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»Spiegel«-Titel

Ärger um Vitaminpräparate

17.01.2012  17:30 Uhr

Von Daniela Biermann / Der aktuelle Titelbeitrag des »Spiegel«-Magazins kritisiert den sorglosen Umgang mit Vitaminpräparaten. Neue Erkenntnisse präsentiert er nicht.

Bereits seit 1994 ist bekannt, dass die Gabe von Betacarotin, einer Vorstufe von Vitamin A, bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko erhöht, statt es zu minimieren. Eine Cochrane-Analyse von 2008 ergab, dass die Einnahme der Vitamine A oder E die Sterblichkeit erhöht. Der zitierte schweizerische Professor für Klinische Epidemiologie und Biostatistik Dr. Peter Jüni geht laut »Spiegel« nach Auswertung dieser Analyse von mehreren Tausend Todesfällen pro Jahr in Deutschland durch Vitaminpräparate aus.

»Das Schadenspotenzial bei langfristiger Einnahme kann man nicht länger ignorieren«, zitiert das Magazin Professor Dr. Jürgen Windeler, Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). »Ich wäre für ein Zulassungsverfahren oder zumindest für ausdrückliche Warnhinweise, damit Patienten wissen, auf was sie sich bei Vitaminpillen einlassen.«

 

Eine ausgewogene Ernährung ist in der Regel vollkommen ausreichend, um den Bedarf an Vitaminen und Spurenelementen zu decken. Der Artikel weist aber auch darauf hin, dass eine Vitaminsupplementation für einige Bevölkerungsgruppen durchaus sinnvoll ist. Zum Beispiel sollten Frauen mit Kinderwunsch und in den ersten Schwangerschaftsmonaten weiterhin Folsäure einnehmen. Kinder unter einem Jahr sollten Vitamin-D-Tabletten erhalten. Dies sei unter Umständen auch bei Personen mit wenig Kontakt zum Sonnenlicht sinnvoll, wie Altenheimbewohner und Musliminnen mit starker Verschleierung inklusive des Gesichts.

 

Zu Recht kritisiert der Artikel die schlechte Studienlage zum Vitamin­ersatz. Zudem sei das evidente Wissen in der Bevölkerung und auch bei vielen Ärzten und Apothekern noch nicht angekommen.

 

Folgt man der sachlichen Kritik, lassen sich folgende Schlüsse ziehen: Vitamin- und Spurenelementpräparate gehören nicht in Supermärkte und Drogerien, sondern, nach entsprechender wissenschaftlicher Überprüfung und Zulassung, in Apotheken. Empfehlungen sollten qualifizierte Fachkräfte indivi­duell und mit Bedacht aussprechen. / 

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