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Grippe-Koinfektionen

Richtiges Antibiotikum wählen

01.02.2011
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Von Daniela Biermann / Die Wahl des Antibiotikums zur Bekämpfung von bakteriellen Superinfektionen bei Influenza könnte entscheidend zum Überleben der Patienten beitragen. Darauf deuten Studien von Dr. Jonathan McCullers und Kollegen vom St. Jude Children’s Research Hospital im US-amerikanischen Memphis hin, die McCullers auf einem Symposium des Leibniz Center Infection in Hamburg vorstellte.

Die Wissenschaftler konnten im Tierversuch feststellen, dass unter Ampicillin die Mortalität trotz antibakterieller Wirksamkeit bei bis zu 100 Prozent lag. Nach Gabe von Azithromycin dagegen überlebten alle Versuchstiere, die zuerst mit Influenza- und dann mit Pneumokokken infiziert worden waren.

 

Die Forscher vermuten, dass der Unterschied im Wirkmechanismus der Antibiotika begründet liegt. So gehört Ampicillin zu den Beta-Lactamen, die in die Zellwandsynthese der Bakterien eingreifen. Kommen sie zum Einsatz, treten vermehrt Bakterientrümmer im Lungengewebe auf, was zu starken Entzündungen und Gewebezerstörungen führen kann. Azithromycin dagegen greift in die Proteinsynthese der Bakterien ein, sodass weniger bakterielle Toxine freigesetzt werden. Darüber hinaus zeigt es laut McCullers antiinflammatorische Effekte. Es senkt vermutlich die Einwanderung von neutrophilen Abwehrzellen in die Lunge und dämpft damit die Immunreaktion. Ob die theoretischen Überlegungen und tierexperimentellen Ergebnisse auf die Praxis übertragbar sind, wollen die Wissenschaftler nun in klinischen Studien überprüfen.

 

Bis zu 95 Prozent der Todesfälle bei Influenza-Epidemien geht auf Koinfektionen mit bakteriellen Erregern wie Pneumokokken und Staphylokokken zurück, was Lungenentzündungen mit überschießenden Entzündungsreaktionen zur Folge hat. Zur Bekämpfung werden Antibiotika eingesetzt. / 

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