1.860 Arbeitsplätze in Gefahr: Biontechs Produktionsstätten wegen Überkapazitäten, geringer Auslastung und geplanter Kosteneinsparungen geschlossen. / © Imago/Schöning
Biontech-Mitgründer Ugur Sahin hat den vom geplanten Stellenabbau betroffenen Beschäftigten Unterstützung zugesichert. Bei seinem letzten Auftritt als Unternehmenschef auf der virtuellen Hauptversammlung erklärte Sahin, man sei sich bewusst, wie einschneidend die Entscheidungen für Mitarbeitende und deren Familien seien. Allen Betroffenen sollten sozialverträgliche Lösungen angeboten werden.
Das Mainzer Biopharma-Unternehmen hatte angekündigt, mehrere Produktionsstandorte wegen Überkapazitäten, geringer Auslastung und geplanter Kosteneinsparungen zu schließen. Betroffen sind unter anderem Standorte des übernommenen Konkurrenten Curevac in Tübingen sowie Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur.
Nach Unternehmensangaben könnten bis zu 1.860 Arbeitsplätze wegfallen. Allein bei Curevac stehen demnach rund 820 Stellen auf dem Spiel, vor allem am Hauptsitz in Tübingen. Der Betriebsrat hatte der Unternehmensführung zuletzt mangelnde Unterstützung bei der Suche nach Investoren für die bedrohten Standorte vorgeworfen.
Sahin erklärte, Biontech führe Gespräche mit Politik, Wissenschaft, regionalen Partnerinnen und Partnern, um tragfähige Perspektiven für die betroffenen Standorte zu entwickeln. Er hatte Biontech 2008 gemeinsam mit seiner Ehefrau Özlem Türeci gegründet. Beide wollen das Unternehmen spätestens Ende des Jahres verlassen.
Als Folge der Corona-Pandemie habe sich die strategische Ausrichtung des Unternehmens verändert. Während Biontech gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer mit einem Covid-19-Impfstoff weltweit bekannt wurde, liege der Fokus inzwischen wieder auf der Krebsforschung. Dort sehe das Unternehmen seine wissenschaftlichen Wurzeln und größten Stärken.
Nach Angaben Sahins verfügt Biontech mittlerweile über mehrere Produktkandidaten und Kombinationstherapien gegen verschiedene Krebsarten, die sich bereits in zulassungsnahen Studien befinden. Ziel sei es, bis 2030 mehrere Krebsmedikamente zur Marktzulassung zu bringen.
Das Virus SARS-CoV-2 hat unsere Welt verändert. Seit Ende 2019 verbreitet sich der Erreger von Covid-19 und stellt die Wissenschaft vor enorme Herausforderungen. Sie hat sie angenommen und rasch Tests und Impfungen, auch für Kinder, entwickelt. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronavirus.