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01.02.2011
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Wie erlebt ein Patient heute den Apotheker? Als einen Menschen, der verzweifelt versucht, seiner EDV die Information über das »richtige«, sprich der Krankenkasse genehme Arzneimittel zu entlocken, es ihm mit gequältem Lächeln und der Aussage überreicht: »Das müssen Sie ab jetzt nehmen, und das macht dann fünf Euro«? Oder können Sie es sich noch leisten zu sagen: »Ich sehe, Sie bekommen jetzt ein anderes Arzneimittel, ich schau mal nach, ob sich das mit Ihrer anderen Medikation verträgt und schreibe Ihnen auf, wie es einzunehmen ist«? Sie bemerken den Unterschied? Ich finde, wir sollten souverän agieren, auch wenn es oft schwer fällt angesichts der Bürokratie und des Kostendrucks.

 

Aber was sollen die Menschen in der Apotheke von uns denken, wenn wir sie unsere Verzweiflung erleben lassen, weil wir gezwungen sind, Vorgaben zu erfüllen und kaum noch Handlungsspielraum haben? Könnte da nicht der Verdacht aufkommen, dass Abgabeautomaten das besser machen?

 

Was ist unser Mehrwert? Da fällt mir sehr viel ein: Akzeptanz, Empathie, Freundlichkeit, Fürsorge, Problemlösung – und über allem das Angebot, unser großes Fachwissen über das Arzneimittel jedem, der es benötigt, so zugänglich zu machen, dass es für ihn in seiner Situation hilfreich ist.

 

Das ist viel verlangt? Das ist unser Alleinstellungsmerkmal! Wenn wir das nicht mehr bieten, braucht man uns nicht mehr. Dass wir dafür entsprechend entlohnt werden müssen, steht außer Frage. Doch diese Verhandlungen finden auf einer anderen Ebene statt. In der Apotheke sollten wir selbstbewusst, nicht überheblich, zeigen, was wir wert sind. Zum Beispiel durch Hinweise auf Unverträglichkeiten, Nebenwirkungen, Verbesserungsmöglichkeiten der Therapie, die auch ohne Nachfrage gegeben werden. Vermittlung pharmazeutischen Wissens macht doch viel zufriedener als Rabattverträge auszuführen, was nicht heißt, dass man nicht beides miteinander verbinden kann.

 

Man kann beim Erwerb von pharmazeutischem Wissen Spaß haben, wie beim Pharmacon-Kongress der Bundesapothekerkammer vom 6. bis 11. Februar 2011 in Davos. Der wissenschaftliche Beirat der Bundesapothekerkammer hat zum Schwerpunktthema »Pharmakotherapie endokrinologischer Erkrankungen« ein interessantes und hochaktuelles Vortrags- und Seminarprogramm zusammengestellt. Ich freue mich, Sie in Davos begrüßen zu dürfen.

 

Erika Fink

Präsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK)

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