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Pfizer will Profitabilität durch Entlassungen sicherstellen

23.01.2007  16:49 Uhr

Pfizer will Profitabilität durch Entlassungen sicherstellen

Von Thomas Bellartz

 

In Nürnberg-Feucht sind die Heumann-Mitarbeiter es mittlerweile gewohnt, mitsamt Unternehmen verkauft zu werden. Der weltgrößte Pharmahersteller Pfizer wird Heumann zum Verkauf anbieten. Und in Deutschland wie überall in der Welt verlieren Pfizer-Mitarbeiter ihre Jobs. Der Konzern entlässt alleine hierzulande 760 Menschen.

 

Wie das Unternehmen am Dienstag in Karlsruhe mitteilte, sollen nach ersten Planungen am Standort Karlsruhe etwa 320 Arbeitsplätze entfallen, darunter im wissenschaftlichen Außendienst rund 190 und im Innendienst der Deutschland-Zentrale 130 Stellen. Außerdem soll das Wirkstoff- und Arzneimittelwerk Heumann PCS in Feucht bei Nürnberg mit seinen etwa 440 Mitarbeitern verkauft werden. Die drei weiteren deutschen Produktionsstandorte Illertissen bei Neu-Ulm, Freiburg und Frankfurt-Höchst sowie der Geschäftsbereich Tiergesundheit seien von den Maßnahmen nicht betroffen. Insgesamt beschäftigt Pfizer derzeit rund 5200 Mitarbeiter in Deutschland.

 

Der geplante Stellenabbau wurde mit der Neuausrichtung des Gesamtkonzerns begründet. Das weltgrößte Pharmaunternehmen will bis Ende 2008 weltweit rund 10.000 Stellen streichen - 10 Prozent seiner Gesamtbelegschaft. Ein erstes Gespräch mit dem Betriebsrat hat nach Angaben eines Sprechers bereits stattgefunden.

 

Pfizer will ein neues Außendienst-Modell einführen, wodurch sich die Zahl der Mitarbeiter im wissenschaftlichen Außendienst um rund 190 verringert. Es seien hier jedoch keine betriebsbedingten Kündigungen vorgesehen. Parallel dazu würde die Zentrale in Karlsruhe umstrukturiert, wo voraussichtlich 130 Stellen in diesem Jahr über alle Bereiche hinweg abgebaut werden sollen. Mit dem Betriebsrat, der wie die Mitarbeiter am Dienstag informiert wurde, sollen »sozialverträgliche Lösungen« entwickelt werden.

 

Der Verkauf von Heumann PCS dürfte nicht zwingend zu Entlassungen führen. Der Standort habe sich sehr erfolgreich auf die Produktion von Wirkstoffen und Arzneimitteln für Drittkunden spezialisiert. Allerdings passt Heumann nicht in die künftige strategische Ausrichtung von Pfizer. Um »möglichst alle Arbeitsplätze« zu sichern, solle das Werk »an einen geeigneten Partner« verkauft werden.

 

Der geplante Verkauf der Pfizer-Tochter wird nach Einschätzung des örtlichen Betriebsrats kaum Folgen für die Beschäftigten haben. Er rechne nicht mit einem Personalabbau, betonte Betriebsratschef Peter Heller. »Wir sind hochprofitabel und technologisch auf dem Stand der Zeit.« Die Verkaufspläne der Pfizer-Konzernleitung sehe er daher gelassen.

 

Weltweit will Pfizer die Kosten um 1,5 bis zwei Milliarden Dollar senken. Das Unternehmen sieht sich mit auslaufenden Patenten konfrontiert, was zu einer immer härteren Konkurrenz von Generika-Anbietern führen dürfte.

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