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Nykturie
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Aufstehen statt Ausschlafen

Rund die Hälfte aller Menschen über 65 Jahre steht mindestens ein- oder zweimal pro Nacht auf, um Wasser zu lassen. Das kann den Schlaf massiv stören und die Lebensqualität deutlich mindern. Für das Apothekenteam ist es wichtig, die möglichen Auslöser zu kennen, um Betroffene gezielt zu beraten, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und eine ärztliche Abklärung anzuregen.
AutorKontaktSilke Kerscher-Hack
Datum 15.02.2026  00:00 Uhr

Verhaltensänderung, Medikamente, Operationen

Die Therapie der Nykturie orientiert sich möglichst an der zugrunde liegenden Ursache und schließt meist eine Überprüfung der Medikation sowie Anpassungen des Verhaltens und Lebensstils ein. Bei ausbleibendem oder nicht ausreichendem Erfolg ist häufig eine medikamentöse Behandlung angezeigt.

Antimuskarinika wie Tolterodin oder Fesoterodin gelten als Goldstandard in der Behandlung der überaktiven Blase (OAB), zu deren Symptomenkomplex die Nykturie zählt. Sie reduzieren die afferente Blasenaktivität und verringern damit die Miktionsfrequenz. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Mundtrockenheit, Obstipation und gastroösophagealer Reflux. β3-Agonisten wie Mirabegron haben ebenfalls einen festen Stellenwert in der OAB-Therapie, können jedoch eine arterielle Hypertonie begünstigen.

Bei Blasenauslassobstruktion können α1-Rezeptorantagonisten wie Tamsulosin – eines der am häufigsten verordneten Medikamente bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) – sowie 5α-Reduktasehemmer wie Dutasterid eingesetzt werden. Die Wirkung ist allerdings begrenzt. So zeigte eine Studie mit mehr als 4000 Männern, dass Dutasterid ab dem dritten Monat eine allmähliche Besserung des nächtlichen Wasserlassens bewirkt, eine dem Placebo signifikant überlegene Wirkung jedoch erst nach etwa zwölf Monaten erreicht wird.

Für Phosphodiesterase-5-Inhibitoren und Phytotherapeutika ließ sich bislang hingegen kein signifikanter Unterschied in der Häufigkeit nächtlicher Miktionen im Vergleich zu Placebo nachweisen.

Bei manchen Männern kann eine operative Behandlung der BPH erwogen werden (11, 15).

Nach Ausschluss organischer Ursachen kann bei nächtlicher Polyurie eine Therapie mit Desmopressin erfolgen. Die Behandlung beginnt in der Regel mit 0,1 mg täglich und kann bei Bedarf schrittweise bis auf 0,4 mg gesteigert werden. Häufige Nebenwirkungen sind Elektrolytstörungen wie Hyponatriämie, arterielle Hypertonie und Kopfschmerzen. Eine Hyponatriämie vor Therapiebeginn gilt als Kontraindikation. Zudem ist bei Patienten über 65 Jahren besondere Vorsicht geboten.

Auch Diuretika können bei nächtlicher Polyurie versucht werden. Durch die Einnahme am Nachmittag lässt sich die Salz- und Wasserlast vor dem Schlafengehen verringern, wodurch die Zahl der nächtlichen Miktionen sinken kann.

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) können die Nykturie bei übermäßiger Urinbildung in der Nacht positiv beeinflussen, indem sie vermutlich die Prostaglandin-vermittelte Überaktivität der Harnblase hemmen.

Weitere Therapieoptionen sind unter anderem Sedativa, schlafanstoßende Medikamente bei Schlafstörungen, ein kontinuierlich positiver Atemwegsdruck bei obstruktiver Schlafapnoe oder Psychotherapie bei psychisch bedingter Polydipsie.

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