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Nykturie
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Aufstehen statt Ausschlafen

Rund die Hälfte aller Menschen über 65 Jahre steht mindestens ein- oder zweimal pro Nacht auf, um Wasser zu lassen. Das kann den Schlaf massiv stören und die Lebensqualität deutlich mindern. Für das Apothekenteam ist es wichtig, die möglichen Auslöser zu kennen, um Betroffene gezielt zu beraten, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und eine ärztliche Abklärung anzuregen.
AutorKontaktSilke Kerscher-Hack
Datum 15.02.2026  00:00 Uhr

Gezielte Diagnostik mit SCREeN und TANGO

Für die Anamnese hat sich die sogenannte SCREeN-Methode (sleep, cardiovascular, renal, endocrine, neurology) aus der PLANET-Studie (PLanning Appropriate Nocturia Evaluation and Treatment) als hilfreich erwiesen, um mithilfe einfacher Fragen nicht-urologische Ursachen der Nykturie zu identifizieren. Beispielsweise können Schlafprobleme, die unabhängig vom nächtlichen Wasserlassen auftreten, nächtliche Atemaussetzer, eine Neigung zum Einschlafen am Tag sowie ein fehlendes Erholungsgefühl beim morgendlichen Erwachen auf eine Schlafstörung hinweisen.

Kardiovaskuläre und renale Symptome lassen sich durch Fragen nach Schwellungen an den Knöcheln oder Atemnot bei körperlicher Belastung abklären. Schwindel beim Aufstehen kann sowohl auf eine kardiale als auch auf eine neurologische Ursache hinweisen. Eine eingeschränkte Beinkontrolle, verlangsamte Bewegungen oder ein Zittern der Hände deuten auf eine Erkrankung des Nervensystems hin. Endokrine Störungen zeigen sich häufig durch ein verstärktes Durstempfinden oder Zyklusveränderungen bei Frauen (15).

Ein kurzer Fragebogen unterstützt das Erfassen möglicher Grunderkrankungen, die zum nächtlichen Wasserlassen beitragen können. Der Short-Form-Fragebogen TANGO (Targeting the Individual’s Aetiology of Nocturia to Guide Outcome) umfasst insgesamt 22 Fragen/Parameter aus den vier Themenbereichen Herz-Kreislauf/Metabolismus, Schlaf, Harnwege und Wohlbefinden. Er wurde von australischen Ärzten als Checkliste entwickelt, die der Patient selbst ausfüllt. Dadurch erkennt der Arzt relevante Zusammenhänge auf einen Blick und erhält eine klare Entscheidungsgrundlage für notwendige fachärztliche Überweisungen (Kasten).

Ein weiteres wichtiges Instrument ist das Blasentagebuch, das über mindestens drei Tage geführt werden sollte. Es enthält Angaben zu Trinkmengen, Miktionshäufigkeit und -volumen sowie zu Drangsymptomen und Inkon¬tinenzepisoden und ermöglicht dadurch eine Unterscheidung zwischen globaler Polyurie, nächtlicher Polyurie sowie verminderter Blasenkapazität. Entsprechende Miktionstagebücher stehen im Internet zum Download bereit, beispielsweise auf der Website der Deutschen Kontinenz Gesellschaft (2, 23, 31).

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