Pharmazeutische Zeitung online
Großhandel

»Es gibt kaum noch Spielraum«

12.01.2016
Datenschutz bei der PZ

Von Daniel Rücker / 2015 war für den Pharmagroßhandel ein durchwachsenes Jahr. Für 2016 erwartet Wilfried Hollmann keine Verbesserung für die Branche. Der Noweda-Vorstandsvorsitzende fordert deshalb ein Ende des Preismoratoriums.

PZ: Bei der Generalversammlung im November haben Sie sich ziemlich zufrieden mit dem Geschäftsjahr gezeigt. Warum ist 2015 so gut für die Noweda gelaufen?

 

Hollmann: Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Es gibt dafür verschiedene Gründe. Es spielt eine Rolle, dass wir eine Genossenschaft und sehr kundenorientiert sind. Der Apotheker steht bei uns absolut im Mittelpunkt und das spüren die Apotheker. Wir stehen zu 100 Prozent zur inhabergeführten Apotheke. Aber wir stehen nicht für obskure Vertriebsformen und nicht für Bestrebungen, die nicht zur inhabergeführten Apotheke passen.

 

Die Noweda versteht sich auch nicht als Pharmagroßhandel, sondern als apothekereigenes Wirtschaftsunternehmen mit der Kernkompetenz Großhandel. Wir haben ein zweites Standbein als Serviceunternehmen für Apotheker und ein drittes als Interessensvertretung der Apotheken. Wir sind unserer Eigentümerschaft verpflichtet.

 

PZ: Das sehen die anderen Großhändler nicht so wie Sie?

 

Hollmann: Ich sehe da schon Unterschiede. Es gibt im Markt Unternehmen, die in anderen Ländern Apothekenketten betreiben. Es stellt sich die Frage, was diese Unternehmen täten, wenn Fremdbesitz in Deutschland erlaubt wäre. Viele Apothekerinnen und Apotheker haben die Konsequenzen längst erkannt.

 

PZ: Welche Erwartungen hat die Noweda für 2016? Wird das Jahr noch besser als 2015?

 

Hollmann: Ich erwarte eine Seitwärtsbewegung. Es wird vermutlich keine großen Veränderungen im Markt geben. Wir rechnen mit einem akzeptablen Ergebnis. Dazu wird unsere neue Niederlassung in Böblingen beitragen. Außerdem wollen wir unseren Kunden neue Dienstleistungen anbieten. Sie werden die Noweda bei Apothekern noch attraktiver machen.

 

PZ: Was sind Ihre neuen Services?

 

Hollmann: Dazu kann ich aktuell noch nichts sagen. Wir haben uns noch nicht entschieden, in welcher Reihenfolge wir neue Services und Dienstleistungen unseren Kunden konkret anbieten.

 

PZ: Wie wird sich aus Ihrer Sicht der Markt insgesamt 2016 entwickeln?

 

Hollmann: Ich erwarte beim Umsatz ein Marktwachstum von 3 bis 4 Prozent, getragen von der Zunahme hochpreisiger Arzneimittel - allerdings bei stagnierender Packungszahl. Dies ist für den Großhandel ein Problem, denn die Hochpreiser lassen unsere Handelsspanne immer schneller sinken. Vor zwei Jahren hatten wir bei Rx noch eine Spanne von fast 5 Prozent. Jetzt liegt sie bei 4,5 Prozent. In den kommenden Jahren wird der Anteil hochpreisiger Arzneimittel ziemlich sicher weiter steigen. Das betrifft ebenfalls, wenn auch abgeschwächt, die Apotheken.

 

Ein weiteres Problem für den Großhandel ist das Antikorruptionsgesetz. Es gibt eine große Unsicherheit, welche Konsequenzen das Gesetz für die Geschäftsbeziehungen und die Konditionen zwischen Großhandel und Apotheker haben wird. Der Gesetzgeber hat bislang nicht ausreichend erklärt, was er eigentlich will. Betroffen sind Rabatte, Skonti und das Direktgeschäft. Apotheker werden in der Zukunft sehr gut begründen müssen, warum sie ein bestimmtes Medikament bevorzugt abgeben, vor allem, wenn sie es beim Hersteller zu guten Konditionen gekauft haben. Wir müssen unbedingt klare Regeln bekommen. Abschließend bewerten können wir das Gesetz erst, wenn es eine endgültige Fassung gibt.

 

PZ: Welche Möglichkeiten hat der Großhandel, die wenig befriedigende Gewinnsituation zu verbessern?

 

Hollmann: Beim Gewinn haben wir nur sehr begrenzten Spielraum. Natürlich kann mehr Umsatz auch das Ergebnis verbessern. Der Effekt ist aber klein. Das Preismoratorium verhindert Preissteigerungen und damit Preisgewinne und die Noweda ist bereits Kostenführer. Spielraum gibt es kaum noch.

 

Zusammen mit den Herstellern fordert die Noweda die Abschaffung des Preismoratoriums. Es kann nicht sein, dass der Gesetzgeber langfristig die Preise festsetzt. Das passt einfach nicht in unsere Wirtschaftsordnung. Das sieht übrigens auch der nicht ganz unbedeutende Industrie- und Handelskammertag so.

 

PZ: Wie stehen die Chancen auf ein Ende des Moratoriums?

 

Hollmann: Ich bin zuversichtlich. Es gibt keinen Grund, es weiter zu führen, denn Gesundheitsfonds und Krankenkassen haben ein großes finanzielles Polster, auch wenn die Finanzierung in 2016 eine Delle erfahren sollte. Warten wir ab, ob es das angekündigte Defizit am Jahresende tatsächlich gibt. Die Kassen haben kein finanzielles Problem. Wir werden deshalb nicht locker lassen, was das Preismoratorium angeht.

 

PZ: Die Apotheker sind in diesem Jahr mit ihren Honorarforderungen bei der Politik nicht wirklich weitergekommen. Machen Sie sich Sorgen um Ihre Geschäftspartner?

 

Hollmann: Um den Großteil der Apotheker mache ich mir keine Sorgen. Die wirtschaftlichen und geschäftlichen Rahmenbedingungen der Apotheker sind in Ordnung. Haben Apotheker Probleme, liegt dies oft am Standort, manchmal auch am Alter des Apothekers, der nicht mehr investieren will.

 

Dennoch halte ich die Honorierung der Apotheker für die gesellschaftliche Aufgabe der Sicherstellung der Arzneimittelversorgung nicht für angemessen. Ein Honorar von 8,35 Euro ist nicht gerecht, es müsste über 9 Euro liegen. Ich hoffe, dass die Politik dies erkennt. Dazu gehört auch, dass die Apotheker ihren Wert, ihren Nutzen der Gesellschaft noch deutlicher machen und – ganz wichtig – dass sie Arzneimittel nicht verramschen.

 

PZ: Rechnen Sie angesichts der wenig erfreulichen Lage mit größeren Veränderungen im Großhandelsmarkt?

 

Hollmann: Ich sehe dafür keinen Anlass. Wir haben in Deutschland zwölf Großhändler, wovon fünf 90 Prozent des Marktes haben. Eine weitere Konzentration würde den Markt vermutlich kaum verändern. Ich wünsche mir, dass der mittelständische, private Großhandel seine Bedeutung behält. In ihren Regionen haben sie eine große Bedeutung. Das Zusammenspiel von privatem Großhandel und Genossenschaft sehe ich als ideal für die deutschen Apotheker. Gleichzeitig müssen wir natürlich auch den Wettbewerb im Markt erhalten. Dieser Wettbewerb ist gut für die Apotheker. Alles, was für Apotheker gut ist, ist auch für die Noweda gut. /

Mehr von Avoxa