Pharmazeutische Zeitung online

Streit um Orphan Drugs

08.01.2013
Datenschutz bei der PZ

Von Daniel Rücker / Mit Sonderregeln wollte die Bundesregierung im Jahr 2011 die Pharmaunternehmen motivieren, mehr Arzneimittel für seltene Krankheiten (Orphan Drugs) zu entwickeln. Das ist gelungen. Aus Sicht des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) womöglich zu gut.

Dessen Chef Josef Hecken, hat in der »Süddeutschen Zeitung« den Herstellern vorgeworfen, mit Anträgen auf die Zulassung als Orphan Drug die Nutzenbewertung für neue Wirkstoffe zu umgehen und so höhere Preise für ihre Medikamente zu erzielen. Mittlerweile würden für 30 Prozent der neuen Arzneimittel solche Anträge gestellt. Dabei verfolgten manche Pharmaunternehmen die Strategie, zuerst die Zulassung für eine sehr kleine Indikation zu beantragen und später die Zulassung für häufigere Erkrankungen nachzuschieben.

Die pharmazeutische Industrie kann die Argumentation vom GBA nicht nachvollziehen. Die Debatte basiere auf falschen Aussagen, heißt es in einer Stellungnahme des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie (BPI). Behauptungen, dass Unternehmen unter den seit 2011 geltenden Regelungen für neue Arzneimittel für Orphan Drugs hohe Preise erzielen könnten, seien schlichtweg falsch. Für Orphan Drugs gebe es ebenfalls Preisverhandlungen mit den Krankenkassen. Orphan Drugs müssten schon vor der Zulassung ihren Zusatznutzen bei der EU-Kommission nachweisen, um überhaupt den Status als Arzneimittel für seltene Erkrankung zu erhalten, heißt es beim BPI. Dieser Zusatznutzen sei dann auch die Basis für die Verhandlungen. /

Mehr von Avoxa