Pharmazeutische Zeitung online
Nach Kritik von Marburger Bund

Laumann verteidigt Landarztquote

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat die geplante Einführung der sogenannten Landarztquote in dem Bundesland verteidigt. Um die hausärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten sicherzustellen, sei eine solche Regelung ein probates Mittel, sagte der CDU-Politiker der Pharmazeutischen Zeitung. Zuvor hatte der Marburger Bund die NRW-Pläne scharf kritisiert.
Cornelia Dölger
15.11.2018
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»Die Landarztquote hilft dabei, dass wir uns bei der Ausbildung der zukünftigen Mediziner neben der individuellen Qualifikation endlich auch mehr an den Bedarfen der medizinischen Versorgung orientieren«, so Laumann auf Nachfrage der PZ. Mit der Regelung wolle man ganz gezielt die Bewerber erreichen, die für das Medizinstudium geeignet seien und »aus freien Stücken in unterversorgten Gebieten praktizieren wollen«.

Nordrhein-Westfalen hat als ländlich geprägtes Flächenland besonders stark mit dem Ärztemangel auf dem Land zu kämpfen. In den kommenden zehn Jahren wird Schätzungen zufolge jeder zweite der heute in NRW niedergelassenen Hausärzte in Rente gehen. Mit der Landarztquote wird ein Teil der Medizinstudienplätze für Bewerber reserviert, die sich vertraglich verpflichten, anschließend zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten.

Der Marburger Bund hatte diese Regelung als »Zwangsmaßnahme« kritisiert. Wenn sie denn zum Einsatz komme, müssten neben Hausarztpraxen auch Krankenhäuser profitieren können, hatte die Ärztegewerkschaft gefordert. In einem Beschluss hieß es: »Nicht nur die Nachbesetzung freiwerdender Kassenarztsitze im ländlichen Bereich stößt auf personelle Probleme, sondern auch die Besetzung freiwerdender Stellen in den Kliniken abseits der Ballungsgebiete.«

Ärzte kritisieren Regelung als Zwangsmaßnahme

Laumann wies die Kritik zurück und betonte, die Landarztquote stelle »genau das Gegenteil von Zwang« dar, indem sie denjenigen Studienbewerbern, die später als Landärzte arbeiten wollten, eine Chance auf einen Studienplatz verschaffe. Diese Bereitschaft spiele im jetzigen Auswahlverfahren noch keine Rolle. »Das wollen wir mit Blick auf die Versorgungssicherheit in unserem Land ändern«, sagte Laumann.

Einig sind sich Laumann und Marburger Bund in ihrer Forderung nach mehr Medizinstudienplätzen. »Genau daran arbeiten wir in NRW bereits«, erklärte der Minister. »Mit Hochdruck« würde die Gründung der Medizinischen Fakultät Ostwestfalen in Bielefeld vorangetrieben. Dort sollten pro Jahr bis zu 300 neue Studierende ihr Medizinstudium beginnen können. Zudem unterstütze das Land die geplante Verdopplung der Zahl der Medizinstudierenden an der Privatuniversität Witten/Herdecke – von heute 84 auf dann 168 pro Jahr. NRW starte darüber hinaus den Modellversuch »Medizin neu denken« an den Universitäten Bonn und Siegen. »Das alles ist sicherlich auch im Interesse des Marburger Bundes«, so Laumann.

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