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Nykturie
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Aufstehen statt Ausschlafen

Rund die Hälfte aller Menschen über 65 Jahre steht mindestens ein- oder zweimal pro Nacht auf, um Wasser zu lassen. Das kann den Schlaf massiv stören und die Lebensqualität deutlich mindern. Für das Apothekenteam ist es wichtig, die möglichen Auslöser zu kennen, um Betroffene gezielt zu beraten, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und eine ärztliche Abklärung anzuregen.
AutorKontaktSilke Kerscher-Hack
Datum 15.02.2026  00:00 Uhr

Mehr als ein störendes Symptom

Die Folgen einer Nykturie betreffen nicht nur die körperliche und psychische Gesundheit, sondern schränken die Lebensqualität erheblich ein. Besonders im höheren Lebensalter steigt durch den wiederholten nächtlichen Toilettengang das Risiko für Stürze und Frakturen deutlich an. Hinzu kommt, dass ein oberflächlicher und häufig unterbrochener Schlaf zu Müdigkeit, verminderter Aufmerksamkeit und eingeschränkter Gleichgewichtskontrolle führt, was das Sturzrisiko zusätzlich steigert.

Der chronische Schlafmangel geht darüber hinaus mit Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Lethargie und Stimmungsschwankungen einher. Albträume, Gewichtszunahme, kognitive Beeinträchtigungen und Kopfschmerzen treten ebenfalls häufiger auf. Typisch sind zudem eine verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, die sowohl das Unfallrisiko im Straßenverkehr als auch die Zahl der Arbeitsunfälle erhöht. Infolge von Verletzungen oder Knochenbrüchen fehlen Betroffene häufiger am Arbeitsplatz.

Darüber hinaus wird Nykturie mit einer Verschlechterung der körperlichen Gesundheit sowie einem erhöhten Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Erkrankungen wie Demenz können durch den gestörten Schlaf verschlechtert werden. Zudem gilt Nykturie als unabhängiger Prädiktor für die Sterblichkeit, wie die US-amerikanische Bevölkerungsstudie NHANES III (Third National Health and Nutrition Examination Survey) gezeigt hat.

Auch die psychosozialen Folgen des nächtlichen Wasserlassens sind erheblich. Betroffene berichten über Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und einen Rückgang sozialer Aktivitäten. Aus Erschöpfung verzichten sie auf alltägliche Unternehmungen wie Einkaufsbummel oder Treffen mit Freunden. Durch das nächtliche Aufstehen kommt es auch bei Partnern und Angehörigen zu wiederholten Schlafunterbrechungen, die eine erhebliche Belastung darstellen. Aus diesem Grund zählen Nykturie und Inkontinenz bei älteren Menschen zu den häufigsten Gründen für eine Heimunterbringung (14, 17, 18, 30).

Nykturie gilt zwar häufig als altersbedingt, insbesondere bei Männern, kann jedoch ein frühes Warnsignal für eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung sein. Wer regelmäßig mehr als zweimal pro Nacht Wasser lassen muss, sollte die Ursache ärztlich abklären lassen. Gleiches gilt für Personen, bei denen sich die Nykturie plötzlich verschlechtert. Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis (13, 24).

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