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Warzen

Leben undercover

11.01.2011
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Von Maria Pues / Warzenviren schleichen sich ein, meist ohne dass das Immunsystem Notiz davon nimmt. Sie bewohnen ihren Wirt vollkommen unbehelligt – manchmal über Monate, bis sich eines Tages an der Eintrittspforte auf der Haut ein kleines Gebilde zeigt. Oder mehrere.

Sie stören. Manchmal stören sie nur kosmetisch. Warzen auf der Fußsohle (Verrucae plantares) können jedoch auch schmerzen – und das buchstäblich auf Schritt und Tritt. Häufig handelt es sich dabei um Dornwarzen. Diese bilden sich oft in der Hornhaut unter den Zehen oder auf dem Fußballen, wenn auf diese ein starker Druck lastet. Dornwarzen können tief nach innen wachsen. Ihr Durchmesser im Innern kann daher erheblich größer sein als der des äußerlich sichtbaren Teils. In manchen findet man bei genauem Hinsehen kleine dunkle Pünktchen – die Folgen minimaler Einblutungen. Dadurch lassen sie sich von Hühneraugen unterscheiden.

Bei Warzen auf der Fußsohle kann es sich zudem um Mosaikwarzen handeln. Im Gegensatz zu Dornwarzen verursachen diese eher oberflächlichen Gebilde selten Beschwerden. Während Dornwarzen zumeist einzeln auftreten, bilden Mosaikwarzen zuweilen ganze Ansammlungen stecknadelkopfgroßer Warzen von weißlicher Farbe. Und: Auch gewöhnliche Warzen (Verrucae vulgaris) siedeln gelegentlich auf Fußsohlen. Sie wachsen nach außen und zeigen an der Oberfläche ein blumenkohlartiges Aussehen.

 

Erhöhte Warzenwahrscheinlichkeit

 

Dass eine Schmierinfektion Ursache der trockenen Hautgebilde sein soll, leuchtet einem Laien meist nicht auf Anhieb ein, selbst wenn er vom viralen Ursprung der Warzen schon einmal gehört hat. Die Erreger dringen durch minimale Läsionen in die Haut ein. Wo man sich infiziert hat, lässt sich im Nachhinein nur schwer sagen. In Frage kommen vor allem die »üblichen Verdächtigen«: Schwimmbäder, Saunen, Badematten. Die durch die Feuchtigkeit mazerierte Haut ist für Warzenviren ein leicht einzunehmendes Gelände. Weniger im Fokus, aber ebenso wichtig: Schweißfüße. Badelatschen können daher in Hallenbädern wie in Hotelzimmern vor Warzenviren ebenso schützen wie eigene Handtücher für jedes Familienmitglied oder eine Behandlung der schwitzenden Füße mit Antitranspiranzien.

Steckbrief Warzenviren

Auslöser der Warzen sind humane Papillomaviren (HPV), von denen man bisher mehr als 110 verschiedene Typen unterschiedlicher Pathogenität kennt. Sie gehören zu den unbehüllten doppelsträngigen DNA-Viren. Verrucae vulgares werden von den HPV-Typen 1 bis 4 verursacht, Verrucae plantares von den HPV-Typen 1, 2 und 4. Man zählt sie zu den ‚low-risk’ HPV. Die Erreger dringen durch Kontakt- oder Schmierinfektion in die Zellen der obersten Hautschicht ein und vermehren sich in deren Zellkernen. Sie gelangen nicht ins Blut. Eine Weiterverbreitung kann daher vor allem durch – auch unblutiges – Kratzen erfolgen, indem virenhaltiges Zellmaterial verbreitet wird.

Und wie wird man sie wieder los, wenn man sie hat? Die Wirksamkeit – oder besser: eine Unwirksamkeit – von Warzenbehandlungen lässt sich durch Studien oft nur schwer belegen. Denn gerade Warzen sprechen auf eine Suggestionsbehandlung oft recht gut an. Handauflegen, Zaubersprüche, geheime Wundermittel von der Urururgroßmutter sind vor allem bei Kindern zumindest einen Versuch wert. Außer einem Therapieversagen muss man dabei mit keinerlei Nebenwirkungen rechnen. Häufig hilft auch schlichtes Abwarten. Die Hälfte der Warzen verschwindet auch ohne Behandlung im Verlauf von zwei Jahren.

Nicht jeder kann oder möchte auf eine Spontanheilung warten. Bewährt haben sich in diesen Fällen Hornhaut lösende Pflaster (zum Beispiel Guttaplast®) oder Tinkturen (zum Beispiel Verrucid® oder Collomack topical®), die auch bei Hühneraugen Verwendung finden. Sie enthalten Salicylsäure (mit oder ohne Milchsäure). Geduld ist dabei von Nöten, denn man muss die Hornhaut nach und nach Schicht für Schicht lösen. Die Lösungen müssen daher über mehrere Tage regelmäßig angewendet werden. Auf gleiche Weise wirkt ein Präparat mit Monochloressigsäure (Acetocaustin®). Dieses besitzt den Vorteil, nur einmal wöchentlich angewendet werden zu müssen. Neben der keratolytischen Wirkung ist auch die Induzierung einer Immunreaktion durch eine säurebedingte Reizung als Wirkmechanismus denkbar.

 

Ebenfalls über längere Zeit, aber dreimal täglich muss man eine verschreibungspflichtige Lösung mit dem Zytostatikum 5-Fluorouracil (Verrumal®) dünn aufpinseln. Dabei entsteht ein Film, der vor der nächsten Behandlung entfernt werden sollte. Der Wirkstoff wird von virusgeschädigter Haut stärker aufgenommen als von gesunder. Er führt zu Wachstumsstörungen der befallenen Zellen und einer Reduktion der Virusvermehrung. Zum Schutz der umliegenden Haut kann man Vaseline auftragen.

 

Warzen gefrieren lassen

 

Ärzten steht ferner eine Vereisungstherapie zur Verfügung, bei der vorzugsweise flüssiger Stickstoff (Siedetemperatur -196 °C) eingesetzt wird. Dabei kommt es meist zu einer Entzündungsreaktion mit Blasenbildung und anschließender Nekrotisierung der behandelten Hautfläche. Bei Warzen an den Händen genügt meist eine einmalige Behandlung, bei Plantarwarzen muss sie häufig wiederholt werden. Für die Selbstmedikation stehen verschiedene Mischungen zur Verfügung, zum Beispiel Dimethyl­ether/Propangas (Wartner®) oder Dimethylether/Isobutan/Kohlenwasserstoffe/Propan (Scholl Freeze Warzenentferner®).

 

Bei Wartner® wird durch einen Sprühkopf ein Schaumstoffapplikator mit dem Flüssiggasgemisch getränkt, der dann auf die Warze platziert wird. Je nach Warzenart, -größe und -lage wird der Applikator für 10 bis 40 Sekunden auf die Warze gehalten. Dabei kommt es zu einer Temperatur von minus 57 Grad Celsius. Durch die Vereisung entsteht unter der Warze ein Bläschen, das sich abhebt und im Laufe einiger Tage von allein abfällt. Darunter hat sich inzwischen neue, gesunde Haut gebildet. Bei Fußwarzen gilt es, ein paar Besonderheiten zu beachten: Zum einen sind die Warzen hier oft von Hornhaut bedeckt. Diese sollte vor der Behandlung entfernt werden. Zum anderen sollte die Warze nach der Behandlung geschützt werden.

Begleitende Maßnahmen

nicht rauchen

übermäßiges Schwitzen reduzieren, vor allem an Händen und Füßen

nach der Warzenbehandlung sorgfältig die Hände waschen

Kratzen an den Warzen vermeiden

Handtücher nicht gemeinsam benutzen

in Schwimmbad, Sauna und Duschen des Fitnessstudios Badelatschen tragen

Füße nach dem Baden oder Duschen sorgfältig abtrocknen

auch im Hotelzimmer nicht barfuß laufen

 

Nicht alle Warzen sind für die Selbstmedikation geeignet. Warzen an den Genitalien, am Hals oder im Gesicht sollten grundsätzlich vom Arzt behandelt werden. Auch bei Kindern unter vier Jahren und Personen mit schlechter Durchblutung und/oder gestörter Wundheilung (zum Beispiel Diabetiker) ist von einer Selbstmedikation abzuraten. Zudem gilt: Wer sich nicht ganz sicher ist, ob es sich um eine Warze beziehungsweise um welche Warzenart es sich handelt, sollte ebenfalls ärztlichen Rat einholen. Nur der Arzt kann ausschließen, dass es sich um eine bösartige Hautveränderung handelt. / 

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