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Therapie-Adhärenz

Apotheker können helfen

24.01.2017  14:12 Uhr

Apotheker sind in der Betreuung von Asthmatikern und COPD- Patienten unverzichtbar. Apotheker Dr. Eric Martin aus Markt­heidenfeld nannte einige Beispiele, wie sich Apotheker zum Wohl des Patienten einbringen können.

Inhalative Glucocorticoide spielen in der Asthma-Therapie eine wichtige Rolle. Martin betonte, dass es zu den Auf­gaben der Apotheker gehört, eine gute Adhärenz beim Einsatz dieser Medikamente sicherzustellen. »Raten Sie den Patienten, nach der Inhalation zu essen, zu trinken und zu gurgeln«, gab der Referent einen Beratungstipp, um Nebenwirkungen der Corticoide im Mund zu minimieren. 

 

Zudem sollte das pharmazeutische Personal dem Patienten die Angst nehmen vor Corticoid-Nebenwirkungen, die nur nach systemischer Gabe auftreten. »Sagen Sie den Patienten, dass diese bei der Inhalation in der Regel ausbleiben.«

 

Die Peak-Flow-Messung erlaube es, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen, und diene dem Behandler als wichtige Information, etwa bei der Deeskalation der antientzündlichen Therapie. Patienten sollten dann vor jeder Dosis­reduktion und über ein bis zwei Wochen danach tägliche Messungen vornehmen. »Bleiben die Werte stabil, war die Dosisreduktion angemessen«, sagte Martin. Im anderen Fall müsse die Dosisreduktion revidiert werden.

 

Laut Martin ist auch das Auftreten von trockenem Reizhusten ein Gradmesser für die Asthmakontrolle. Je mehr ein Patient hustet, desto weniger sei die Entzündung unter Kontrolle. »Diese Patienten brauchen keinen Hustenlöser und keinen Hustenstiller, sondern Cortison.«

 

Flutter erleichtern das Abhusten

 

Auch für hustende COPD-Patienten werden laut dem Referenten in der Leitlinie Expektoranzien nicht empfohlen. Sinnvoller sei es, den Patienten ein Hilfsmittel zur Sekretelimination an­zubieten. Mit diesen sogenannten Fluttern wird das Abhusten erleichtert. Auch die Bezeichnung VRP-Gerät (Vario Resistance Pressure) ist dafür gebräuchlich.

 

Martin riet dazu, in der Apotheke auch über nicht medikamentöse Maßnahmen, wie die pneumologische Rehabilitation, aufzuklären. Dabei lernen die Patienten in einer Fachklinik wichtige Aspekte, zum Beispiel über Sport, Ernährung und Physiotherapie, die sie dann im Alltag umsetzen können. Lungen­funktionsmessungen seien eine Möglichkeit für ein Serviceangebot von Apotheken. COPD-Verdachtsfälle könnten dadurch frühzeitig zum Facharzt zwecks Abklärung geschickt werden.

 

COPD-Patienten, die rauchen, sollten in der Apotheke zur Tabakentwöhnung motiviert werden. »Rauchstopp ist jeder Pharmakotherapie überlegen.« Sinnvoll sei es, eine Substitutions- mit einer Verhaltenstherapie zu kombinieren.

 

Die Alarmglocken sollten sowohl bei Asthma- als auch bei COPD-Patienten läuten, wenn diese einen Infekt haben. »Eine Erkältung erhöht bei ihnen das Risiko für Exazerbationen«, informierte Martin. Bei COPD seien diese nicht nur ein akutes Ereignis, sondern auch Motor für die Progression der Erkrankung.

 

Martin ging auch auf häufige Anwendungsfehler bei Inhalativa und die Bedeutung einer strukturierten Erst­unterweisung und eines regelmäßigen Monitorings ein. Letzteres könne auch in der Apotheke erfolgen. Der Patient demonstriert dabei die Anwendung seiner Inhalativa. Im Anschluss sollte der Apotheker dann die Fehler kommentieren, die er detektiert.

 

Bei der Anwendung von Dosieraerosolen komme es zum Beispiel häufig zu einer mangelnden Koordination von Einatmen und Auslösen des Sprühstoßes. Auch eine verstopfte, weil nicht gereinigte Sprühdüse sowie das fehlende Schütteln von Sprays, bei denen dies vor der Inhalation notwendig ist, seien Fehlerquellen. Bei Pulverinhala­toren kommt es laut Martin oft dazu, dass atemwegsinduzierte Systeme nicht auslösen, weil der inspiratorische Flow zu gering ist. Ferner wüssten einige Patienten nicht, dass sie nicht in den Inhalator ausatmen dürfen.

 

»Ein Asthmatiker mit Reizhusten braucht keinen Hustenlöser und keinen Hustenstiller, sondern Cortison.«

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