde, hellhäutige Menschen bereits nach zehn Minuten: den Sonnenbrand. Verursacht wird er durch die UV-B-Strahlung des Sonnenlichts, die in die Oberhaut eindringen und dort zu Verbrennungen führt. UV-B-Strahlen sind zudem wesentlich für die Entstehung von Hautkrebs verantwortlich. Auch die langwellige UV-A-Strahlung scheint hier eine Rolle zu spielen. In erster Linie ist sie jedoch Ursache für vorzeitige Hautalterung, Faltenbildung und Erschlaffung des Hautbindegewebes (Photo-aging).

 

»Eine wirksame Prävention ist nur möglich, wenn Sonnenschutzprodukte sowohl gegen UV-B- als UV-A-Strahlung schützen«, sagte Professor Dr. Rolf Daniels, Tübingen. Doch vor allem für die Höhe des UV-A-Schutzes gibt es bislang weder einheitliche Bestimmungsmethoden noch Deklarationen. Um bei der Kennzeichnung der einzelnen Produkte mehr Transparenz zu schaffen, hat die EU-Kommission Ende vergangenen Jahres Empfehlungen erlassen. So dürfen zum Beispiel bestimmte Herstellerangaben wie »100-prozentiger Schutz, Schutz den ganzen Tag (all day long), sunblocker« nicht mehr verwendet werden. Zudem müssen die Produkte Warnhinweise wie »trotz Anwendung nicht zu lange in der Sonne aufhalten« oder »bei Verwendung einer zu geringen Menge kann Schutz erheblich gesenkt werden« tragen. Auch Anwendungshinweise müssen genannt werden. So zum Beispiel, dass das Produkt vor dem Sonnenbad und mehrmals am Tag aufgetragen werden muss.

 

Zudem fordert die EU standardisierte Messmethoden zur Bestimmung des Schutzfaktors. Der UV-B-Schutz wird weltweit einheitlich als Lichtschutzfaktor (LSF) angegeben. Seine Bestimmung ist in vielen nationalen Normen festgelegt, wobei die Verfahren nur geringfügig voneinander abweichen, sodass die Werte miteinander vergleichbar sind. In Europa werden die Werte in vivo gemäß der »International Sun Protection Factor Test Method« bestimmt, wobei die EU hier für die Zukunft eine validierte In-vitro-Methode fordert. Zur Verbesserung der Vergleichbarkeit sollen sich zukünftig Angaben auf bestimmte LSF und Kategorien beschränken: niedriges (LSF 6, LSF 10), mittleres (LSF 15, 20, 25), hohes (LSF 30, 50) und sehr hohes Schutzniveau (LSF 50+). Laut Daniels macht eine Differenzierung oberhalb von  50+ keinen Sinn, da hier bereits 98 Prozent der UV-B-Strahlen absorbiert werden. Allerdings wird das dem LSF entsprechende Schutzniveau nur erreicht, wenn eine entsprechende Menge aufgetragen wird. Diese wird mit 2 mg/cm2 angeben. Dies bedeute jedoch, dass eine vierköpfige Familie pro Tag eine Flasche Sonnenschutzmittel benötigen würde, so der Galeniker. Realistisch und ausreichend schützend ist laut Daniels 1 mg/cm2.

 

Bei der Angabe des UV-A-Schutzes hat sich der Australische Standard durchgesetzt. Dessen Anforderungen sind erfüllt, sobald ein Sonnenschutzmittel die Transmission im Bereich von 320 bis 360 nm um mindestens 90 Prozent reduziert. Oberhalb von 90 Prozent Absorption ist keine weitere Differenzierung vorgesehen. Dies führt dazu, dass bei Einhaltung des Australischen Standards bei Produkten mit niedrigem LSF noch ein adäquater UV-A-Schutz besteht, mit steigendem LSF, der ja nur den Schutz vor UV-B beschreibt, allerdings der UV-A-Schutz auf gleich bleibendem Niveau stagnieren kann, ohne die Norm zu verletzen. Der UV-A-Schutz wächst also nicht zwangsläufig mit dem UV-B-Schutz. Um dieses Defizit zu beheben, sieht die EU-Empfehlung vor, dass der gemessene UV-A-Schutzfaktor mindestens ein Drittel des LSF betragen soll. Dabei soll der UV-A-Faktor mittels der In-vitro-Methode »Persistent Pigment Darkening (PPD) Method« bestimmt werden. Auch hier wird von der EU langfristig angestrebt, eine validierte In-vivo-Methode zu verwenden.

 

Bisher seien nur wenige Daten hinsichtlich des UV-B- und UV-A-Schutzniveaus gemäß der neuen EU-Empfehlung verfügbar, so Daniels. Reihenuntersuchungen in seiner Arbeitsgruppe hätten eine überraschend große Spannweite in der UV-A-Schutzleistung ergeben. Ausschließlich Produkte der forschungsaktiven Anbieter erfüllten den von vielen Seiten geforderten gleichmäßigen UV-A- und UV-B-Schutz. Discounterprodukte wiesen hier zum Teil drastische Defizite auf. Vor allem bei Kinderprodukten sei diese Situation fatal gewesen.

 

Der Trend der Verbraucher gehe zu Produkten mit hohem und sehr hohem Lichtschutzfaktor. Insofern wachse der Bedarf an hoch wirksamen Sonnenschutzmitteln. Mittlere und hohe Schutzleistungen können durch den kombinierten Einsatz von organischen, öl- oder wasserlöslichen (»chemischen«) und anorganischen, unlöslichen (»physikalischen«) UV-Filtern erreicht werden. Ein innovativer Forschungsansatz seien hier sogenannte Pickering-Emulsionen, bei denen Nanopigmente (Titandioxid, Zinkoxid) gleichzeitig dem physikalischen Lichtschutz und der Emulsionsstabilisierung dienen. Weitere moderne Konzepte sind Schaum- oder Spraypräparate, von denen man sich eine bessere Compliance erhofft.

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