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FIP-Kongress

Wir sind Gastgeber

06.01.2015
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Von Sven Siebenand / Es ist damit zu rechnen, dass die Apothekerdichte im Rheinland im Herbst stark ansteigen wird. Ende September und Anfang Oktober 2015 findet nämlich in Düsseldorf neben dem Deutschen Apothekertag und der Pharmamesse Expopharm auch der Kongress des Weltapothekerverbandes FIP (Fédération Internationale Pharmaceutique) statt. Mehrere tausend Kollegen aus der ganzen Welt werden dazu erwartet.

Vor 26 Jahren fand der FIP-Kongress in Deutschland zum ersten Mal statt, damals in München. Nun werden sich Apotheker aus allen Ländern in diesem Jahr wieder hierzulande versammeln. Die Werbe- und Vertriebsgesellschaft Deutscher Apotheker (WuV) ist mit der Organisation des Kongresses betraut. Stattfinden wird er vom 29. September bis zum 3. Oktober 2015. Die große Eröffnungszeremonie ist in der Düsseldorfer Stadthalle im Kongresszentrum geplant. WuV-Geschäftsführer Metin Ergül ist der Überzeugung, dass Düsseldorf auch deshalb den Zuschlag für den FIP-Kongress 2015 bekommen hat, weil sich dieser mit der Expopharm, der größten pharmazeutischen Fachmesse in Europa, verbinden lässt. »Besucher des FIP-Kongresses haben freien Eintritt zur Messe«, sagte Ergül gegenüber der PZ.

 

Chance zum Netzwerken

 

Die neue FIP-Präsidentin Dr. Carmen Peña rechnet mit 3500 bis 4000 Kongressteilnehmer aus mehr als 100 Ländern. Erwartet werden neben Apothekern auch Angehörige anderer pharmazeutischer Berufe. »FIP-Kongress und Messe zusammen werden eine fantastische Möglichkeit zum Netzwerken geben«, so die Apothekerin aus Spanien.

 

Peña betonte, das diesjährige Motto des FIP-Kongresses »Better practice – science based, evidence driven« sei auch für Apotheker in Deutschland ein relevantes Thema. »Man kann vieles von Kollegen aus anderen Ländern lernen.« Im Speziellen könnten zum Beispiel die Sessions zur Arzneimittelsicherheit und zum Medikationsmanagement von großem Interesse für deutsche Apotheker sein. »Der FIP-Kongress findet in diesem Jahr für die deutschen Kollegen quasi vor der Haustür statt. Deshalb sollte man sich die Möglichkeit, am Kongress teilzunehmen, nicht entgehen lassen. Da die Vorträge des Kongresses auch von der Bundesapothekerkammer als Fort­bildungsveranstaltungen akkreditiert sind, ist es auch möglich, Fortbildungspunkte zu sammeln.«

 

Die Anmeldung zum Kongress ist ab Februar möglich. Ein Teilnehmer, der seine Reise nach Düsseldorf bereits geplant hat, ist Andy Gray, ein Kollege aus Südafrika. Gray freut sich zwar schon auf die Kultur und Küche des Rheinlandes. Er werde in erster Linie aber wegen des Kongresses nach Deutschland kommen, sagte er der PZ. Dort gebe es zum Beispiel die Möglichkeit, darüber zu diskutieren, welche Maßnahmen im Gesundheitssystem zu einer noch besseren Qualität der pharmazeutischen Tätigkeiten beitragen und welche diese verhindern. Gespannt ist der Apotheker auch auf den Bericht der FIP-Arbeitsgruppe, die sich mit der Vergütung pharmazeutischer Tätigkeiten beschäftigt, welche von Land zu Land natürlich unterschiedlich geregelt ist.

 

Evidenzbasierte Pharmazie

 

Unter www.fip.org/dusseldorf2015 gibt es bereits eine Menge Informationen zu der bevorstehenden Veranstaltung. Das wissenschaftliche Programm des Kongresses wird sich mit der Verbesserung der pharmazeutischen Praxis durch wissenschaftlich fundierte und evidenzbasierte Pharmazie beschäftigen. Das zeigt: Obwohl die Apothekensysteme weltweit durchaus verschieden sind, beschäftigt man sich doch vielerorts mit den gleichen Fragen. Evidenzbasierte Pharmazie ist auch in Deutschland gerade ein sehr aktuelles und viel diskutiertes Thema.

Das vorläufige Kongressprogramm sieht auch einige Referenten aus Deutschland vor. Neben einer Session zur Pharmazie in Deutschland soll zum Beispiel das ARMIN-Projekt, die Arz­neimittelinitiative Sachsen-Thüringen, den internationalen Kollegen vorgestellt werden. Eine andere Sitzung unter Vorsitz von Karin Graf, Vorstandsmitglied der FIP-Sektion »Community pharmacy«, sowie Dr. Holger Reimann vom DAC/NRF befasst sich mit Fragen der Herstellung von Arzneimitteln in der Apotheke. Im Zuge dessen kommen auch Mitarbeiter des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL) zu Wort, zum Beispiel zur Sicherung der mikrobiologischen Qualität individuell hergestellter Arzneimittel und zur externen Qualitätskontrolle.

 

FIP-Präsidentin Peña freut sich auf ein umfangreiches Themenspektrum bei dem Kongress. Es sei schwer zu sagen, welche Sitzungen die wichtigsten seien. Für Peña sind es jene im Themenblock »Practice through science and science through practice«. Die FIP-Präsidentin betonte, es gebe einen wichtigen Aspekt, der die Apotheker weltweit eint: die Sicherstellung des richtigen Arzneimittelgebrauchs. Das heißt, Apotheker sollten dafür Sorge tragen, dass Medikamente nur eingenommen werden, wenn dies notwendig ist. Zum Einsatz sollten nur Präparate kommen, bei denen Wirksamkeit und Sicherheit durch wissenschaftliche oder klinische Evidenz, am besten beides, belegt ist. »Wissenschaft in die Praxis zu überführen, ist eine wichtige Aufgabe, für die Apotheker verantwortlich sind«, so Peña. Dazu gehöre zum Beispiel, die Patienten mit Blick auf die richtige Einnahme von Medikamenten zu beraten.

 

Neue Aufgaben

 

Die FIP-Präsidentin machte ferner da­rauf aufmerksam, dass sich der Apothekerberuf in den vergangenen 30 Jahren vielerorts gewandelt hat. »Früher lag der Fokus auf der Herstellung von Arzneimitteln, heute stehen der Patient und seine Beratung im Mittelpunkt.« Peña erwartet, dass diese Entwicklung weitergehen wird. Die Aufgaben würden zukünftig spezifischer und fortgeschrittener sein. So werde in einigen Ländern in der Apo­theke zum Beispiel schon geimpft. Peña: »Dennoch dürfen wir etwas Wichtiges nicht aus den Augen verlieren. Wir werden auch weiterhin immer die Experten für Arzneimittel bleiben.« /

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