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Interview

Die Schlacht ist geschlagen

12.02.2007
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Interview

Die Schlacht ist geschlagen

Von Thomas Bellartz, Stuttgart

 

Der Börsenkurs entwickelt sich rasant, Umsatz und Erträge legen Jahr für Jahr zu, der Konzern ist Europas größter Pharmagroß- und -einzelhändler: Celesio spielt im deutschen wie europaäischen Gesundheitsmarkt zweifelsohne eine bedeutende Rolle. Im Interview mit der PZ beschreibtVorstandschef Dr. Fritz Oesterle, wie er die Zukunft des Marktes sieht.

 

PZ: Der Börsenkurs von Celesio klettert unaufhaltsam. Wie erklären Sie diese Dynamik?

Oesterle: Unseren eigenen Kurs kommentieren wir als Vorstand nicht. Wir sind mit der Entwicklung unseres Kurses zufrieden. Das ist schwäbisch bescheidene Kommentierung.

 

PZ: Was macht denn die Celesio so attraktiv?

Oesterle: Ich glaube, dass diese positive Entwicklung auch ein Markteffekt ist. Der M-DAX entwickelte sich sehr gut. Davon profitiert auch eine Aktie wie die von Celesio. Zudem können Anleger bei Celesio auf verlässlichen Zuwachs bauen. Und unsere Akquisitions- und Expansionspolitik hat ein großes Maß an Zustimmung in der Anlegerschaft. Wir agieren konservativ, aber mit verlässlicher Ergebnissteigerung. Schwieriger ist das machmal allerdings mit der Wahrnehmung in unserem Heimatmarkt Deutschland. Aufgrund der nicht endenden öffentlichen Diskussion um Veränderungen des deutschen Gesundheitssystems erscheint manchem unser Marktumfeld als problematisch. Abgesehen davon, dass nicht alles so negativ ist, wie es auf den ersten Blick erscheint, darf man nicht vergessen, dass Deutschland für weniger als 20 Prozent unseres Konzernumsatzes steht.

 

PZ: Nicht nur in Deutschland erscheint die Marktsituation schwierig. In vielen anderen Ländern Europas gibt es ebenfalls gesundheitspolitische Eingriffe in die Märkte. Celesio hat sich zuletzt bei Zukäufen zurückgehalten. Warum?

Oesterle: Wir haben uns zurückgehalten - aber nur mit Ankündigungen. Das hat sich in der Vergangenheit bewährt. Wir diskutieren unsere Akquisitionspolitik nicht in der Öffentlichkeit

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PZ: Angesichts sich stark verändernder Märkte dürfte niemand überrascht sein, wenn Sie die Gelegenheiten nutzen.

Oesterle: Grundsätzlich gilt: Das Marktumfeld ist quer durch Europa ein spannendes und teilweise schwieriges. Solche Situationen begreifen wir allerdings auch immer als Chance. Sie bieten die Möglichkeit, ungeplante Entwicklungsschritte gehen zu können. Das ist dann das Spannende an unserem Markt.

 

PZ: Manche gesundheitspolitische Veränderungen mindern doch auch Ihr Geschäft.

Oesterle: Da wo Schatten ist, ist eben auch Licht. Mittel- bis langfristig war Celesio immer in der Lage, aus belastenden Umständen heraus, ihr Geschäft besonders gut zu entwickeln.

 

PZ: Welcher ist der aus Ihrer Sicht zurzeit interessanteste beziehungsweise spannendste Markt?

Oesterle: Großbritannien, wenn wir die Distributionsebene anschauen. Deutschland und Schweden; wenn man berücksichtigt, was sich dort möglicherweise im Apothekenbereich abspielen kann. Das beschäftigt uns sehr. Und natürlich denken wir über tradierte Distributionsmodelle ganz grundsätzlich nach und fragen uns, was in welcher Situation das Richtige und das weniger Richtige ist. Wie wollen wir uns politisch aufstellen, um für die Patienten, unsere Apothekenkunden und unser Unternehmen zum bestmöglichen Ergebnis zu kommen?

 

PZ: Die Celesio und Gehe stehen im Generalverdacht, wenn es um die Kette geht.

Oesterle: Wir reden, weder auf Apotheken- noch auf Großhandelsebene, keinen Distributionslösungen das Wort, die nur auf einen kurzfristigen positiven Ergebniseffekt aus sind. Wir sind in unserer Unternehmenspolitik sehr langfristig aufgestellt. Da können wir nur mit einer Politik Erfolg haben, die am Öffentlichkeitswohl orientiert ist. Solange uns die Öffentlichkeit so wahr nimmt, werden wir auch langfristig gebraucht. Stellten wir uns so auf, dass es dem Patienten reichen sollte, erst übermorgen sein Medikament zu bekommen, dann schafften wir uns langfristig selbst ab.

 

PZ: Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz?

Oesterle: Es wird immer noch viel darüber gesprochen. Weder Wohlfahrtsstaatler, Sozialromatiker, Marktwirtschaftler noch Neoliberale werden damit zufrieden sein. Zufrieden können nur die wenigen Anbieter von Mutter-Kind-Kuren sein. Wenn wir mal die Hospize weglassen. Niemand sonst macht an das Gesetz einen zustimmenden Haken. Die Kassenbeiträge gehen weiter hoch, trotz einer anderslautenden Ansage. Das kann also nur ein Gesetz sein, das den Markt destabilisiert.

 

PZ: Das hört sich in der Regierung anders an.

Oesterle: Offiziell sicher, aber auch unsere Gesundheitspolitiker geben im kleinen Kreis zu, dass mit diesem Gesetz kein stabiles Umfeld zu erreichen ist. Dahinter mag durchaus auch politisches Kalkül stehen. Denn mittelfristig macht ein solch labiles System Deutschland vielleicht für die wirklich große Lösung, für eine echte Reform reif.

 

PZ: Welches andere europäische System ist Ihnen sympathischer, welches System wäre beispielhaft für eine Erneuerung des deutschen Systems?

Oesterle: Das kann man nur holzschnittartig beantworten. Um ehrlich zu sein: Das schweizerische Modell hat etwas. Auch die Veränderungen des holländischen Systems weisen in eine richtige Richtung, nämlich mehr Selbstverantwortung für die Marktbeteiligten. Und so weit ich es mitbekomme, scheinen die Holländer damit zufrieden zu sein.

 

PZ: Noch einmal aus Sicht des Pharmagroßhändlers. Das GKV-WSG sieht für den Apothekenbereich anders aus als geplant, Stichwort Höchstpreisverordnung. Wie bewerten Sie die Entwicklung zur aktuellen Regelung?

Oesterle: Für die deutschen Apotheken und den Großhandel war es wichtig, dass die Höchstpreise wieder zu Festpreisen geworden sind. Höchstpreise hätten das deutsche Apothekenwesen nachhaltig beschädigt, wären schlimmer gewesen als jede Kette, als jedes Franchisekonzept. Das hätte die Ertragssituation der deutschen Apotheken dramatisch und irreversibel verschlechtert. Eine Freigabe der OTC-Arzneimittel für den Vertrieb außerhalb der Apotheken wäre vergleichsweise katastrophal.

 

PZ: Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung rund um DocMorris?

Oesterle: DocMorris begleitet mich seit meiner ersten Hauptversammlung im Jahr 1999, und inzwischen durchaus auch ein wenig emotional. Ich störe mich nämlich zunehmend an der Positionierung der Apothekerorganisationen. Ich sehe insoweit eine Parallelität der Entwicklung zu der bei den Parallelimporten in den späten 80er Jahren.

Nach dem Urteil des EuGH bezüglich der griechischen Optiker haben wir hier im Haus die aktuelle Entwicklung im Saarland als eine Möglichkeit gesehen und befürchtet. Wenn ich die Entscheidung des EuGH betrachte, dann gab es seit fast zwei Jahren eine sehr konkrete Gefährdung, dass diese Entwicklung, wie jetzt geschehen, auf den Apothekenbereich übersetzt wird, in Deutschland und anderswo.

 

PZ: Was befürchten Sie?

Oesterle: Eine nicht parlamentarisch getragene, also eine nicht gesetzlich geregelte Liberalisierung des Apothekenmarktes. Gerichte sollten das nicht letztendlich zu entscheiden haben. Deswegen haben wir seit der Optiker-Entscheidung mit Politikern gesprochen und erklärt, dass eine Liberalisierung des deutschen Apothekermarktes nicht den Gerichten überlassen werden darf, sondern parlamentarisch entschieden werden muss. Dafür haben wir ein White-Paper verfasst, in dem wir festgehalten haben warum, sofern EU- rechtlich geboten, der deutsche Apothekenmarkt nur in einer gesetzlich regulierten Weise dereguliert werden darf. Auch wenn das auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein scheint.

 

PZ: Wie waren die Reaktionen?

Oesterle: Wir sind bei Politikern aller Coleur auf viel Verständnis gestoßen, auch bei Ulla Schmidt, aber immer mit dem Hinweis, für eine solche Initiative sei nicht die richtige Zeit, solange aus der Apothekerschaft keine entsprechenden Signale kommen. Man verstehe das Anliegen, aber das gesetzgeberische Reformvorhaben belaste die Politik und die Beteiligten genug, deshalb wolle man keine neue Front aufmachen; insbesondere wenn dazu aus der Apothekerschaft keine Initiative komme.

Wir als Gehe beziehungsweise Celesio konnten die Apothekerorganisationen nicht dafür gewinnen, mit uns darüber zu reden, wie man der heute eingetretenen und von uns befürchteten Entwicklung pro-aktiv hätte begegnen können.

 

PZ: Der Ärger scheint tief zu sitzen.

Oesterle: Ja, in der Tat, ich halte das für ärgerlich, weil es zulasten der inhabergeführten Apotheken und damit zulasten unserer Gehe-Kunden geht. Die Organisationen wollen ebenso wenig wie rechthaberische Rechtsanwälte zur Kenntnis nehmen, dass wegen der EuGH-Entscheidung zu den griechischen Optikern, die Gefährdung bestand, dass ein deutsches Gericht den Weg geht, den die saarländischen Gerichte jetzt gegangen sind. Wir waren insoweit der einsame Rufer in der Wüste. Wir wollten die drohende Veränderung nicht, weil wir glauben, dass das dem gesamten deutschen Apothekenmarkt nicht guttut. Heute ist nun die Sprachlosigkeit der Verbandsorganisationen groß und unüberhörbar - das betrifft ja auch die PZ. Der Hinweis, das OVG Saarbrücken habe doch gar nicht in der Hauptsache entschieden, ist so richtig wie unnütz. Was wir als Nächstes, schon in Kürze, hören werden, ist die Ankündigung der Drogeriekette X, Y und Z, Apotheken in ihren Läden aufmachen zu wollen. Die werden, gestützt auf die Entscheidung des OVG Saarbrücken, irgendwo in der Republik die nächsten Betriebserlaubnisse beantragen.

 

PZ: Haben Sie das White-Paper denn auch mit den Gehe-Apothekern besprochen?

Oesterle: Natürlich. Da hatten wir eine durchweg positive Resonanz.

 

PZ: Wie geht es aus Ihrer Sicht weiter mit dem Thema?

Oesterle: Die Schlacht ist aus meiner Sicht geschlagen. Eine gesetzlich regulierte Deregulierung wird es nicht geben. Denn dazu müsste die Politik bereits in den nächsten Wochen reagieren. Aber das wird nicht geschehen. Die Politik ist zu sehr mit ihrer sogenannten Gesundheitsreform beschäftigt.

 

PZ: Da gab es einen Antrag der Grünen, der ist im Bundestag ...

Oesterle: ... mit Hohn und Spott versehen worden. Obwohl diese, aus der juristischen Ecke kommende Gefahr bei jedem in der Branche im Gehirn hätte eingebrannt sein müssen. Das war und ist eins zu eins dasselbe Spiel wie seinerzeit beim Versandhandel mit Arzneimitteln.

 

PZ: Nun rettet man sich darin, indem man betont, der Versandhandel spiele keine Rolle. Wie trügerisch ist die Hoffnung, eine Liberalisierung per Gericht würde ähnlich moderat abgehen?

Oesterle: Es wird eine Menge passieren. Ob innerhalb der nächsten vier Wochen oder vier Monate, sei dahingestellt.

 

PZ: Vier Wochen, vier Monate - aber nicht mehr innerhalb der nächsten vier Jahre?

Oesterle: In Jahren brauchen wir nicht mehr zu denken. Ich glaube, dass wir Ende dieses Jahres die Apotheken- und Distributionslandschaft unter anderen Vorzeichen anschauen werden als in der Vergangenheit und heute. Celesio wird sich mit der jetzigen Situation, die wir nicht gewollt haben, auseinandersetzen und zwar - das sage ich jetzt sehr bewusst - im Sinne zukunftsorientierter Apotheker. Für die Gehe-Kunden werden wir das Beste aus der Lage machen und nichts tun, was die wohlverstandenen Interessen unserer Apothekerinnen und Apotheker tangiert.

 

PZ: Was genau planen Sie?

Oesterle: Wohin unsere Überlegungen gehen, diskutieren wir intern, nicht öffentlich. Aber wir werden nicht mehr lange brauchen, um Präsenz zu zeigen und Richtung zu geben. Jeder wird dann wissen, was wir in der heute gegebenen Situation für richtig halten.

 

PZ: Es geht zurzeit auch um eine Markendebatte. Können die Apotheker mit dem Apotheken-A als Marke gegen diejenigen bestehen, die in den Markt drängen?

Oesterle: Das Apotheken-A hat einen Nachteil: Man kann es nicht aussprechen. Und es ist keine Filialmarke. Ich kann nicht sagen: Ich gehe in die Rote-A-Apotheke. Mit Verlaub: Das Apotheken-A ist ein Erkennungszeichen, aber es ist keine Marke, die die Apotheke differenziert gegenüber anderen, für Apotheken gebrauchten Marken. Das war in der Vergangenheit ja auch gar nicht gewollt.

 

PZ: Die Einheitlichkeit war bislang aber ein bestimmendes Credo.

Oesterle: Aus gutem Grund. Es ging ja darum, unter einer einheitlichen Flagge zu segeln. Aber das trägt nicht der veränderten Welt, der Entscheidung Hecken/OVG-Saarbrücken und den DocMorris-Entwicklungen Rechnung. Auch bei den bestehenden Kooperationsangeboten im Markt sehe ich keine starken Marken, auch nicht bei uns selbst. Da geht es um Kundenbindung und Partnerschaft. Richtig und wichtig ist also, dass es in Zukunft sehr stark um die Bildung von Marken im Markt gehen wird.

 

PZ: Was droht allen Beteiligten im Markt bei einer nicht gesetzlich definierten Liberalisierung?

Oesterle: Es gibt ein Worstcase-Szenario, das heißt Wildwest bei Apothekeneröffnungen. Viele unserer Anleger haben natürlich die Erwartung, dass Celesio sich in liberalisierenden Märkten engagiert. Aber wir haben immer gesagt, dass wir uns nur dort engagieren werden, wo es wirtschaftlich attraktiv ist. Wenn ein Markt durch Neueröffnungen so stark verwässert wird, dass wir die nächsten 100 Jahre brauchen, um in einem dann konsolidierten Apothekenmarkt wieder ein vernünftiges Ertragsniveau zu erreichen, dann werden wir beim Verwässern, wenn überhaupt, nur am Rande und in keinem Fall gegen starke Filialmarken mitmachen.

 

PZ: Das werden andere tun.

Oesterle: Dann sollen sich die Drogerieketten mit Kampfkonditionen bei Arzneimitteln gegenseitig das Wasser abgraben. Dabei muss Celesio nicht mitmachen.

 

PZ: Hätte eine ungeordnete Liberalisierung des Apothekenmarktes nicht zur Folge, dass die Zahl der Apotheken, wie es sich die Politik so sehr wünscht, sinkt?

Oesterle: Nein. Die Zahl der Apotheken geht zunächst noch einmal dramatisch hoch, steigt um 1500 oder 2000 oder noch mehr an. Der Vorsitzende eines anderen deutschen Großhandels hat erst vor ein paar Tagen gesagt, er erwarte einen Anstieg auf 30.000 Apotheken in Deutschland. Worst case heißt auch, dass Drogerieketten in einem bestimmten Teil ihres Filialnetzes aus dem Stand noch Apotheken unterbringen. Auffallend ist doch heute schon, dass sich Filialdrogerien zum Teil in völlig unattraktiven Einzelhandelslagen, aber häufig in unmittelbarer Nähe zu einer Apotheke befinden.

 

PZ: Andere wollen sich also vom Kuchen ein Stück abschneiden.

Oesterle: Genau. Da wird gehofft, irgendwann die Umsätze seines Nachbarn, der Apotheke, partiell mitzunehmen. Überschlägig kommt man so ganz schnell auf mehr als 1000 Betriebserlaubnisse für bestehende Drogerie-Standorte. Wenn dieses Potenzial genutzt wird, dann bekommen unsere nahversorgenden Präsenzapotheken eine Konkurrenz, die sie sich nicht vorgestellt haben.

 

PZ: Für Celesio dürfte es nicht einfach sein, schnell viele Apotheken zu kaufen - und gleichzeitig das Großhandelsgeschäft flächendeckend als Resonanz darauf zu verlieren?

Oesterle: Wir werden in einem solchen Szenario ­ wie gesagt ­ nicht einfach draufloskaufen. Es macht keinen Sinn, jemandem 25 Prozent seines Umsatzes als Kaufpreis zu zahlen und gleich nebenan wird eine neue Apotheke, möglicherweise eine Drogerieapotheke, eröffnet.

 

PZ: Auch ohne die politischen oder juristischen Einflüsse scheint der deutsche Großhandelsmarkt spannend.

Oesterle: Das ist er durchaus. Immer wieder geht es darum, Marktanteile auszubauen, einen heftigen Wettbewerb untereinander zu veranstalten und am Ende bleibt bei den Marktanteilen alles so wie es war. Nur eines hat sich dann verändert, nämlich das Rabattniveau. Dieses schnellt nach oben und die Profitabilität nach unten. Diesen Mechanismus kennt jeder im Markt. Nur das Kartellamt hat das noch nicht verstanden.

 

PZ: Angesichts der jüngsten Aktivitäten der Sanacorp mit der französischen CERP interessiert natürlich, was mit der Anzag wird. Dort ist die Celesio ebenfalls Anteilseigner.

Oesterle: Die Rückerwerbsoption der DZ Bank ist ausgelaufen. Die Beteiligung der Celesio an der Anzag ist also nicht mehr durch Optionen belastet. Anzag ist aus unserer Sicht ein attraktives Unternehmen mit einer starken Bilanz und relativ guter Profitabilität. Wir grämen uns deshalb nicht, dass wir diese Beteiligung haben. Eine strategische Beteiligung ist das für uns allerdings nicht. Wenn jemand kommt und uns das Doppelte anbietet, dann denken wir deshalb über ein solches Angebot noch nach. Wieso auch nicht?

 

PZ: Trotzdem ist eine Anzag-Übernahme durch einen anderen Konzern immer ein Thema.

Oesterle: Es ist eine Latrinenparole, dass wir etwas dagegen hätten, dass ein ausländischer Wettbewerber in den deutschen Markt kommt. Im Gegenteil. Wenn jemand kommt, einen hohen Kaufpreis bezahlt und diesen Kaufpreis dann verdienen muss, ist nämlich nicht zu erwarten, dass er die Profitabilität des Unternehmens mit hohen Rabatten zunichte macht. Übrigens: Bis heute hat der ausländische Wettbewerber, auf den Sie anspielen, uns noch kein Angebot für unsere Anzag-Beteiligung gemacht.

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