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Versorgungsengpass

05.02.2013  16:02 Uhr

Man will es kaum glauben: Arzneimittelengpässe drohen, zu einem relevanten Problem in der Patientenversorgung zu werden. Dennoch ist es wahr, und selbstverständlich sind es auch die Apothekerinnen und Apotheker unter Federführung der deutschen Krankenhausapotheker und der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), die hier ihre Stimme erheben und den Missstand beklagen. Denn es ist der gesetzliche Auftrag der Apothekerschaft, die ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

 

Oft sind es schwer kranke Patientinnen und Patienten, die wegen nicht verfügbarer Antibiotika oder Zytostatika von dem Problem direkt betroffen sind. Und nicht selten kann man diesen Patienten dann nur noch eine »zweitbeste Therapie« anbieten, oder sie müssen auf einen für sie so wichtigen Schutz vor einer gefährlichen Infektion verzichten. Das ist ein unhaltbarer Zustand für unser Land. Zum Glück wird es aber nicht wie ein Randthema behandelt, was die zunehmende Bagatellisierung unseres Arzneimittelschatzes vermuten lassen könnte. Dies zeigt auch die schnelle Reaktion aus dem Bundesgesundheitsministerium, das recht kurzfristig in der vergangenen Woche zu einem Treffen aller Beteiligten eingeladen hatte (lesen Sie dazu Lieferengpässe: Melderegister im Gespräch).

 

Man kann nur hoffen, dass solche Treffen nicht nur darauf hinauslaufen, die Probleme zu verwalten, beispielsweise durch die Anordnung einer größeren Bevorratung bestimmter Medikamente oder durch ein umfassendes Melderegister im Falle von Lieferschwierigkeiten, so wichtig derartige Maßnahmen zweifelsfrei sind. Zusätzlich muss man auch den Problemen auf den Grund gehen. Und hier muss sich auch die Politik kritische Fragen gefallen lassen. Unverkennbar deuten sich erste Kollateralschäden eines hemmungslosen Wettbewerbs im Gesundheitswesen an. Ein solcher Wettbewerb, der von interessierter Seite beispielsweise durch die erstaunlichen Erfolge mit der Einführung der Rabattverträge enthusiastisch gefeiert wird, birgt auch die große Gefahr, Herstellermonopole zu erzeugen. Diese markieren nicht nur das Ende des Wettbewerbs, sondern haben auch eine alternativlose Abhängigkeit mit allen denkbaren Unwägbarkeiten zur Folge.

 

Prof. Theo Dingermann

(Mitglied der Chefredaktion)

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