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Brustimplantate

Silikon ist nicht alles

10.01.2012
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Von Maria Pues / Den Verlust einer Brust empfinden viele Frauen mit Brustkrebs als Verletzung ihrer körperlichen Integrität und daher als sehr traumatisch. Doch nach einer Amputation bestehen verschiedene Optionen, die weibliche Brust wiederherzustellen. Silikon ist dabei nur eine Möglichkeit.

Bei der Behandlung von Brustkrebs hat es in den vergangenen Jahren große Fortschritte gegeben. In mehr als zwei Dritteln der Fälle kann die Brust heute zumindest teilweise erhalten bleiben. Wird nach der Therapie eine Rekon­struktion der weiblichen Brust notwendig, stehen auch dafür inzwischen unterschiedliche Methoden und Materialien zur Verfügung. Nicht selten kommen Silikonimplantate zum Einsatz. Diese sind gerade wegen der beispiellosen Rückrufaktion eines französischen Herstellers in die Schlagzeilen geraten (lesen Sie dazu Billigimplantate: Vorsicht, aber keine Panik).

 

Individuelle Entscheidung

 

Welches Verfahren sich im Einzelfall am besten eignet, müssen Arzt und Patientin gemeinsam entscheiden. Körperliche Voraussetzungen wie Größe der Brust, Narben- und Gewebeverhältnisse oder Körpergewicht der Patientin sowie medizinische Erfordernisse wie geplante Bestrahlungen müssen, individuelle Wünsche und Ängste der Patientin können dabei berücksichtigt werden.

Nicht jede Frau wünscht eine plastisch-chirurgische Rekonstruktion der Brust, sei es aus Angst vor weiteren Operationen, Misstrauen gegenüber Implantat-Materialien oder aus anderen Gründen. Während viele Patientinnen Brust-Prothesen, die in den BH eingelegt werden, bald nach einer Amputation der Brust verwenden, entscheiden sich einige, dies auch weiterhin zu tun und auf Operationen zur Rekon­struktion der Brust zu verzichten. Diese Prothesen bestehen wie viele Implantate aus Silikongel-Kissen. Sie werden in spezielle BHs eingelegt und können auch bei körperlicher Arbeit, beim Sport oder Schwimmen getragen werden, da das flexible Material sich an die Bewegungen anpasst.

 

Eine operative Rekonstruktion der Brust kann zeitgleich mit der Tumor-Opera­tion erfolgen, aber auch noch zu einem späteren Zeitpunkt. Manche Frauen wünschen einen möglichst unmittelbaren Einsatz eines Implantats, andere eher Bedenkzeit und Abstand, um in Ruhe eine Entscheidung zu treffen. Mögliche Materialien zum Brustaufbau sind wiederum Silikon, aber auch körpereigene Gewebe. Beide haben Vor- und Nachteile.

 

Am häufigsten kommen Silikonimplantate zum Einsatz. Sie eignen sich zum Aufbau kleiner bis mittelgroßer Brüste, nicht aber für große. Ihr Vorteil besteht in einer zumeist unkomplizierten Operation: Wenn ein Hautmantel der Brust erhalten werden kann, kann das Silikonimplantat einfach unter die Haut geschoben werden. Ist die Haut zu straff, wird sie zunächst mithilfe von Expandern gedehnt. Diese bestehen aus einem kleinen Beutel, der leer unter die Haut gebracht und nach und nach mit Kochsalzlösung aufgefüllt wird. Ist die Haut ausreichend gedehnt, wird der Kochsalzbeutel in einer zweiten Operation durch das Silikonimplantat ersetzt.

 

Nachteile des Materials bestehen darin, dass es vom Körper als fremd erkannt und mit Bindegewebe umgeben wird. Dies kann zu Spannungen und Verhärtungen führen. Im Extremfall wird das Implantat deformiert, was auch äußerlich sichtbar werden kann. Das Implantat muss dann durch ein neues ersetzt werden. Auch die betroffenen Frauen selbst empfinden das Material zuweilen als körperfremd, sie beschreiben es als »kalt«.

 

Medizinische Gründe, die gegen den Einsatz von Silikonimplantaten sprechen, sind geplante Bestrahlungen, da dabei zumeist die Elastizität der Haut abnimmt und Spannungen auftreten können. Jüngere Patientinnen müssen zudem damit rechnen, dass das Implantat im Laufe der Jahre ersetzt werden muss.

 

Silikon gut verträglich

 

Studien bescheinigen Silikonimplantaten im Allgemeinen eine gute Verträglichkeit. Auch eine befürchtete Zunahme an Brustkrebs-Rezidiven konnte bei ihrer Verwendung nicht festgestellt werden. Allerdings wies im vergangenen Jahr die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA auf einen möglichen Zusammenhang mit dem sehr seltenen anaplastischen großzelligen Lymphom (ALCL) hin. Laut einer Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie belief sich die Zahl der weltweit registrierten Fälle auf 34, in Deutschland wurde bislang ein Fall gemeldet. Die Gesellschaft warnt vor unüberlegtem Handeln und rät Patientinnen, die ärztlichen Kontrollen wie geplant wahrzunehmen.

 

Weder als fremd noch als kalt empfinden Patientinnen Implantate aus körpereigenen Geweben. Bei diesen werden Muskel-, Fett- und/oder Hautgewebe, meist vom Bauch, Rücken oder Oberschenkel entnommen und in die Brust eingesetzt.

 

Abwehrreaktionen wie gesteigertes Bindegewebswachstum treten nicht auf. Ein möglicherweise notwendiger Wechsel eines gealterten Implantates entfällt, und auch eventuelle spätere Bestrahlungen bereiten keine Schwierigkeiten. Daneben eignet sich das Verfahren – unter Umständen in Kombination mit Silikonimplantaten – auch zum Aufbau größerer Brüste.

 

Allerdings sind Operationen zum Brustaufbau mit körpereigenen Geweben deutlich aufwendiger als solche zum Einbringen von Silikonimplantaten. So müssen unter Umständen Blutgefäße bei der Entnahme getrennt und beim Einsetzen des Transplantats wieder zusammengefügt werden. Auch der Heilungsverlauf benötigt mehr Zeit als bei der Silikonimplantation.

 

Mit Schwierigkeiten müssen die Chirurgen zuweilen bei sehr schlanken Frauen rechnen, denn bei ihnen müssen sie mangels ausreichenden Körperfetts vermehrt auf Muskelmasse zurückgreifen. An der Entnahmestelle des Gewebes an Bauch oder Rücken können neben unschönen Narben Bewegungsprobleme auftreten, wenn ein Teil des Muskelgewebes fehlt.

 

Reizvoll erscheint da eine Opera­tionsmethode, bei der ausschließlich (meist) überschüssiges Fett abgesaugt und zum Brustaufbau eingesetzt wird. Dieses Verfahren wurde in Deutschland allerdings erst sehr selten und dann meist im Rahmen von Studien eingesetzt. Bisherigen Einzelfallbeschreibungen zufolge sind mehrfache Injektionen notwendig, da der Organismus einen Teil des Fetts wieder abbaut. Langzeiterfahrungen fehlen noch. / 

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