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Legales Doping

Schmerzmittel-Missbrauch im Fußball – ein Riesenproblem

Analgetika werden im Fußball viel zu häufig missbräuchlich eingesetzt, sowohl bei den Profis als auch bei den Amateuren. Das zeigt eine umfangreiche Recherche von Correctiv und der ARD unter dem Hashtag #pillenkick.
PZ/dpa
09.06.2020  11:42 Uhr

Schmerzmittel zu nehmen, ist im Sport nicht untersagt. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, ASS und Diclofenac stehen nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur. Dabei erfüllen die Analgetika zwei Kriterien, die für eine Aufnahme in die Liste sprechen. «Die Kriterien Leistungssteigerung und Gesundheitsgefährdung sind erfüllt», urteilte Hans Geyer, Biochemiker im Doping-Analyselabor in Köln. «Nach meiner Auffassung widerspricht es auch der Ethik des Sports, wenn man nur mit Schmerzmitteln Sport treiben kann.» 

Schmerzen betäuben, Entzündungen bekämpfen, um auf Teufel komm' raus spielen zu können: «Was ich in den letzten 14 Jahren mitbekommen habe – Ibuprofen wird wie Smarties gegessen», sagt Neven Subotic, Bundesligaspieler vom 1. FC Union Berlin in der ARD-Dokumentation «Hau rein die Pille». «Von den Vereinen gibt es da auch nach meinem Wissen keine große Aufklärungsarbeit, weil sie eben auch unter Druck stehen, den Spieler so schnell wie möglich fit zu kriegen», sagt Subotic. Der Profi spricht von einem System, das «einfach eine Weitergabe von Druck» sei: «Der gibt's auf den Nächsten, auf den Nächsten und den Nächsten. Und am Ende hat der den meisten Druck, der am meisten zu verlieren hat.» Der in Kooperation mit dem Recherchezentrum «Correctiv» entstandene Film wird heute um Dienstag 22.45 Uhr ausgestrahlt und ist bereits in der Mediathek verfügbar, ebenso eine umfangreiche Artikelserie auf der Correctiv-Website.

«Du kannst mir neun Mal sagen: 'Du nimmst zu viel Schmerzmittel, lass es!' Ich höre neun Mal weg», bekennt Jonas Hummels, Bruder von BVB-Verteidiger Mats Hummels, der bis 2016 in der 3. Liga in Unterhaching spielte. Auch Dani Schahin, der unter anderen bei Fortuna Düsseldorf aktiv war und im vergangenen Sommer seine Karriere beendete, offenbart in der ARD-Doku: «Die letzten drei, vier Jahre ging eigentlich gar nichts mehr ohne Schmerzmittel

Toni Graf-Baumann prangert seit vielen Jahren diesen alarmierenden Missbrauch an, zu dem auch die vorbeugende Einnahme von Mitteln zählt. «Da läufst Du gegen Mauern», sagte der Ex-Berater des Weltverbandes FIFA und Mitglied der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes. «Da spielen das Geld, die Sponsoren, die ausufernden Gehälter und auch die Medien eine viel größere Rolle für die Sportverbände als die medizinische Vernunft.» 

Analgetika sind auch unter Amateuren ein Problem

Eine nicht repräsentative Umfrage zum Schmerzmittelkonsum im Amateurfußball unter 1.142 Fußballspielern von «Correctiv» zeigt, dass nicht unbedingt das große Geld eine Rolle spielt. Von den Befragten gaben 47 Prozent an, mehrfach in einer Saison zu Schmerzmitteln zu greifen; 21 Prozent nahmen sie einmal pro Monat oder öfter.

«Schockierend ist, dass es auch im Amateurfußball passiert», sagte DFB-Präsident Fritz Keller der ARD. «Ich wusste, dass das Problem besteht, aber das präventiv einzunehmen, ist einfach Dummheit.» Er wolle nun über die Landesverbände und über die Trainer eine Sensibilisierung schaffen. Denn der Sport im Amateurbereich sei «zur Gesunderhaltung gedacht und nicht dafür, dass man sich kaputt macht», betonte Keller.

Auch der Leitfaden der Bundesapothekerkammer zum Arzneimittelmissbrauch verweist auf den weit verbreiteten Analgetika-Konsum im Spitzen- und Freizeitsport, vor allem bei Ausdauersportarten. Darin heißt es: «Eine NSAR-Einnahme erfüllt zwar nicht die Legaldefinition des Dopings, Gesundheitsschäden durch den missbräuchlichen Analgetika-/ NSAR-Konsum (darunter gastrointestinale Blutungen, Nierenschäden) sind allerdings zu erwarten.»

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