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Versorgungsgesetz

Union diskutiert Arztstationen

25.01.2011  18:04 Uhr

Von Daniel Rücker / Die Union macht sich Gedanken über die ärztliche Versorgung der Zukunft. In einem gemeinsamen Strategiepapier stellen die CSU-Politiker Max Straubinger und Johannes Singhammer die Ideen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vor. Daraus sollen im Frühjahr die Eckpunkte des GKV-Versorgungsgesetzes erwachsen.

Insgesamt vierzehn Punkte haben die Autoren zusammengetragen. Apotheker werden darin nicht explizit erwähnt. Im Kern geht es darum, das Gesundheitswesen effizienter zu machen, die Reibungsverluste an den Sektorenschnittstellen zu verringern und zu verhindern, dass ländliche Regionen von der ärztlichen Versorgung abgekoppelt werden.

Ein zentraler Punkt ist für die Union dabei ein regionaler sektorenübergreifender Versorgungsausschuss. In diesem koordinieren Vertreter der Ärzteschaft, der Landeskran­ken­haus­gesellschaften, der Krankenkassen und des zuständigen Ministeriums gemeinsam mit Vertretern von Patienten und Kommunen die medizinische Versorgung der Region. Ihre Aufgabe ist es, für die Region eine bedarfsgerechte ärztliche Versorgung zu organisieren. Dazu sollen Planungsbezirke flexibler gestaltet werden und ein bedarfsgerechtes Verhältnis von Fach- und Allgemeinmedizinern sichergestellt werden.

 

Die drohende Unterversorgung auf dem Land sollen die Versorgungsausschüsse auch mit ambulanten Angeboten von Krankenhäusern mildern. Außerdem soll es möglich sein, über die Honorierung finanzielle Anreize für Ärzte zu schaffen, die bereit sind, sich in ländlichen Gebieten niederzulassen. Nach Vorstellung der Union könnte ein Prozent der Gesamtvergütung für einen Strukturfonds zur Verfügung gestellt werden. Attraktiver soll die Arbeit in ländlichen Gebieten auch über Änderungen beim Notdienst werden. Die Zahl der Dienste soll für jeden Arzt sinken. Dazu werden bei Bedarf Arztstationen eingerichtet. Die dort arbeitenden Mediziner werden aus dem Vergütungstopf der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) bezahlt.

 

Nach den Vorstellungen der Union bekommen die Ärzte mit dem GKV-Versorgungsgesetz auch einheitliche Rahmenbedingungen und eine einheitliche Vergütung ihrer Leistungen unabhängig davon, ob diese ein Allgemeinmediziner oder Facharzt, stationär oder ambulant erbringt. Einheitliche Qualitätskriterien sollen die Vergleichbarkeit der Leistungen garantieren. Unter anderem müssen die Ärzte nachweisen, dass sie eine bestimmte Leistung ausreichend häufig erbringen.

 

In unterversorgten Gebieten will die Union neben von der KV betriebenen Arztstationen auch neue Medizinische Versorgungszentren (MVZ) ansiedeln. Gleichzeitig soll Kapitalgesellschaften der Zugang zu MVZ weitgehend versperrt werden. Für die Leitung kommen ausschließlich Ärzte infrage. Als Rechtsform will die Union nur GmbHs und Personengesellschaften zulassen. Arztstationen können sich die Autoren auch in einer mobilen Variante vorstellen. Sprechstunden würden dann in manchen Orten nur an zwei oder drei Wochentagen angeboten.

 

Mehr Studienplätze für Mediziner

 

Weil all dies nur dann funktioniert, wenn auch wieder mehr Schulabgänger Medizin studieren, will die Union die Attraktivität von Medizinstudium und Arztberuf erhöhen. Es soll mehr Studienplätze geben. Außerdem will man Abiturienten mit einem schlechteren Abschluss und Absolventen anderer medizinischer Berufe den Weg ins Medizinstudium erleichtern. Das Interesse am Arztberuf soll ein wichtigeres Kriterium bei der Studentenauswahl sein. Wer sich verpflichtet, nach dem Studium für fünf Jahre auf dem Land zu arbeiten, der bekommt auch einen Medizinstudienplatz. Die Autoren des Strategiepapiers wissen, dass dies auch heute schon möglich wäre. Die meisten Bundesländer machten bislang aber nicht ausreichend Gebrauch von ihrem Recht , 60 Prozent der Studienplätze statt über den Abiturdurchschnitt nach eigenen Kriterien zu vergeben.

 

Damit die Studenten nach dem Studium auch tatsächlich Arzt werden, müssen die Rahmenbedingungen besser werden. Familienfreundliche Arbeitsplätze, weniger hierarchische Strukturen in den Krankenhäusern und eine Honorarreform sollen dazu führen, dass Absolventen nicht verschreckt von dem, was ihnen droht, in die Arme der pharmazeutischen Industrie flüchten. Außerdem soll es mithilfe von Telemedizin und der Delegation ärztlicher Leistungen einfacher werden, die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Hier erwähnen die Unions-Gesundheitspolitiker zwar Gemeindeschwestern explizit, aber keine Apotheker. /

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