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Nykturie
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Aufstehen statt Ausschlafen

Rund die Hälfte aller Menschen über 65 Jahre steht mindestens ein- oder zweimal pro Nacht auf, um Wasser zu lassen. Das kann den Schlaf massiv stören und die Lebensqualität deutlich mindern. Für das Apothekenteam ist es wichtig, die möglichen Auslöser zu kennen, um Betroffene gezielt zu beraten, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und eine ärztliche Abklärung anzuregen.
AutorKontaktSilke Kerscher-Hack
Datum 15.02.2026  00:00 Uhr

Wichtig: Medikationsanalyse

Eine Medikationsanalyse in der Apotheke, die auch freiverkäufliche und apothekenpflichtige Präparate berücksichtigt, kann helfen, mögliche Auslöser einer Nykturie zu erkennen.

Besonders Diuretika wie Furosemid oder Hydrochlorothiazid können, abhängig vom Einnahmezeitpunkt, nächtlichen Harndrang begünstigen. Werden sie abends eingenommen, führt die Wirkung direkt zu vermehrtem Wasserlassen während der Nacht. Bei zu früher Einnahme kann der Effekt jedoch ebenfalls in die Nachtstunden hineinreichen. Denn die harntreibende Wirkung dieser Medikamente hält in der Regel sechs bis acht Stunden an. Sobald sie nachlässt, versucht der Körper, den Wasserverlust auszugleichen und reduziert das Harnvolumen. Dieser Prozess dauert ebenfalls etwa sechs bis acht Stunden. Ist der Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen, wird überschüssige Flüssigkeit verstärkt renal ausgeschieden. Wird das Diuretikum also zu früh am Tag eingenommen, fällt dieser Effekt häufig in die Nacht. Daher empfiehlt sich eine Einnahme etwa sechs bis acht Stunden vor der Schlafenszeit, was in der Regel dem Nachmittag entspricht. Eine Anpassung des Einnahmezeitpunkts sollte jedoch stets in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Neben Diuretika können auch andere Arzneimittel an einer Nykturie beteiligt sein. Dazu zählen Cholinesterasehemmer, Lithium, langfristig eingenommene NSAR sowie blutdrucksenkende Medikamente wie Betablocker, Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorenblocker (Sartane).

Darüber hinaus kann eine medikamentös verursachte Mundtrockenheit zu einer erhöhten Flüssigkeitsaufnahme führen. Diese Nebenwirkung tritt bei einer Vielzahl von Medikamenten auf, darunter Anxiolytika, trizyklische Antidepressiva, Antihistaminika, abschwellende Präparate (Dekongestiva), Antiparkinsonmittel, Opioide, NSAR sowie Antipsychotika wie Chlorpromazin, Perazin oder Clozapin (29, 35, 37).

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