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Grippeimpfstoff

Apotheker kritisieren Exklusivausschreibung

15.01.2013  18:56 Uhr

Von Anna Hohle / In Westfalen-Lippe haben Apotheker und Ärzte einen Appell an die Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) gerichtet. Da­rin kritisieren sie die erneute Exklusivausschreibung von Grippeimpfstoffen in der Region.

 

Die Krankenkassen in Nordrhein-Westfalen hatten im Dezember entschieden, im gesamten Bundesland nur zwei Zuschläge für die Saison 2013/14 zu erteilen: einen für die Region Nordrhein und einen für Westfalen-Lippe. Diese Praxis werde »im bevölkerungsreichsten Bundesland erhebliche Probleme bereiten«, sagte Klaus Michels, Vorsitzender des Landesapothekerverbands Westfalen-Lippe (LAV).

 

Erst im vergangenen Herbst war es in Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern zu wochenlangen Engpässen gekommen, da der Exklusivhersteller Novartis zugesagte Impfstoffe nicht liefern konnte. Auch andere Pharmaunternehmen hatten den Bedarf zunächst nicht auffangen können.

 

Doch wo Ärzte und Apotheker eine ernste Gefahr für die Impfstoffversorgung in Nordrhein-Westfalen befürchten, rechnen die Krankenkassen nicht mit Problemen. Man habe den Impfstoff exklusiv ausgeschrieben, da dieses Verfahren in der Region »bereits in der abgelaufenen Impfsaison erfolgreich angewendet« worden sei, gab die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen in Westfalen-Lippe in einer Pressemitteilung bekannt. Zwar räumen die Versicherer ein, es gebe »negative Erfahrungen« mit Exklusivverträgen in anderen Bundesländern. Diese Fälle seien jedoch »sorgfältig ausgewertet« und ähnliche Probleme in Westfalen-Lippe durch »verbindliche vertragliche Vorgaben ausgeschlossen« worden, versichern die Kassen.

 

Beim LAV zweifelt man an dieser Prognose. »Produktionsausfälle kann man nicht vertraglich ausschließen«, sagte Geschäftsführer Sebastian Schwintek gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. »Welcher Hersteller verfügt denn über ein ausreichend großes Kontingent an Impfstoff, um in einem solchen Fall eine große Region wie Nordrhein-Westfalen sofort zu versorgen?« Auch Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, warnte: »Je größer das von einem Anbieter zu versorgende Gebiet ist, desto geringer ist die Chance, Ausfälle oder Verzögerungen zu kompensieren.« /

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