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HIV-Infektionen

Mit freundlicher Unterstützung des Wirtsorganismus

14.01.2008
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HIV-Infektionen

Mit freundlicher Unterstützung des Wirtsorganismus

Von Christina Hohmann

 

Das HI-Virus benötigt mehr als 250 humane Proteine, um sich im menschlichen Körper vermehren zu können. Dies ergab ein Sreening von US-amerikanischen Forschern, die damit eine Fülle von neuen Targets für mögliche HIV-Therapeutika entdeckten.

 

Das HI-Virus ist Minimalist. Sein Genom enthält neun Gene, die für insgesamt 15 virale Proteine kodieren. Die Anzahl der Zielstrukturen für antivirale Medikamente ist somit stark begrenzt. Aufgrund dieser Reduktion auf das Wesentliche muss das Virus menschliche Proteine für seine Zwecke missbrauchen, um sich im Wirt vermehren zu können. Mehr als 40 solcher Moleküle, die vom Virus benutzt werden, waren bislang bekannt. Dr. Stephen Elledge und seine Kollegen von der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, machten sich auf die Suche nach weiteren Proteinen, die dem HI-Virus im Körper helfen.

 

Hierfür verwendeten die Forscher eine Sammlung von etwa 21.000 short interfering RNA-Molekülen (siRNA). Jedes dieser Moleküle blockiert über Interferenz die Produktion eines menschlichen Proteins. Mit diesen siRNA-Molekülen behandelten die Forscher Tausende Ansätze von menschlichen Zellen, sodass jeder Ansatz Zellen enthielt, denen nur ein Protein fehlte. Als Nächstes infizierten die Forscher die verschiedenen Zellkultur-Ansätze mit HIV. Wenn sich das Virus in einem der Ansätze nicht replizieren oder verbreiten konnte, wies es darauf hin, dass das fehlende Protein für den Erreger wichtig ist.

 

Insgesamt 273 menschliche Eiweißmoleküle identifizierten Elledge und seine Mitarbeiter, die das HI-Virus für seine Vermehrung benutzt. Darunter waren eine ganze Reihe von Proteinen, bei denen man einen Zusammenhang mit HIV nicht vermutet hätte, berichten die Forscher im Fachjournal »Science« (Doi: 10.1126/science.1152725). Als Nächstes wollen sie untersuchen, wie die Moleküle mit dem HI-Virus interagieren. Sie alle bieten mögliche Ansatzpunkte für neue HIV-Therapeutika.

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