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Aktionswoche Alkohol
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Alkoholsucht anerkennen – der erste Schritt zur Hilfe

Gemütlich ein Feierabendbier trinken, bei besonderen Anlässen zusammen anstoßen – normal, oder? Die Grenzen zur Alkoholsucht sind fließend. Doch es gibt Kriterien, wann eine Abhängigkeit vorliegt.
AutorKontaktdpa
Datum 17.06.2026  16:00 Uhr

Typisch für eine Abhängigkeit ist, dass Betroffene ihren Konsum herunterspielen – also nach Gründen suchen, weshalb ihr Konsum gar nicht problematisch ist, erklärt Bajram Vuthaj, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Dabei ist es wichtig, die Abhängigkeit anzuerkennen, um einen Weg aus der Sucht herauszufinden. »Der erste Schritt ist, sich einzugestehen, dass man süchtig ist«, sagt Vuthaj, der Chefarzt an der Median Rhein-Haardt-Klinik in Bad Dürkheim ist.

Wann beginnt die Sucht?

Es gibt klare Zeichen, wann eine Abhängigkeit vorliegt, nämlich wenn mindestens drei der folgenden sechs Kriterien im letzten Jahr gleichzeitig erfüllt waren:

  • Sehr starkes Verlangen nach Alkohol, das sich unbezwingbar anfühlt.
  • Es wird mehr getrunken als geplant – regelmäßiger Kontrollverlust.
  • Immer größere Mengen werden benötigt, um dieselbe Wirkung zu spüren – es gibt eine Toleranzentwicklung.
  • Ohne Alkohol gibt es Entzugserscheinungen – bei Verzicht treten etwa Symptome wie Zittern, Schwitzen, Unruhe oder Schlafstörungen auf.
  • Im Alltag geht es nur noch darum, Alkohol zu beschaffen und zu konsumieren – Interessen und Freunde werden vernachlässigt.
  • Obwohl der Konsum gesundheitliche, berufliche oder familiäre Probleme hervorruft, wird weitergetrunken.

Man muss also weder harten Alkohol trinken noch jeden Tag trinken, damit eine Alkoholsucht vorliegt. Entscheidend ist eher, was passiert, wenn der Körper Alkohol bekommt oder eben nicht bekommt.

Keine Frage der Disziplin

Eine Sucht zu überwinden sei auch keine Frage der Disziplin, so Bajram Vuthaj. Vielmehr erfordert dies professionelle Hilfe. Psychosomatische Fachkliniken bieten Vuthaj zufolge spezialisierte Programme an, die Betroffenen helfen, die Ursachen hinter der Sucht zu verstehen und neue Bewältigungsstrategien zu finden. In der Regel übernehmen Rentenversicherungsträger oder Krankenkassen die Kosten für eine solche Therapie. Der Arbeitsplatz bleibt dem Facharzt zufolge währenddessen gesetzlich geschützt.

Bei Sucht können zudem Gespräche in Selbsthilfegruppen helfen. Die Teilnahme daran ist kostenlos, schreibt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen auf ihrer Internetseite zur Präventionskampagne Aktionswoche Alkohol. Der Fokus kann auf unterschiedlichen Zielgruppen liegen – etwa auf Angehörigen, Betroffenen, Jugendlichen oder nur auf Frauen oder Männern – und so besser auf die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingehen. Adressen in der Nähe findet man bei den Sucht-Selbsthilfeverbänden.

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