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Atemwegsinfektionen

Impfquoten steigern

24.01.2017
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Pneumokokken-Infektionen, Influenza und Keuchhusten sind keine banalen Erkrankungen. Dennoch lassen sich viel zu wenige Menschen dagegen impfen. Professor Dr. Thomas Weinke, Arzt und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO), appellierte an die Apotheker, ihre Kundenkontakte dafür zu nutzen, mehr Menschen von der Notwendigkeit von Impfungen zu überzeugen.

Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 5000 Menschen an einer Pneumokokken-Infektion. »Besonders gefährdet sind Kleinkinder bis zu zwei Jahren, Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen«, sagte Weinke. Daher sollten Kinder möglichst früh die Grundimmunisierung erhalten und Menschen ab 60 Jahren ihren Immunstatus regelmäßig auffrischen. Derzeit sei nur jeder dritte Senior geimpft, kritisierte der Mediziner.

 

Zwei Impfstoffe

 

Es stehen zwei unterschiedliche Impfstoffe zur Verfügung: der im Jahr 1983 zugelassene 23-valente Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff PPSV23 und der 13-valente Pneumokokken-Konjugatimpfstoff PCV13. Dieser eignet sich für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren sowie für Säuglinge und Kleinkinder ab dem zweiten Lebensjahr. Mittlerweile decke PCV13 allerdings nur noch 30 Prozent der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen ab, so Weinke. Daher empfiehlt die STIKO seit dem vergangenen Jahr PPSV23 als Standardimpfung für Senioren ab 60 Jahren mit einer Wieder­holung nach sechs Jahren und als Indikationsimpfung für Jugendliche und Erwachsene. Dabei wird unterteilt in Menschen mit höherem und solche mit geringerem Pneumokokken-Risiko. Menschen mit höherem Risiko, beispielsweise durch Immundefekte, erhalten initial eine PCV13 Impfung und nach sechs bis zwölf Monaten eine zweite Impfung mit PPSV23. Bei geringen Risikofaktoren reicht laut Weinke eine Impfung mit PPSV23.

 

Influenzaviren können in einer starken Grippesaison deutlich höhere Todeszahlen verursachen als Pneumokokken. So starben etwa im Winter 2012/2013 bis zu 20 000 Menschen in Deutschland infolge der Grippe. Allerdings variieren die Todeszahlen von Jahr zu Jahr deutlich. »Im Winter 2013/2014 gab es lediglich 3000 grippebedingte Krankenhauseinweisungen und keine nachweisbare Übersterblichkeit«, sagte Weinke.

 

Auch bei Influenza ist die Impfung der effektivste und kostengünstigste Schutz vor einer Infektion. Der beste Zeitpunkt dafür sind die Monate Oktober und November. Allerdings entwickelt die Impfung den vollen Schutz erst nach zwei Wochen; mit rund 50 Prozent ist die Wirksamkeit zudem begrenzt. Senioren und immunsupprimierte Menschen sprechen besonders schlecht an. Neue Impfstoffe mit Adjuvanzien und verbesserter Applikation sollen die Immunogenität verbessern.

 

Die STIKO empfiehlt die Grippe­impfung allen Menschen mit Vorerkrankungen und schlechtem Immunstatus sowie ab einem Alter von 60 Jahren. Hinzu kommen Bewohner von Pflegeheimen, Schwangere, medizinisches Personal und Menschen, die mit einer Influenza Risikopatienten gefährden könnten.

 

Ganzjährig Saison

 

Im Gegensatz zur Grippe hat Pertussis das ganze Jahr Saison mit einem kleinen Peak im Winter. »Obwohl fast alle Schulanfänger geimpft werden, gibt es immer wieder Anstiege in den Erkrankungszahlen«, sagte Weinke. Rund zwei Drittel der Erkrankten sind Erwachsene. Die Erkrankung kann sich über mehrere Monate hinziehen. Sie beginnt mit Husten und Schnupfen. Nach rund zwei Wochen gesellen sich Hustenanfälle dazu. Sechs Wochen nach der Infektion stellt sich dann das namengebende Keuchen ein. Antibiotika schaffen in der Regel nur geringe Linderung. Die besten Ergebnisse werden dabei mit Makroliden erzielt. Nach überwundener Erkrankung ist die Immunität begrenzt.

 

Die Grundimmunisierung sollte so früh wie möglich im zweiten Lebensmonat stattfinden. Erwachsene sollten die nächste fällige Tetanus- und Diphtherie-Impfung mit einem Pertussis-Impfstoff kombinieren. Zielgruppe für die Impfung sind Beschäftigte im Gesundheitsdienst, Frauen im gebär­fähigen Alter und Kontaktpersonen von Säuglingen.

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