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Analgetika im Sport

Ohne Schmerzen, aber mit Risiken

20.01.2016
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Von Annette Mende / Sportler, die vor dem Wettkampf Analgetika einnehmen, um ihre Leistung zu steigern, gehen damit enorme gesundheitliche Risiken ein. Welche das sind und wie sie sich minimieren lassen, führen Professor Dr. Ellen Niederberger und Professor Dr. Gerd Geisslinger in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift »Pharmakon« aus.

Sport ist an sich gesund, ab einer gewissen Intensität aber auch mit körperlichen Schmerzen verbunden. Um diese besser zu ertragen, greifen viele Sportler zu Analgetika. Der Einsatz von Schmerzmitteln zum Ziel der Leistungssteigerung ist dabei nicht auf den Spitzensport beschränkt, im Gegenteil: Gerade Freizeitsportlern, die sich lange auf einen bestimmten Wettkampf vorbereitet haben, fällt es oft schwer, beim Auftreten von Schmerzen Vernunft walten zu lassen, und sie versuchen stattdessen, mithilfe von Analgetika über ihre Grenzen zu gehen.

Verstärkte Nebenwirkungen

 

Damit setzen sie die natürliche Warn- und Schutzfunktion des Schmerzes außer Kraft; bereits geschädigtes Gewebe wird weiter belastet und nimmt so unter Umständen stärkeren oder dauerhaften Schaden. Hinzu kommt, dass bestimmte Nebenwirkungen von Schmerzmitteln bei starker körper­licher Belastung verstärkt auftreten. Diese betreffen vor allem den Gastrointestinaltrakt und die Nieren.

 

Die verstärkte Durchblutung von Muskeln und Haut beim Sport führt zu einer Minderdurchblutung der inneren Organe, die bis zu 80 Prozent betragen kann. Das allein kann zu funktionellen Störungen im Magen-Darm-Trakt führen, die sich in Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall äußern können. Zudem belasten die häufigen Erschütterungen etwa beim Laufen die Organe, im Gastrointestinaltrakt kann es dadurch zu Mikroblutungen kommen.

Pharmakon - Zeitschrift der DPhG

Doping bildet den Themenschwerpunkt der aktuellen Ausgabe von »Pharmakon«, der Zeitschrift für Mitglieder der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG). Sie enthält neben dem hier vorgestellten Beitrag von Professor Dr. Ellen Niederberger und Professor Dr. Gerd Geisslinger unter anderem Artikel über Gendoping, Arzneimittel und Doping und die Leistungsmanipulation im Spitzensport aus soziologischer Sicht. »Pharmakon« erscheint sechsmal jährlich. Jede Ausgabe hat einen inhaltlichen Schwerpunkt, der in mehreren Beiträgen aus unterschiedlichen Perspektiven aufbereitet wird. Ein kostenloses Abonnement ist in der DPhG-Mitgliedschaft inbegriffen. Die Zeitschrift ist auch als Einzelbezug erhältlich. Ein entsprechendes Bestellformular findet sich im Serviceteil der Druckausgabe, weitere Informationen auf www.pharmakon.info.

Auch die Niere wird bei intensivem Sport weniger durchblutet, die glomeruläre Filtrationsrate sinkt und es kann zu Elektrolytverschiebungen kommen, insbesondere zu einer Hyponatriämie. Diese kann durch starkes Schwitzen sowie die Aufnahme großer Flüssigkeitsmengen mit niedrigem Natriumgehalt noch verstärkt werden. Nicht steroidale Antirheumatika hemmen Cyclooxygenasen, steigern so die Wasserretention und erhöhen das Risiko der Hyponatriämie. Hinzu kommt ein Anstieg der Blutungsneigung insbesondere durch Acetylsalicylsäure.

 

Regeln zur sicheren Anwendung

 

Dennoch erscheint es unrealistisch, dass sich Sportler, die Analgetika zur Leistungssteigerung einnehmen wollen, durch gute Ratschläge von diesem Vorhaben abbringen lassen. Um schwere gesundheitliche Zwischenfälle zu vermeiden, sollten aber zumindest folgende Regeln befolgt werden:

 

  • Keine Überdosierungen
  • Einnahme nur nach dem Wettkampf
  • Kurz wirksame Analgetika wie Ibuprofen und Diclofenac statt lang wirksamen wie Naproxen oder Meloxicam
  • Keine Kombinationspräparate
  • Acetylsalicylsäure ist kontraindiziert wegen verstärkter Blutungsneigung
  • Paracetamol vermeiden wegen schwacher Wirkung und potenzieller Leberschädigung
  • Flüssigkeits- und Kochsalzverlust ausgleichen. /

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