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AMTS

Anpacken statt reden

28.01.2015
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Apotheker können mit Medikationsanalysen und Medikations­management einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) leisten. Zahlreiche Projekte seien bereits angelaufen und die Apotheker sollten mitmachen, lautete der Appell von Professor Dr. Ulrich Jaehde.

»Arzneimitteltherapie ist ein Hochrisikoprozess, sagte Jaehede. In Deutschland komme es je nach Schätzung pro Jahr zu 16 000 bis 58 000 Todesfällen direkt oder mittelbar durch Medikamente, betonte der klinische Pharmazeut von der Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Zum Vergleich: Im Straßenverkehr starben im Jahr 2013 weniger als 4000 Menschen. Auch 5,3 Prozent der stationären Aufnahmen (10,7 Prozent bei älteren Patienten) seien auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen und hier insbesondere auf kardiovaskuläre und zentral wirksame Arzneistoffe sowie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) zurückzuführen.

 

»Das sind Zahlen, die uns beschäftigen müssen«, so der Referent. Denn etwa die Hälfte dieser Krankenhauseinweisungen sei vermeidbar. »Hier müssen Ärzte, Apotheker, Pflegekräfte und Patienten besser zusammenarbeiten«, forderte Jaehde. Gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der AMTS seien notwendiger denn je, zumal sich durch das Schließen von Sicherheits­lücken im Medikationsprozess auch enorme Kosten einsparen ließen.

 

Fehler sammeln und analysieren

 

AMTS sei vielschichtig: Um Interaktionen und Nebenwirkungen zu vermeiden, gleichzeitig die Adhärenz zu fördern und Leitlinien zu beachten, müsse an zahlreichen Stellschrauben gedreht werden, gerade bei Multimorbidität und Polymedikation im Alter. Das Thema habe auch eine politische Dimen­sion erreicht: Bereits seit 2007 veröffentlicht das Bundesministerium für Gesundheit in regelmäßigen Abständen einen »Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland«. Dabei habe es sich die Entwicklung von Strategien zur Risikominderung auf die Fahne geschrieben. »Über Fehler muss gesprochen werden«, unterstrich Jaehde.

 

Als ein Modul des Aktionsplans stellte er den Bundes-Medikationsplan vor, der zum Teil bereits in einigen Arztpraxen, Kliniken und Apotheken verwendet wird und spätestens 2016 bei allen gesetzlich krankenversicherten Patienten mit mehr als fünf verschriebenen Medikamenten zum Einsatz kommen soll – zunächst in Papierform (lesen Sie dazu PZ 4/2015, Seite 10). Ein aufgedruckter Barcode, der alle Medikationsdaten enthält und von Ärzten und Apothekern eingelesen werden kann, soll die ständige Aktualisierung und Übertragbarkeit ermöglichen.

 

Projekte bereits angelaufen

 

Jaehde betonte, dass die Umsetzung von AMTS nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis der öffentlichen Apotheken bereits weit vorangeschritten sei. Als Beispiele nannte er die Arzneimittelinitiative ARMIN in Sachsen und Thüringen, das ATHINA-Projekt der Apothekerkammern Nordrhein, Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen, das Apo-AMTS-Modell der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, den Aufbau des Linda-Interaktionsregisters sowie das Modell GerMAna der AOK Rheinland/Hamburg und des Apothekerverbands Nordrhein.

 

»Die Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland ist verbesserungswürdig und bekommt immer mehr öffentliche Aufmerksamkeit.« Apotheker seien konkret gefordert und müssten ihren Beitrag leisten. »Machen Sie mit«, lautete sein Appell. Denn wie bereits John F. Kennedy sagte: Einen Vorsprung im Leben hat nur, wer da anpackt, wo die anderen erst mal reden.

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