Pharmazeutische Zeitung online

Keine Zeit für Pausen

03.01.2017  11:15 Uhr

Liebe Kollegen, ich wünsche Ihnen und allen Mitarbeitern in unseren ortsnahen Apotheken ein frohes und glückliches neues Jahr. Um es gleich vorweg zu sagen: Das Jahr 2017 wird berufspolitisch schwierig, vielleicht sogar besonders schwierig. Die Arzneimittelversorgung in Deutschland und damit große Teile des deutschen Gesundheitssystems stehen vor einer großen Herausforderung. Der Gesetzgeber hat über die Frage zu entscheiden, ob der Gesundheitsbereich, der bislang in der alleinigen Entscheidungskompetenz der nationalen Gesetzgebung lag, zukünftig dem Europarecht Vorrang gewährt. Einfacher formuliert: Soll ein einseitiger Preiswettbewerb den Vorrang haben vor einer flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung durch heilberuflich orientierte Apotheker?

 

Das Bundesgesundheitsministerium hat bereits eine Antwort auf diese Frage gegeben. Es legte 14 Tage vor Weihnachten einen Gesetzentwurf vor, der den Versandhandel mit Arzneimitteln auf ein europarechtskonformes Maß zurückführt. Es greift dabei die von uns angeführten, guten Argumente für den Erhalt einer flächendeckenden Versorgung durch die ortsnahen Apotheken auf. Wir brauchen dieses Gesetz! Unsere Republik braucht dieses Gesetz! Wir müssen nun diejenigen von seiner Sinnhaftigkeit überzeugen, die noch unentschlossen sind. Daran werden wir hartnäckig und unverdrossen arbeiten. Wir streiten für ein gutes System – und ich danke allen von Ihnen, die sich bei dieser wichtigen Aufgabe engagieren. Unsere Landes- und Bundesver­bände können hier voll auf die Geschlossenheit des Berufsstandes setzen.

 

Wechseln wir den Blickwinkel: Die Einführung eines Abgabehonorars sowie die Erhöhung des Arbeitspreises für individuell hergestellte Rezepturen und die Erhöhung der BtM-Dokumentationsgebühr sind für mich gute Signale, dass die pharmazeu­tischen Leistungen, die wir Apotheker täglich unter Beweis stellen, auch wirtschaftlich stärker gewürdigt werden. Auch in die ungute Entwicklung, die Versorgung mit Zyto­statika zentral auszuschreiben, ist Bewegung gekommen und das setzt Signale, dass die pharmazeutische Leistung auch in diesem Bereich als unverzichtbar anerkannt wird. Diese Signale zeigen, wie anerkannt unsere Leistungen sind.

 

Ich erfahre in vielen politischen Gesprächen, dass diese Anerkennung da ist. Sie geht mir aber nicht weit genug. Wir können mehr, als wir dürfen! Deshalb brauchen wir auch Rechtssicherheit bei Dienstleistungsverträgen, um unsere bereits vorhandenen, aber (noch) nicht abgerufenen Stärken zum Wohl unserer Patienten noch stärker ausspielen zu können.

 

2017 ist auch das Jahr der Bundestagswahl. Wichtige politische Entscheidungen müssen deshalb deutlich vor der Wahl unter Dach und Fach sein, um nicht Gefahr zu laufen, im Wahlkampf oder in der Zeitstruktur unter die Räder zu kommen. Das bedeutet: Wir haben keine Zeit für eine Pause, wir müssen unsere wichtigen poli­tischen Forderungen vortragen und für sie zu kämpfen. Pause machen wir später!

 

Fritz Becker

Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV)

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