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Arzneimittel

Ersatzkassen warnen vor Kostenschub

04.02.2015
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Von Yuki Schubert, Berlin / 2015 will die Große Koalition eine Reihe gesundheitspolitischer Reformen anschieben. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) mahnte in der vergangenen Woche, den Arzneimittelbereich dabei nicht zu vernachlässigen.

Vdek-Chefin Ulrike Elsner verwies in Berlin auf die Absenkung des Hersteller­rabatts von 16 auf 7 Prozent im Jahr 2014. Dies habe einen erheblichen Kostenschub in Höhe von 1,1 Milliarden Euro verursacht. Zudem gebe es bedenkliche Entwicklungen bei neu auf dem Markt zugelassenen Arzneimitteln, sagte Elsner. 

 

Zwar habe sich das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz bewährt, aber am Beispiel des Hepatitis-­C-Medikaments Sovaldi® (Sofosbuvir) seien Schwächen des Verfahrens zu sehen. Sovaldi habe die Gesetzliche Krankenversicherung bis einschließlich Oktober 2014 rund 350 Millionen Euro gekostet, so der Verband.

 

Hersteller könnten mit überhöhten Preisen an den Markt gehen und nutzten so die einjährige Phase aus, in der es keine Preisbindung gebe, sagte Elsner. »So schöpfen die Hersteller enorme Renditen ab. Und Sovaldi ist leider kein Einzelfall«. Der vdek forderte den Gesetzgeber daher auf, bei den zwischen Krankenkassen und Herstellern verhandelten Erstattungspreisen nachzubessern. Diese müssten rückwirkend ab Markteintritt gelten, so der Verband.

 

Laut vdek-Prognose wird zudem der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Kassen von derzeit 0,9 Prozent auf rund 1,7 Prozent im Jahr 2018 steigen, wenn die Politik nicht einschreitet. Zum einen gehe die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben seit 2014 wieder auseinande, zum anderen ergäben sich finanzielle Belastungen aus geplanten Reformpakten. »Da der Arbeitgeberbeitragssatz eingefroren ist, gehen diese Kostenschübe voll zulasten der Versicherten«, kritisierte Christian Zahn, vdek-Verbandsvorsitzender. Daher müsse der von Versicherten und Arbeitgebern gemeinsam finanzierte allgemeine Betragssatz angepasst werden.

 

Reserven ausschütten

 

Solange aber für Arbeitgeber weiterhin nur ein Beitragssatz von 7,3 Prozent gelte, solle ein Teil der vorhanden Finanzreserven im Gesundheitsfonds an die Kassen augezahlt werden, so Zahn. Die Liquiditätsreserve im Fonds solle auf rund 35 Prozent, also etwa 6 Milliarden Euro begrenzt werden. »Der darüber hi­nausgehende Überschuss von etwa 4 Milliarden Euro sollte den Krankenkassen zur Finanzierung steigender Gesundheitsausgaben als Zuweisungen zur Verfügung gestellt werden.« /

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