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Digitalisierung

Allein der Nutzen zählt

02.05.2018  10:30 Uhr

Von Jennifer Evans, Berlin / Ist jede Technologie im Gesundheitswesen sinnvoll und hält Big Data, was es verspricht? Darüber diskutierten die Podiumsteilnehmer beim Zukunftsforum des Verbands der Ersatzkassen (vdek) vergangene Woche in Berlin.

Grundsätzlich wirbt der vdek für einen angstfreien Umgang mit der Digitalisierung. Wichtig ist dem Verband jedoch, dass nur sinnvolle Technologien in der Versorgung landen. Schließlich müsse die Solidargemeinschaft dafür zahlen, so die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner. Der CDU-Gesundheitsexpertin Karin Maag reicht das nicht: Sie will digitale Innovationen zunächst auf die Probe stellen und nur dann in die Versorgung integrieren, wenn diese durch »positive Praxis überzeugen«. 

 

Auch betonte sie, dass künftig die Zulassungskontrolle von Apps strenger werden muss, wenn diese für chronische Krankheiten zum Einsatz kommen sollen. »Eine CE-Kennzeichnung reicht nicht mehr aus. Apps müssen als Medizinprodukte zugelassen sein.«

 

Sehr positiv bewertet die Politikerin die Chancen von Big Data. Bereits existierende Gesundheitsdaten müssten künftig kanalisiert werden, um beispielsweise Krankheiten früher zu erkennen, Therapien früher einzuleiten und bessere Medikamente zu entwickeln. Vor allem mit Blick auf eine verbesserte onkologische Versorgung verspricht Maag sich viel von der Datenmasse. Professor Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), ist kritischer. Er warnt vor der »ungezielten Suche nach Zusammenhängen« in großen Datenmengen. Seiner Ansicht nach müssen die Ergebnisse von Big Data auf ihre Qualität hin überprüft werden, bevor sie als Wissen in die Welt gelangen. »Sonst ertrinken wir im ineffizienten Datenmüll.« Sorge hat er auch vor möglicher Manipulation, sollten Daten womöglich selektiv ausgewählt und ausgewertet werden. Maag stellte klar, dass die Qualität etwa großer Register allein mit jenen Menschen stehe und falle, die diese nutzen und die Informationen aufbereiteten. Für einen vernünftigen Umgang mit den Erkenntnissen kann ihrer Auffassung nach die Politik nicht garantieren.

 

Phantomdiskussion

 

In puncto Datenschutz sind sich die Podiumsteilnehmer einig, dass es hier »um eine Phantomdiskussion geht«. Die Angst vor Missbrauch, wie sie oft bei der elektronischen Patientenakte befürchtet wird, sei größtenteils unbegründet. Da die letzten 50 Zugriffe auf die Akte mitgeloggt werden müssen, sei für den Patienten jederzeit transparent, ob womöglich Arbeitgeber oder Kreditinstitute auf die Daten zugegriffen haben.

 

Politischen Handlungsbedarf sieht Elsner in der Entwicklung verlässlicher Standards für die Telematik-Infrastruktur (TI). Das ist die vom Gesetzgeber geplante digitale Datenautobahn, um die Akteure im Gesundheitswesen zu vernetzen. Die Schnittstellen müssten überall reibungslos funktionieren, damit beispielsweise für Patienten ein Kassenwechsel leicht möglich sei. Elsner regte bei Maag ebenfalls an, über ein zweites E-Health-Gesetz nachzudenken. Was die Politik allerdings als nächste Schritte plant, beantwortete die CDU-Gesundheitsexpertin nicht. Dennoch sieht sie Deutschland auf einem guten Weg. Ab Juli 2018 kommen ihren Angaben zufolge zwei neue Anbieter für die sogenannten E-Health-Konnektoren auf dem Markt. Diese Konnektoren dienen dazu, Arztpraxen an die TI anzuschließen. Das neue Angebot, so Maag, werde nun endlich den digitalen Prozess beschleunigen.

 

Ein Versprechen

 

Ein Versprechen für ihre Amtszeit will Maag an diesem Abend jedoch geben: »Ich gehe nicht ohne die elektronische Patientenakte«. Allerdings räumte sie ein, dass eine Verwaltung der Akte über die elektronische Gesundheitskarte eher eine Übergangslösung sein wird. In Zukunft würden die Patienten wohl ihre Gesundheitsdaten ausschließlich über Smartphones oder Tablets managen. /

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