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Patientenberatung

Unabhängige Informationen für jedermann

01.02.2011
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Von Annette Mende, Berlin / In Deutschland wird es künftig wieder unabhängige Beratungsstellen für Patienten geben. Verantwortlich für das Angebot sind der Sozialverband VDK Deutschland, der Bundesverband der Verbraucherzentralen und der Verbund unabhängige Patientenberatung.

Die drei Institutionen setzten sich als Bietergemeinschaft SVV gegen neun Mitbewerber durch und unterzeichneten in der vergangenen Woche einen Vertrag mit dem GKV-Spitzenverband, der die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) finanziert. Nach einer zehnjährigen Erprobungsphase als Modellprojekt findet die UPD damit Eingang in die Regelversorgung der Krankenkassen.

 

Beratung auf Türkisch und Russisch

 

Seit die Modellphase der UPD Ende 2010 auslief, sind die Internetseite www.upd- online.de sowie die Telefonhotline abgeschaltet und die Beratungsstellen geschlossen. Nun soll die Beratungstätigkeit schnell wieder anlaufen, beginnend mit der Telefonhotline (0800 0117722), die ab dem 15. Februar wieder erreichbar sein soll. Neu ist, dass sich Patienten mit Migrationshintergrund auch auf Türkisch oder Russisch beraten lassen können.

 

Neben einer mehrsprachigen Internetseite und einer Telefonhotline wird es in Berlin, Nürnberg, Stuttgart und Dortmund auch Beratungsstellen mit türkisch- und russischsprachigem Personal geben. Dieses Angebot wird von der Privaten Krankenversicherung (PKV) finanziert. Allerdings verpflichtete sich der PKV-Verband zunächst nur zu einer Beteiligung in den kommenden drei Jahren, während der GKV-Spitzenverband Geld für die kommenden fünf Jahre bereitstellte.

 

Trotz der Finanzierung durch die Krankenkassen legt die UPD Wert auf die Unabhängigkeit ihrer Beratung. Dazu erklärte Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes: »Wir nehmen keinen Einfluss auf die konkreten Inhalte der Beratung.« Der GKV-Spitzenverband zahlt für das Projekt in den kommenden fünf Jahren 26 Millionen Euro. Die PKV beteiligt sich mit circa 364 000 Euro jährlich.

 

»Wir finden, dass die unabhängige Patientenberatung eigentlich steuerfinanziert sein sollte«, sagte Dr. Volker Leienbach, Direktor des PKV-Verbandes. Aufgrund der angespannten Haushaltslage des Bundes gebe es dafür aber auf absehbare Zeit keine realistischen Chancen. Die Private Krankenversicherung beteilige sich daher freiwillig entsprechend dem Anteil der Privatversicherten an der Finanzierung des Projekts. Das sei vor allem dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), zu verdanken, der die PKV motiviert habe, mitzumachen.

 

Missstände beheben

 

Zöller begrüßte die Weiterführung der UPD als Teil der Regelversorgung: »Nur informierte Patienten nehmen ihre Rechte gegenüber Krankenkassen und Leistungserbringern wahr.« Unabhängige Beratungsstellen seien dazu unabdingbar. Gleichzeitig verspreche er sich viel von der UPD in ihrer Rolle als »Seismograf«: Zweimal jährlich wird die UPD dem Patientenbeauftragten künftig über die zugetragenen Beschwerden berichten. Missstände, die Anlass zu häufigen Beschwerden geben, könnten so mit den Beteiligten direkt oder auch per Gesetzesänderung behoben werden.

 

Anlass zur Klage gab es in den vergangenen Jahren vor allem bei Zahnarztrechnungen oder anderen Selbstzahlerleistungen, wenn Ärzte oder Kliniken sich weigerten, Patientenunterlagen herauszugeben oder bei Unklarheit über die Erstattungsfähigkeit einer Behandlung oder eines Arzneimittels. Die Berater der UPD – Mediziner, juristische und psychologische Fachleute – leisten den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie die Patienten über ihre Rechte informieren und gegebenenfalls an eine zuständige Stelle verweisen. Etwa 100 000 Beratungsfälle pro Jahr kann die UPD bewältigen. / 

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