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Grippeschutz

Universal-Impftstoff in den Startlöchern

08.01.2008
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Grippeschutz

Universal-Impftstoff in den Startlöchern

Von Bettina Sauer

 

Ein neuartiger Grippeimpfstoff hat einen ersten klinischen Test bestanden. Er scheint gegen alle Influenza-A-Viren zu schützen, ohne dass er wie herkömmliche Impfstoffe jedes Jahr zu variieren ist. Diese Vorteile muss er aber noch in großen klinischen Studien beweisen.

 

Herkömmliche Impfstoffe erzeugen eine Immunantwort gegen Hämagglutinin oder Neuraminidase. Dabei handelt es sich um Eiweiße auf der Oberfläche von Grippeviren, die sich ständig durch Mutationen verändern. Deshalb müssen die Impfstoffe alljährlich angepasst werden. Nun hat die britisch-US-amerikanische Firma Acambis einen Impfstoff mit einer äußerst stabilen Zielstruktur entwickelt  und in einer klinischen Phase-1-Studie erfolgreich getestet. Die Vakzine ACAM-FLU-A erzeugt eine Immunantwort gegen den Ionenkanal M2e. Er findet sich auf der Oberfläche aller Influenza-A-Viren und verändert sich äußerst selten. Möglicherweise kann der Impfstoff also lange Zeit in der jetzigen Form zum Einsatz kommen.

 

In der Phase-1-Studie wurden 79 gesunde Testpersonen in vier Gruppen unterteilt und jeweils zweimal geimpft. Die erste Gruppe erhielt in beiden Fällen  ein Placebo, die zweite ACAM-FLU-A allein, die dritte kombiniert mit dem Adjuvans Aluminiumhydroxid, um die Immunantwort zu stärken. Die vierte Gruppe bekam ACAM-FLU-A zusammen mit einem neuartigen Adjuvans namens QS-21, eine derzeit auch von anderen Impfstoffherstellern erprobte Substanz aus dem südamerikanischen Baum Quilllaja saponaria. In der aktuellen Studie zeigte sich bei der Gruppe, die ACAM-FLU-A plus QS-21 erhielt, die beste immunstimulierende Wirkung. Nach Angaben von Acambis sollen 90 Prozent der Patienten Antikörper gegen Influenza-A-Viren entwickelt haben.

 

Allerdings liefert die Pressemitteilung keine detaillierten Informationen, etwa zur genauen Dosierung, zur Sicherheit des neuen Impfstoffes oder zur erreichten Antikörper-Konzentration. Doch kündigt Acambis darin an, die Ergebnisse zur Veröffentlichung in einem Fachjournal einreichen zu wollen. Wenn das gelingt und groß angelegte klinische Studien den Erfolg bestätigen, könnte der Grippeschutz ein gutes Stück vorankommen. Denn ACAM-FLU-A lässt sich gentechnisch erzeugen, also schneller und weniger aufwendig als die Mehrzahl der herkömmlichen Grippeimpfstoffe unter Einsatz befruchteter Hühnereier. Zudem besteht ein enormer Bedarf nach einem Langzeitschutz gegen Influenza-A-Viren, die die meisten schweren Grippeepidemien verursachen. Selbst gegen eine ihrer besonders gefürchteten Formen scheint der neue Impfstoff zu wirken: Gegen H5N1, den Erreger der Vogelgrippe. Laut Pressemitteilung hat Acambis Versuche durchgeführt, wonach Impfstoffe auf Basis von M2e etwa 70 Prozent der eingesetzten Tiere vor einer Infektion mit H5N1 schützten, die in der Placebogruppe tödlich verlief.

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