Pharmazeutische Zeitung online

Face to Face

31.01.2018  10:27 Uhr

Eines vorneweg: Der Besuch einer öffentlichen Apotheke ist für Patienten weiterhin der beste Weg zu einer optimalen Beratung. Daran kann es keinen Zweifel geben. Die Beratung von Angesicht zu Angesicht gibt dem Apotheker die Möglichkeit, sich ein profundes und unverstelltes Bild vom Patienten zu machen.

 

Daran ändern auch die in der vergangenen Woche in Betrieb genommenen digitalen Rezeptsammelstellen im Saarland und in Baden-Württemberg nichts (lesen Sie dazu Digitale Rezeptsammelstellen: Terminal statt Briefkasten). Dennoch sind sie fraglos eine ­zukunftsweisende Option für die Arzneimittelversorgung in ländlichen Regionen. Nicht zufällig wurden die beiden Terminals in Heusweiler-Kutzhof (2100 Einwohner) und in Neidlingen (1600 Einwohner) aufgestellt. In beiden Orten gibt es keine Apotheke mehr und es wird dort auch keine eröffnet werden.

 

Mit den digitalen Rezeptsammelstellen wird sich die Arzneimittelversorgung in kleinen Gemeinden wie Heusweiler oder Neidlingen deutlich verbessern. Das gemeinsam mit der VSA entwickelte Konzept ist ebenso schlicht wie effizient: Der Patient kann mit dem Apotheker direkt in Kontakt treten. Eben diese Möglichkeit macht den Unterschied zur konven­tionellen Rezeptsammelstelle. Die digitale Version ist auch deutlich schneller als die konventionelle Rezeptsammelstelle.

 

Ein Dialog Face to Face macht die Kommunikation einfacher, weil Missverständnisse seltener sind. Niemand wird ernsthaft behaupten, dass das Doc-Morris-Konzept aus Hüffenhardt eine ernsthafte Konkurrenz zur digitalen Rezeptsammelstelle sein könnte.

 

Es wäre keine Überraschung, wenn es in gar nicht so ferner Zukunft in strukturschwachen Regionen deutlich mehr digitale Rezeptsammel­stellen geben würde. Das Konzept kann in den kommenden Jahren einen Beitrag zur flächendeckenden Arzneimittelversorgung leisten und damit auch die Notwendigkeit von Versandapotheken und branchenfremden Unternehmen in Frage stellen.

 

Ein Wermutstropfen aber bleibt: Jede Rezeptsammelstelle, egal ob digital oder analog, ist ein Indiz dafür, dass die Zahl der Apotheken in Deutschland weiter sinkt.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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