Pharmazeutische Zeitung online
Firmenporträt

Hermes bleibt der Apotheke treu

03.01.2012
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Von Brigitte M. Gensthaler, Großhesselohe / Eine mehr als 100-jährige Firmengeschichte und ein halbes Jahrhundert Spezialist für Brausetabletten: Die mittelständische Firma Hermes Arzneimittel in Großhesselohe bei München setzt auf Tradition und Kompetenz. Und auf Apothekenexklusivität.

Nahezu jeder Apotheker denkt beim Stichwort Hermes spontan an Vitamin-Brausetabletten. Tatsächlich ist diese Arzneiform, die die Firma 1960 auf den Markt gebracht und seitdem stetig weiterentwickelt hat, ein Klassiker im Produktportfolio.

Doch auch andere Eigenmarken wie Optovit, Biolectra, Cevitt und Superpep klingen vertraut, gehören sie doch seit Jahren, teilweise Jahrzehnten, fest zum Sortiment der Apotheke. »Konstanz ist uns wichtig«, betont Geschäftsführer Jörg Wieczorek im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung (PZ).

 

Inhabergeführt in der dritten Generation

 

Konstanz zeigt auch die Firmengeschichte. Das 1907 von Franz Gradinger in München gegründete Unternehmen wird in dritter Generation vom Inhaber geführt. Seit 1970 leitet Johannes Burges die Geschicke der Firma, die heute die Geschäftsbereiche OTC und Pharma umfasst. Bei Hermes OTC werden Arzneimittel, diätetische Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Dermopharmazeutika entwickelt und vermarktet – streng apothekenexklusiv. Es gehe nicht darum, kurzfristig mehr Umsatz zu generieren, erläutert Wieczorek die Strategie. »Wir sind vielmehr überzeugt, dass die Beratung durch das Apothekenpersonal wichtig ist. Wir wollen die Apothekenexklusivität unserer Produkte unter allen Umständen beibehalten.«

 

Als Beispiel, wie ernst es dem Unternehmen damit ist, nennt er das Insekten-Repellent Anti-Brumm. Seit 2011 besteht eine Vermarktungskooperation zwischen Hermes und der schweizerischen Vifor Pharma. Fester Bestandteil der Vereinbarung sei es, dass Anti-Brumm in Deutschland ausschließlich in Apotheken vertrieben wird. Das hat sich gelohnt: »Wir haben den Umsatz vom Drogeriemarkt in die Apotheken gezogen«, sagt Wieczorek stolz.

 

Die Eigenmarken belegen in ihren Segmenten Spitzenplätze: Optovit ist nach Firmenangaben Marktführer bei den Vitamin-E-Präparaten, Biolectra und Cevitt rangieren unter den »Top 5«. Die neue Marke »doc«, die 2009 zugekauft wurde, habe mit dem Ibuprofen-Schmerzgel auf Anhieb Platz 4 der topischen Analgetika besetzt.

 

Dank der großtechnischen Nutzung einer patentierten Granulationstechnik seit den 1960er-Jahren produziert Hermes nicht nur hochwertige Eigenmarken, sondern ist heute einer der größten Entwickler und Hersteller von anwenderfreundlichen Darreichungsformen für andere Pharmaunternehmen in Europa.

Der 1989 gegründete Geschäftsbereich Hermes Pharma bietet Leistungen von der Entwicklung bis zum kompletten Life-Cycle-Management von Produkten.

 

Mehr als eine Milliarde Brausetabletten im Jahr

 

Hermes Pharma produziert etwa 220 verschiedene Produkte für circa 100 Firmenkunden. Im Jahr 2010 verließen rund 1,183 Milliarden Brausetabletten, 351 Millionen Sachets, 100 Millionen Kautabletten und 13 Millionen Arznei-Kaugummis die Produktionswerke im bayerischen Wolfratshausen und in Wolfsberg in Österreich – hergestellt nach den strengen Richtlinien des Good Manufacturing Practice. Die Exporte gehen in mehr als 20 Länder weltweit.

 

Die galenische Forschung hat getreu der Firmenphilosophie »Fortschritt aus Tradition« einen hohen Stellenwert im Unternehmen.

 

Die etablierte Brausetechnologie auf neue Wirkstoffe anzuwenden und passgenaue Arzneiformen auch für Dritte zu entwickeln, sei eine wichtige Aufgabe und verschaffe Wettbewerbsvorteile, sagt Geschäftsführer Wieczorek. Zu den neuen Entwicklungen gehören die Solitab®-Technologie zur Herstellung von festen Peroralia, die sich im Mund rasch auflösen (orally disintegrating tablets), sowie »direct«-Rezepturen mit Granulaten und Micro­pellets.

 

Das kommt den Verbraucherwünschen entgegen: Die in Sticks portionierten Granulate und Pellets kann man direkt auf die Zunge geben und ohne Flüssigkeit schlucken.

 

Drei Dutzend Apotheker arbeiten bei Hermes

 

In den vergangenen Jahren wurden die Bereiche Forschung und Service stark ausgebaut, berichtet der Geschäftsführer. »Heute sind dreimal mehr Mitarbeiter in Entwicklung und Produktsicherung tätig als im Marketing.« Etwa 30 bis 40 Apotheker gehören zu den rund 600 Hermes-Mitarbeitern. Nach seiner Prognose für die Apotheke befragt, ist Wieczorek optimistisch. Apothekenketten hält er für unrealistisch. »Die inhabergeführte Apotheke wird bleiben und eventuell sogar an Bedeutung gewinnen.«

 

Überleben mit Premiumartikeln

 

Sie werde ihren Schwerpunkt OTC wesentlich verstärken und könne mit Premiumartikeln, aber nicht mit Ramschware überleben. Von den Apothekern wünscht er sich, dass sie Familienunternehmen unterstützen, denn »wir sitzen im selben Boot!« Auch den zukünftigen Weg der Firma hat Wieczorek klar vor Augen. »Hermes wird den Erfolgsweg der letzten Jahre fortsetzen und im OTC-Bereich weiterhin zu den Top 15 in Deutschland gehören. Und: wir bleiben zu 100 Prozent der Apotheke treu!« /

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