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Kooperation

Selbstständig, aber nicht allein

21.01.2008  11:04 Uhr

Kooperation

Selbstständig, aber nicht allein

Von Uta Grossmann, Gehrden

 

Unter den etwa 40 Kooperationen in Deutschland vertritt A-plus ein klar auf die heilberuflich ausgerichtete, inhabergeführte Apotheke zugeschnittenes Profil. Wilko Struckmann ist Mitglied. Die PZ hat ihn in seiner Apotheke in Gehrden besucht.

 

Was motiviert einen Apotheker, Mitglied einer Kooperation zu werden? Welche Vorteile bringt ihm die Mitgliedschaft, was muss er investieren? Wilko Struckmann hat ganz nüchtern überlegt, wie er sich rüsten kann für die Zukunft. Schließlich ist der Apothekenmarkt in Bewegung geraten, sind Umwälzungen im Zuge einer Öffnung und Liberalisierung abzusehen, sollte der Europäische Gerichtshof das in Deutschland geltende Fremdbesitzverbot kippen.

 

Apotheken-Fahrrad vor der Tür

 

Struckmann ist jung, 35 Jahre alt, seine Frau ist Apothekerin wie er, die beiden haben sich im Studium in Braunschweig kennengelernt und kürzlich ein Baby bekommen. Vor zweieinhalb Jahren hat sich Struckmann selbstständig gemacht. Er übernahm die Stadt-Apotheke in Gehrden, einer 16.000-Einwohner-Stadt bei Hannover. Insgesamt vier Apotheken gibt es hier, wo viele gut Betuchte leben und die Ärzte überwiegend Privatpatienten haben. Struckmanns Stadt-Apotheke liegt zentral, vor der Tür steht ein Fahrrad, mit dem die Mitarbeiterinnen oder der Apotheker selbst eine Runde zu den Gehrdener Ärzten drehen. Dort können seine Kunden Rezepte liegen lassen und sich die Medikamente dann in der Apotheke abholen. Muss etwas bestellt werden, sparen sie auf diese Weise einen Gang.

 

Service und Beratung haben für Struckmann Priorität, das vermittelt er auch seinem Team. »Ich kann nicht warten, bis der Kunde zur Tür hereinkommt. Wir sind Dienstleister mit einer hochqualifizierten Ausbildung«, lautet sein Credo. Im Moment sind das Team acht Mitarbeiterinnen, drei machen Babypause, seine Frau eingeschlossen.

 

In der Apotheke ist das Logo von A-plus angebracht. Das graue Plus neben dem roten A im Logo ist das Service-Plus, mit dem die Mitglieder der 1999 von Apothekern in Braunschweig gegründeten Kooperation ihre Apotheken für die Zukunft rüsten wollen. Im November meldete A-plus mit der Greifen Apotheke in Schrozberg das 200. Mitglied. 300 sollen es dieses Jahr werden.

 

Die Unterstützung bei der Beratung war ein Hauptgrund für Struckmann, A-plus-Mitglied zu werden und die monatliche Gebühr von 360 Euro zu investieren. Auch der Anspruch, industrieunabhängig zu sein, hat ihm gut gefallen. Zu den Serviceleistungen von A-plus gehören Infobroschüren zu verschiedenen Indikationen, Schulungen der Mitarbeiter, ein Arznei-Info-Telefon, monatliche wechselnde Aktionen zu Themen wie Allergie, Hausapotheke oder Frühjahrsputz. Bei den Kunden komme das sehr gut an, so Struckmann. »Die sagen mir, hier ist ja ständig was anderes los.«

 

Eigeninitiative ist gefragt

 

Neben dem Schwerpunkt Beratung und Service legen die A-plus-Mitglieder Wert auf regionale Zusammenarbeit. Es gibt Regionalgruppen in Braunschweig, Wolfsburg und Wolfenbüttel, in denen Apotheker gemeinsam Aktionen organisieren. In Braunschweig, der Keimzelle von A-plus, sind sie am aktivsten, bieten sogar Nordic-Walking-Kurse, einen »Tempogefühlslauf« oder eine Tagesreise mit Kräuterwanderung an.

 

Struckmann ist dabei, eine eigene Regionalgruppe ins Leben zu rufen. In Hannover und Umgebung gibt es zwölf A-plus-Apotheken. Für seine Stadt-Apotheke organisiert er Aktionen, zum Beispiel einen Anti Aging Sommer mit Hautanalyse, Anti-Aging-Check und einem Vortrag über Nahrungsergänzung ­ mit Hilfe der A-plus-Werbematerialien. Und er engagiert sich im Apothekerbeirat von A-plus, der die Ausrichtung der Kooperation mitbestimmt. Er lobt, dass A-plus nicht »von oben nach unten« organisiert sei und die Vernetzung und Eigeninitiative der Mitglieder fördere. »A-plus lebt davon, dass jeder was beiträgt.« Wer zum Beispiel einen Vortrag zu einem pharmazeutischen Thema ausarbeitet, stellt ihn den anderen Mitgliedern zur Verfügung ­ für die ein »Riesen-Zeitvorteil«, sagt Struckmann.

 

Regionale Ausrichtung

 

Die regionale Ausrichtung funktioniert auch beim Einkauf: Die Kooperation arbeitet mit den privaten, mittelständischen Großhandlungen von Pharma Privat zusammen.

 

Struckmann lernte A-plus über seinen Braunschweiger Großhändler Kehr kennen, der bei Pharma Privat Mitglied ist. Zunächst hatte Struckmann wie sein Vorgänger in der Stadt-Apotheke Gehe als Hauptgroßhändler und war dadurch automatisch auch Mitglied in deren Kooperation Commitment, Kehr war zweiter Großhändler. Als der Stuttgarter Pharmahändler Celesio, dessen Tochter Gehe ist, im April 2007 DocMorris kaufte, kündigte der Gehrdener Apotheker die Zusammenarbeit. Den Kurs pro Apothekenketten wollte er nicht unterstützen. Neben Kehr wurde Sanacorp zweiter Großhandelspartner.

 

Die Firmenphilosophie der Pharma-Privat-Großhändler ist Struckmann sympathisch. Er hält ihr Bekenntnis zur inhabergeführten Apotheke für glaubwürdig und schätzt die regionale Nähe. Außerdem »stimmt die Chemie mit dem Außendienstmitarbeiter«, sagt der Apotheker.

 

Klaus Hölzel vom Apotheken-Management-Institut in Oestrich-Winkel kennt die Kooperationslandschaft und hält A-plus für eine solide Gruppe. Das Marketingmaterial sei professionell und durchdacht, die Ausrichtung auf die inhabergeführte Apotheke überzeugend. Kennzeichnend seien die oft langjährigen Loyalitätsverhältnisse zu mittelständischen Großhändlern. A-plus sei nicht außergewöhnlich innovativ, aber solide und insbesondere für Landapotheken gut geeignet, urteilt Hölzel.

 

Für Apotheker Wilko Struckmann im kleinstädtischen Gehrden hat sich der Beitritt jedenfalls gelohnt. Er verzeichnet seit seinem Beitritt vor zweieinhalb Jahren stetig steigende Kundenzahlen.

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