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Arzneimittelumsatz

Impfstoffe sind Gewinner des Jahres

15.01.2008
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Arzneimittelumsatz

Impfstoffe sind Gewinner des Jahres

Von Daniel Rücker

 

Der Arzneimittelmarkt hat 2007 deutlich zugelegt. Die höhere Mehrwertsteuer ist nur ein Grund dafür. Deutlich gestiegen ist vor allem der Umsatz mit Impfstoffen, so eine Untersuchung des Informationsdienstleisters Insight Health.

 

Die Hersteller der Vakzinen sind die eigentlichen Gewinner des Jahres 2007. Der Umsatz ihrer Präparate hat sich, vor allem wegen gesetzlicher Veränderungen, verdoppelt. Mit rund 1 Milliarde Umsatz nach Herstellerabgabepreisen waren Impfstoffe 2007 die stärkste Medikamentengruppe überhaupt.

 

Insgesamt legte der deutsche Arzneimittelmarkt im vergangenen Jahr nach Herstellerabgabepreisen um eine Milliarde Euro (4,4 Prozent) auf 22,8 Milliarden Euro zu. Im Gegensatz zu den Vorjahren hatte daran auch die Mengenentwicklung einen deutlichen Anteil. Die Hersteller verkauften 1,7 Prozent mehr Arzneimittel als 2006. Motor dieser Entwicklung waren mit einem Umsatzplus von 3,4 Prozent die verschreibungspflichtigen Medikamente.

 

Neben den Impfstoffherstellern gehörten die Reimporteure zu den großen Gewinnern des vergangenen Jahres. Sie steigerten laut Insight Health ihren Umsatz um mehr als 20 Prozent und haben nun einen Umsatzanteil am gesamten Apothekenmarkt von 8,9 Prozent.

 

Aber auch die Hersteller patentgeschützter Arzneimittel mussten nicht darben. Ihre Medikamente legten 2007 um 16,8 Prozent zu. Mit einem Gesamtumsatz von knapp 7,6 Milliarden Euro nach Herstellerabgabepreisen machen sie ein Drittel des gesamten Apothekenmarkts aus. Dagegen verloren die Generika um 2,6 Prozent und liegen nun bei 5,2 Milliarden Euro. Nach Angaben des Branchenverbandes Progenerika kommen sie nach Verordnungen auf einen Marktanteil von 57 Prozent, das waren 341 Millionen Packungen.

 

Progenerika beklagt für die Hersteller von Nachahmerpräparaten einen in Deutschland stagnierenden Markt. Geschäftsführer Peter Schmidt prognostiziert deshalb für seine Branche einen Stellenabbau, zumal die Rabatte der Generikahersteller an die Kassen in den Berechnungen noch nicht berücksichtigt seien.

 

Deutlich höher fällt das Wachstum des Arzneimittelmarktes für 2007 aus, betrachtet man die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung, also die Apothekenabgabepreise abzüglich Kassenrabatt. Nach Berechnungen der ABDA stiegen sie in den ersten elf Monaten 2007 um 8,5 Prozent. Rechnet man die Mehrwertsteuer heraus, liegt die Steigerung freilich nur noch bei 5,8 Prozent. Ohne den politisch initiierten Anstieg der Impfstoffe sind es sogar nur 4 Prozent. Und auch diese Zahl ist noch zu hoch, denn die von den Krankenkassen bei Herstellern ausgehandelten Rabatte werden bei diesen Berechnungen nicht berücksichtigt. Für 2007 rechnet die ABDA insgesamt mit einem Anstieg der GKV-Ausgaben für Arzneimittel und Impfstoffe um rund 8 Prozent. Ziehe man den Anstieg der Impfstoffausgaben ab, dann liege man in etwa bei der von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigung vereinbarten Steigerung von 6,1 Porzent.

 

Neben den Generikaherstellern können auch die Großhandlungen mit der Marktentwicklung nicht zufrieden sein. Nach Angaben von Insight Health hält nämlich der Trend zum Direktgeschäft zwischen Pharmaherstellern und Apotheken weiter an. Der Umsatz von direkt an die Apotheken gelieferten Arzneimitteln stieg im vergangenen Jahr um 12,2 Prozent. Am deutlichsten fiel der Zuwachs mit 63,5 Prozent erwartungsgemäß bei teuren, patentgeschützten Medikamenten aus. Das Direktgeschäft hat hier mittlerweile einen Marktanteil von 11 Prozent.

 

Zuwachs bei Innovationen

 

Zugelegt hat allerdings auch das Großhandelsgeschäft mit patentgeschützten Arzneimitteln. Es stieg um 12,7 Prozent. Absolut ist der Zuwachs damit noch ein wenig größer als im Direktgeschäft. Das weniger attraktive Geschäft mit Generika überlassen die Hersteller dagegen gerne dem Großhandel. Hier sank der Umsatz sogar um 15,3 Prozent. Der Pharmagroßhandel beklagt diese Entwicklung schon längere Zeit. Seine Spanne ist umsatzabhängig. An teuren Arzneimittelpackungen verdienen die Zwischenhändler deutlich mehr als an preiswerten. Wenn den Großhandlungen nur noch die preiswerten Packungen bleiben, dann gehe die Mischkalkulation nicht mehr auf, kritisiert der Chef des Bundesverbands des pharmazeutischen Großhandels, Phagro, Thomas Trümper, in einem PZ-Interview (siehe dazu Perspektiven 2008: Was bringt das neue Jahr?).

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